Tag: Guesthouse

Einkaufen ohne Kummer – bei Kumar&Kumar!

20. Oktober 2017

Als ich vor fast zwanzig Jahren das erste Mal auf die Seychellen reiste, buchte ich nichtsahnend eine Self-Catering-Unterkunft. Schließlich war ich als Camperin gewohnt, mich selbst zu bekochen und fand nichts schöner, als auf diese Art Freundschaft mit den Produkten des Landes zu schließen. Doch auf den Seychellen sollte ich in den 1990er Jahren eine harte Lektion lernen – nämlich die der damaligen, noch deutlich sozialistisch geprägten Mangelwirtschaft. In den Geschäften gab es außer Reis, Linsen und Thunfisch in Dosen fast nichts, Zwiebeln waren so schwarz, als kämen sie direkt aus dem Kohlenkeller, Knoblauch wurde bisweilen wie ein kostbarer Schatz unter dem Tresen gehandelt, Obst- und Gemüsestände – Fehlanzeige, und so war es nicht selten der Fall, dass ich für eine Tomate, einem Hühnchen oder frischen Fisch auf den Markt nach Victoria musste.

Doch komisch – trotz der stereotypen Antwort „na pa“, was so viel heißt: „Gibt’s nicht. Gibt’s heute nicht, und morgen erst recht nicht“, zauberten wir die tollsten kreolischen Menüs! Da rief ein Freund an: „Hey, ich hab eine Schachtel Garnelen erstanden“! Der nächste entdeckte beim Inder um die Ecke Kartoffeln, und wieder ein anderer Bekannter war der glückliche Käufer einer magischen blauen Schachtel, in die der gute alte Kraft-Cheddar-Käse verpackt war. Der Nachbar hatte bestimmt noch ein oder zwei Eier von seinen Hennen im Nest. Dazu: Ein paar Chilischoten direkt vom Kräutertopf auf der Terrasse, dazu Sternfrucht und Papaya hinterm Haus. Schon konnte es losgehen – und es entstand ein herrliches Gratin mit tropischen Beilagen, getoppt von Kokosnüssen frei Haus.

Heute ist das alles anders: Wer in den großen Luxushotels verkehrt, weiß – und das sage ich ganz ohne Vorwurf – sowieso nicht, von was ich spreche. Und in den heutigen kleinen Guesthäusern ist es mittlerweile kein Problem, die Leckereien des Landes selbst auf den Tisch zu bringen. Überall am Straßenrand gibt es frischestes Obst und Gemüse, Fisch sowieso – und wer da nicht zugreift, ist selbst Schuld! Aber ab und zu muss man halt auch mal andere Zutaten einkaufen, sei es nur Essig und Öl, oder Butter und Milch. Joghurt und Müsli wären auch nicht schlecht, und ein bisschen Käse und Wurst für ein herzhaftes Frühstück dürfen auch nicht fehlen. – Was vor zwanzig Jahren noch als unvorstellbares Schlaraffenland galt, ist heute Realität. Gewiss, man könnte sich jetzt die Mühe machen, diverse Inderläden nach deren Sortiment abzuklappern oder man könnte sich in den Stau nach Victoria einreihen, um im Hypermarket oder Spar einzukaufen. Braucht man alles nicht, denn hier kommt die Lösung (zumindest für Mahé).

In Fairyland an der Ostküste wartet Kumar & Kumar: Zugegeben, es ist nicht gerade sexy, über einen Supermarkt zu schreiben, aber K&K haben es sich redlich verdient! Zunächst scheint es eher normaler Laden, in einer engen Kurve gelegen – aber es ist eine Instanz, denn schon immer hatten K&K versucht, ein breiteres Warenangebot auf die Insel zu bringen als andere. Heute genieße ich die Vielfalt mehr denn je und vermisse nichts, verglichen mit Deutschland: Wer hätte gedacht, dass ich bei K&K sogar ein Low-Carb-Toastbrot mit leckeren Samen und Saaten bekomme? Dass Nutella im Regal steht, interessiert mich weniger, aber dass ich Mozzarella und Parmesan bekomme, dann irgendwie schon. Das, was ich aber am meisten liebe, sind die vielen leckeren Zutaten für eine authentische kreolische Küche, die zu weiten Teilen indischen Ursprungs ist. Und hier ist K&K eine wahre Fundgrube. Vor allem dann, wenn es um klassische Snacks wie Chips oder „moulouk“ geht –  „Teigwürmer“ mit exotischen Gewürzen. Woanders sind sie lätschert und langweilig, doch Kumar&Kumar bietet würzig-knusprige Gebäck-Schlangen, die ihresgleichen suchen:

Was auch immer ich brauche, bei K&K finde ich es: Waschpulver und Batterien, Hygiene-Artikel bis hin zu der Deo-Marke, die ich auch in Deutschland benutze, Sprudelwasser und erlesene Weine, Nagellack und Desinfektionsmittel, Trauben und Melonen, Dosen-Champignons und Vanilla-Essenz, Pasta und Fertig-Pizza aus der Gefriertruhe. Käse und Schinken, und zwar alle erdenklichen Sorten, Joghurt zu Hauf und so weiter und so fort. Genau genommen gibt es nichts, was es nicht gibt – und das ist gut so, denn das heißt für mich: Keine nervigen Importe aus Deutschland, denn plötzlich ist Mahé das, was es früher zu Zeiten der Entdecker im 18. Jahrhundert war: L’Ile d’Abondance – die Insel des Überflusses, es ist ja alles da. Und selbst, wenn ich es nie im Leben brauchen oder kaufen würde – das wichtigste ist aber: Ich weiß, dass alles ALLES da ist – und das bringt Ruhe in den Tropenalltag, und keine dumme Rumrennerei von Pontius zu Pilatus, von ISPC zu STC.

Der heimliche Star von Kumar & Kumar ist aber eine dreieckige Delikatesse, die auf den Namen „samousa“ hört.

Die „samousa“ finden sich eigentlich überall auf der Insel, aber die von K&K sind der absolute Brüller und ein echter Insider-Tipp, denn nirgendwo sind sie frischer, knuspriger und pikanter. Für gerade mal 4 Rupies lässt sich so ein Teigteilchen vernaschen. Oder anders gesagt: Für ein bisschen mehr als einen Euro kriegt man vier von diesen Leckerbissen, die dann schon so etwas wie eine ganze Mahlzeit für eine mittelmäßig hungrige Person darstellen. Da aber in diesen Teigtaschen so etwas wie ein Sucht-Faktor steckt, bitte unbedingt mehr kaufen. Sie halten sich auch ein, zwei Tage lang im Kühlschrank. Werden sie dann kurz in einer heißen Pfanne angeröstet, schmecken sie fast so gut wie am ersten Tag, nämlich einfach nur hinreißend.

Es gibt zwei Varianten, die erstere – vorne im Bild – mit „legim“ (also Gemüse, von frz. „légume“), worin sich Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Mais verbergen, die mit „safran“ (Kurkuma) gewürzt wurden. Und dann die zweite – hinten im Bild – mit „pwason“ (also mit Fisch, von frz. „poisson“), die eine herrlich-würzige Füllung aus Thunfisch, Chili und „kari pile“ (Blätter des Curry-Strauchs) beherbergen.

Wer von den beiden mein Favorit ist? Ganz einfach: tagesformabhängig!

Fazit: Bei Kumar & Kumar gibt es alles, was das Herz begehrt – und der Magen erst recht. Keine Notwendigkeit, als Selbstversorger auf Mahé zu verkümmern. Und erst recht kein Grund, z.B. loses Obst oder Gemüse im Koffer auf die Seychellen zu bringen – das ist verboten und wird mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. Zwar ist K&K nicht mit Kaufland, Lidl oder Rewe zu vergleichen, aber das, was es da gibt, reicht völlig aus, um das kulinarische Inselglück in der Selfcatering-Unterkunft perfekt zu machen!

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Ort: Kumar&Kumar, East Coast Road, Fairyland – Pointe au Sel/ Mahé (Ostküste), mit dem Auto ca. 15 min. südlich vom Flughafen, mit dem Bus etwas länger

Öffnungszeiten: täglich ab 8.00 Uhr bis mindestens 21.00, manchmal auch später bis in die Nacht; sonntags mit Mittagspause bzw. nachmittags länger zu

Tel: 00248 4 371 110

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.