„Bonn anniverser, Annegret Bollée!“ Zum 80. Geburtstag der Grande Dame der Kreolistik

4. März 2017
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Die Seychellois sprechen viel, und sie sprechen laut. Dieser Teppich aus Stimmengewirr ist immer und überall auf den Inseln ausgelegt. Er ist gewebt aus Kreolisch, Englisch und Französisch.

Wer sich sprachlich den Einheimischen nähern will, dem sei empfohlen, ein paar Brocken Seychellen-Kreo­lisch zu lernen. Es ist nicht schwer! Fast jeder Reiseführer für die Seychellen hält im Anhang ein kleines Glossar mit den wichtigsten Vokabeln be­reit. Mittlerweile gibt es auch einen kleinen Sprach­führer aus der Reihe „Kauderwelsch“, der zwar von Sprachwissen­schaftlern (zu Recht) belächelt wird, der aber dem reisenden Otto Normalverbraucher Angst vor dem Lernen einer fremden Sprache nimmt.  In ihm habe ich das Zitat von William Travis aus dem Jahr 1959 gelesen: „Die Seychellen sind zwar eine britische Kolonie, aber die Leute sprechen kaum Englisch hier. Die Lingua franca ist ein primitiver kreo­lischer Dialekt, der wenig oder gar nichts mit dem Französischen gemein hat … Das Kreolische hat keine Ge­schichte, es kann sich nicht weiterent­wickeln und auch keine Literatur hervorbringen. Als Sprache ist es ohne jede Bedeutung“.

Wie bitte??? Der gute Herr Travis mochte zwar Ahnung von der Tiefsee haben, beim Eintauchen in die Sprache der Seychellois hat er sich aber gewaltig den Kopf am flachen Grund gestoßen…

Was kaum einer weiß: Ausgerechnet eine deutsche Professorin – dazu noch beheimatet an der Universität meiner Stadt Bamberg – war es, die den Seychellen in gewisser Weise zu ihrer sprachlichen Identität verhalf. Annegret Bollée wird heute 80 Jahre alt.

Erst seit vier Jahrzehnten gibt es so etwas wie ein sprachliches „Nationalbewusstsein“ auf den Seychellen. Wie kam es dazu? Der Auslöser hierfür liegt in den frühen 1970er Jahren, als Annegret Bollée gerade dabei war, sich auf ihre anstehende Habilitation vorzubereiten. Genauer gesagt, war es eine Konferenz an der Universität Köln, die ihr sprachwissenschaftliches Interesse an den Kreol-Sprachen im Allgemeinen weckte. Als sie dann über Stationen auf Mauritius und Réunion sich den Seychellen und der dort existierenden Sprache näherte, war die Forschungslage total unübersichtlich, oder besser gesagt: überhaupt nicht vorhanden. Zunächst einmal näherte sich Annegret Bollée dem kreol seselwa über Märchen und mündlich überlieferte Erzählungen, die seinerzeit in der „Creole Hour“ noch im Radio ausgestrahlt wurden. Daraus wurden dann „kreolistische Ausflüge“ und Forschungsaufenthalte auf den Inseln, die noch das Prädikat „Abenteuer“ verdienten. Mit Tonbändern bewaffnet, so ging es damals auf Feldforschung und umfangreiche Sprachaufzeichnungen, Auswertungen und Analysen standen auf dem Programm. Darauf aufbauend erfolgte das schwierige Stadium, dieser Sprache eine eigene Orthografie zu geben. Als zudem Annegret Bollée 1977 schließlich den Grundstein für eine Grammatik legte, diese dann gedruckt in Händen hielt, war der sichtbare Beweis erbracht: das kreol seselwa ist nicht irgendeine Missgeburt unter Dialekten, nein – es ist eine eigenständige Sprache.

Verschriftung war das Zauberwort! Und so gibt es dank der Arbeit von Annegret Bollée nicht nur eine Orthographie und eine Grammatik – auch das erste Buch in seselwa kreol, das je erschien, hatte sie auf den Weg gebracht. Dennoch, obwohl sie soviel für diese Sprache geleistet hat, war die Resonanz bei den Einheimischen ernüchternd. In einem Interview sagte Annegret Bollée auf die Frage: „Hat man Ihnen dies auf den Seychellen in irgendeiner Weise gedankt?“: „Nein, das kann ich ganz klar verneinen“ (Quelle, siehe unten, Seite 208). – Was sie aber dennoch nicht davon abhielt, weiter über das kreol seselwa zu forschen. So entstand das Dictionnaire étymologique des créoles français de l’Océan Indien (DECOI): ein ganz spezielles Wörterbuch, mit dem die Herkunft des Vokabulars geklärt werden kann, das uns überall auf den Inseln begegnet.

Doch Kreolisch existiert nicht nur auf den Seychellen, sondern wird – jeweils in unterschiedlicher Form – rund um den Äquator gesprochen: in der Karibik auf Dominica, Guadeloupe, Haiti, Martinique und St. Lucia, westlich von Afrika auf den Kapverdischen Inseln, östlich von Afrika auf den Inseln des Indischen Ozeans. Der Ursprung des Seychellen-Kreol liegt irgendwo rechts von Ma­dagaskar, in einem Gebiet, das sich als Mascarenen in den Geographiebüchern finden lässt. Der Grundstein für dieses »Prototypen-Kreo­lisch« wurde mit der französischen Koloni­sation der bis dato unbewohnten Insel La Réunion im Jahr 1665 gelegt. Die neuen Herren beschafften sich Sklaven, und da auch damals schon Kosten­senkungspotenziale ausgeschöpft werden mussten, wählten sie eine seinerzeit durchaus als günstig zu bezeichnende Beschaffungsquelle: Madagaskar.

Wenig später kamen Inder und Indo-Portugiesen dazu, die bereits um die Jahrhundertwende, also um 1700, annähernd ein Viertel der versklavten Bevölkerung ausmachten. Damit nicht genug: Die­ses Völkergemisch wurde angereichert durch den gezielten »Import« von Schwarzen. Sie stammten aus anderen Teilen Afrikas, vor allem aus Mo­zam­bique. Da die Kolonialherren auf starke und leis­tungsfähige Arbeitskräfte auf ihren Zucker­rohr- und Vanilleplantagen bedacht waren, wollten sie die Debilität fördernde Inzucht unter den Sklaven vermeiden. Sie sorgten sogar für frisches Blut aus Guinea. – Das kreolische Vielvölkervolk war ge­boren. Und genauso schnell, wie es in nur we­nigen Jahrzehnten zusammen­gewürfelt wurde, genauso schnell entwickelte sich das Kreolische. Also (zum Bedauern der Sprachwissenschaftler) keine Sprache mit jahrhundertlanger Evolution und Tradition – ganz im Gegenteil! Wir haben es beim Kreolischen mit einer sehr jungen Sprache zu tun, denn damals musste in Windeseile ein Sprach­vehikel her, so dass sich nicht nur die Kolonial­herren mit ihren Sklaven, sondern auch diese untereinander verstän­digen konnten.

Die ersten davon, die die Seychellen erreichten, waren die Begleiter von ungefähr einem Dutzend französischer Siedler. Sie landeten auf der Haupt­insel Mahé am 27. August 1770 – genauer gesagt, landeten sie vor Mahé im heutigen Wasser­schutzgebiet und Nationalpark Sainte Anne und bauten auf der gleichnamigen kleinen Insel ihre erste Plantage. Sie kamen aus Mauritius und brachten von dort als praktisches Souvenir das mittlerweile hundertjährige Kreolisch auf die Seychellen mit. So entstand zunächst beinahe unbemerkt eine ganz besondere Sprache, die in dieser Form weltweit einzigartig ist: das Seychellen-Kreol. Es gehört zu den französischbasierten Kreolsprachen, den sogenannten „Frankokreolsprachen“.

Was es damit auf sich hat? Es ist eine Sprache, die nur entstehen konnte, weil die Sprache der französischen Kolonialherren auf die ihrer afrikanischen Sklaven prallte. Die mussten sich – ob sie wollten oder nicht – irgendwie mit ihren Herren arrangieren. Deswegen geht Annegret Bollée davon aus„…, dass die Kreols einschließlich ihrer Grammatik aus Basissprachen entstanden sind…, die Frankokreols aus dem Französischen, dem gesprochenen Französisch der Kolonialzeit“ (Quelle siehe unten, Seite 198).

Doch Annegret Bollée ging es nie nur um die Sprache. Stets hatte sie das Schicksal der Menschen im Auge. Mit viel Engagement setzte sie sich für einen Imagewandel und die Aufwertung des seselwa kreol ein, das stets unter dem Stigma einer „Sklavensprache“ litt und nicht so recht einen etablierten Platz im Bildungssystem finden wollte. Das Vorurteil, dass das seselwa kreol primitiv sei und sich weit davon entfernt befinde, den Status einer „richtigen Sprache“ einzunehmen, versucht  sie bis heute mit ihrer wissenschaftlichen Forschung zu entkräften.

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Bollée, Annegret: Beiträge zur Kreolistik. Herausgegeben sowie mit Vorwort, Interview, Schriftenverzeichnis und Gesamtbibliographie versehen von Ursula Reutner als Festgabe für Annegret Bollée zum 70. Geburtstag,  hier: „Kapitel V. Im Gespräch mit Annegret Bollée, S. 189 – 215, Verlag Buske/Kreolische Bibliothek 21 Hamburg 2007 – nachzulesen im Web-Schriftenverzeichnis von Ursula Reutner

Gelb ist nicht gleich Gelb: Warum Kurkuma kein Safran ist…

26. Februar 2017
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Wer sich in die Seychellen verliebt, tut es nicht unbedingt nur wegen Land und Leute, sondern auch wegen kreol kwisin – der typisch kreolischen Küche. Liebe geht schließlich durch den Magen.

Eines der wichtigsten Zutaten ist ein farbintensives Gewürzpulver. Oder sollte ich besser sagen: Puder? So samtig und fast staubig kommt es daher, so zart und fein, dass es sich nicht nur perfekt an die Speisen anschmiegt, sondern überall seine Spuren hinterlässt – auch da, wo es eigentlich nicht hinsollte, z.B. an Haut und Kleidung. Die Flecken gehen dann so gut wie nicht mehr raus… Und wenn ich damit koche, verfärben sich sogar meine Fingernägel, zum Glück nicht auf Dauer! Aber das ist auch schon das einzig Negative an diesem Zeug, denn diese knalligfarbene Zauberzutat ist nicht nur extrem schmackhaft, sondern auch gesund und ein Fatburner obengleich! Ein Alleskönner –  Kurkuma, ohne das auf den Seychellen nichts geht, zumindest nicht in der Küche. Denn hier würzt es fast jede Speise, vor allem die leckeren Curry-Gerichte

Kurkuma – was ist das eigentlich? Zunächst einmal ist es eine recht gewöhnliche Tropenpflanze, die überall rund um den Äquator wächst. Sie hat hübsche lange grüne paddelähnliche Blätter, eine schnuckelige weiße Blüte, die aufrecht wie eine Fackel steht und sieht insgesamt äußerst adrett aus. Ihre wahren Werte aber liegen unter der Erde – in ihrer Wurzel. Kein Wunder, dass Kurkuma auch Gelbwurz genannt wird. Mancherorts heißt sie auch Safranwurz, aber mit dem kostbaren Safran, das aus den Blütenstempeln von Krokussen gewonnen werden, hat sie nichts zu gemeinsam – bis auf ihre intensive goldgelb-orangene Farbe.

Vielleicht auch deswegen heißt Kurkuma auf den Seychellen einfach safran – was sogar fett auf den kleinen Gewürzschachteln in fetter Schrift aufgedruckt steht.

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Kein Wunder, dass selbst gestandene Journalisten – jüngst geschehen in der WDR-Reportage „Traumhaft schön“ (5.2.2017) – auf diesen „Etikettenschwindel“ hereinfallen. Aber jeder, der sich ein bisschen in Küchenkunde auskennt, würde schon beim Kauf von seychellischem safran merken, dass es gar kein echter Safran sein kann, so günstig ist das Gelbwurz-Pulver auf der Insel. Im Übrigen verbirgt sich auch der kleine englische Zusatz turmeric powder auf der Schachtel, und die deutsche Übersetzung heißt eben nichts anderes als – KURKUMA.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so recht, wie ich den Geschmack von Kurkuma beschreiben soll – eine eigenartig bitter-erdige Schärfe hat es. Fast neige ich dazu, es so ähnlich einzustufen wie Curry oder Masala. Doch hiervon gibt es x verschiedenen Variationen und viele seychellische Haushalte haben da ihre eigene Mischung – geheim, versteht sich.

Deswegen verzichte ich auf weitere Recherche hinsichtlich dieser Zusammensetzung, kaufe Kurkuma entweder in den obigen Schachteln oder in kleinen Tütchen und verwende es gern pur, z.B. wenn ich aus den seychellischen Kürbissen eine Suppe zaubere oder wenn ich Auberginen habe, die ich dann als bennyen brenzel in einem Bierteig ausbacke, den ich natürlich mit Kurkuma würze.

Und bei diesem ganz einfachen Essen merke ich dann: Geld macht nicht glücklich – GELB macht glücklich!

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Rezept für bennyen brenzel

(„Gebackene Auberginen“, für 2 Portionen)

  1 dicke Aubergine
  1 Ei, etwas Mehl, ca. ½ Glas Bier, Salz und Kurkuma nach Belieben
Öl, Salz und Küchenpapier

Aubergine in ca. 5-7 mm dicke Scheiben schneiden, salzen und warten, bis Wasser austritt; dieses dann abtupfen. Ei trennen, Eiweiß zu steifem Schnee schlagen, Eigelb mit Bier schaumig rühren, soviel Mehl einrühren, bis ein leicht zähflüssiger Teig entsteht, dann Eiweiß unterheben, Salz und Kurkuma dazugeben und nochmals leicht aufschlagen. In einer großen Pfanne Öl (noch besser: Kokosfett/Palmin) erhitzen, dann Auberginenscheiben in Teig wälzen und vorsichtig goldgelb ausbacken. Auf Teller mit Küchenpapier geben und entfetten.

Dazu passt ein Dipp, ein Chutney oder eine fruchtige „sos kreol“ aus geschmorten Zwiebeln, Ingwer, Knoblauch, Chili, Kreuzkümmel und passierten Tomaten.

 

Glanz und Gloria vergangener Tage: das Mahé Beach Hotel

21. Februar 2017
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Es war einmal – ja, es war einmal eine Zeit auf den Seychellen, in der es einen ganz besonderen Hauch von Extraklasse gab, einen Glanz längst vergessener Tage…

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Glamour und Paradies – das passte schon immer gut zusammen. Kein Wunder, dass es auch schon vor zehn, zwanzig Jahren einen Platz gab, der all das vereinte, und noch ein bisschen Luxus on top versprach: das Mahé Beach Hotel an der Westküste der Hauptinsel gelegen, in der ruhigen Buchtenlandschaft von Port Glaud.

Was war hier nicht alles los?! Die mächtigsten Männer des Indischen Ozeans, Afrikas und der Welt trafen sich hier, der schönsten der schönsten Frauen des Universums auch– die Miss-World-Wahlen fanden 1998 hier statt, sämtliche Staatsempfänge und Bankette, Hochzeiten und Feiern zu offiziellen Anlässen – das Mahé Beach war genau der richtige Ort für Sehen und Gesehen werden.

Und mit einem Schlag war alles aus; es muss irgendwann um 2008 gewesen sein. Das begehrte Hotel und das noch begehrtere Grundstück am Meer mit grandiosem Ausblick haben sich – wie schon öfter – die Araber unter den Nagel gerissen. Ausverkauf der Insel? Ich war seinerzeit optimistisch, hoffte auf Renovierung und Wiedereröffnung in neuem Glanz. Doch dazu kam es nicht. Bis jetzt jedenfalls nicht.

Das Hotel zerfiel, Fenster wurden herausgestemmt, Badewannen und Toilettenschüsseln ebenso, den Lampen ging da Licht aus, und gehen musste auch das Mobilar, na klar…

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…doch vieles blieb zurück – so, als wären gerade eben die Angestellten nach Hause gegangen. Offene Reservierungsbücher liegen genauso herum wie Telefonhörer neben ihren vorsintflutlichen Apparaten.

Doch das Hotel selbst steht noch – wenngleich auf deutlich wackeligeren Beinen als früher…

Schon immer wurde über das Aussehen und das Äußere des „Mahé Beach“ gespottet: ein gruseliger Beton-Bunker sei es, ein sozialistischer Protzbau – überhaupt, das hässlichste Hochhaus am schönsten Fleck der Welt.

Mag sein.

Ich jedoch liebe das Hotel – und wundere mich selbst darüber. Schön ist es nämlich wirklich nicht.

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Aber eigentlich hätte es das Zeug, zu einer Art „National Monument“ erklärt zu werden; allein schon wegen seines Äußeren. Mit etwas Fantasie empfindet es nämlich – vielleicht etwas postmodern angehaucht – die Form der Hauptinsel Mahé nach. Und nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung für das einstige gesellschaftliche Leben auf den Seychellen hätte es einen besseren Lebensabend verdient. Vergleiche zu anderen wichtigen geschichtsträchtigen Gebäuden in Europa drängen sich auf – Erichs Lampenladen bzw. der „Palast der Republik“ in Berlin oder das Patarei-Gefängnis in Tallinn/Estland.

Für das „Mahé Beach“ ist der Verfall vorprogrammiert – mittelfristig jedenfalls. Zwar wollten es die neuen Eigentümer komplett abreißen, doch man munkelt, es sei kein schlüssiges Konzept vorgelegt worden, wie die immensen Brocken von Beton-Müll hätten entsorgt werden können. Angst ging um, alles würde im Meer landen. Die Angst war berechtigt, und sie ist es immer noch.

Ich wünschte mir, es bliebe so, wie es ist, einfach erhalten. Wie wundervoll die Paarung des morbiden Charme mit den Kalenderblatt-Klischees von makekllosen Stränden und Insel-Idylle. Es gäbe viele Idealisten, die wüssten, wie man den alten Kasten richtig in Szene setzt. Momentan sind es nur Meer und Sonne, die es mit Licht und Luft liebkosen und die Wunden lecken…

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Achtung: Wer auf Internet-Portalen wie holidaycheck.de immer noch Bewertungen zum „Mahé Beach“ aus den letzten Monaten und Jahren findet, der muss genauer hingucken! Denn das „Mahé Beach“ hatte eine verwirrende Gemeinsamkeit mit dem „Beau Vallon Bay“, was zu Verwechslungen führt(e) – beide Unterkünfte gehör(t)en zur gleichen Hotel-Kette Berjaja. Und aus diesem Grund gehen bisweilen die Kommentare ganz schön durcheinander. Fakt ist, dass holidaycheck.de zwar noch immer das „Mahé Beach“ gelistet hat, die Kommentare sich aber definitiv auf das „Beau Vallon Bay“ beziehen!

Der Vollmond, das Wetter und die seychellischen Bauernregeln

16. Februar 2017
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Wie überall auf unserer Welt, so gibt es auch hier auf den Inseln geheime Gesetze, die alles zusammen halten. So auch die Sache mit dem Vollmond. Eine der uralten seychellischen Regeln lautet: „Drei Tage nach Vollmond schlägt das Wetter um“. Aber bitte schön, in welche Richtung? Die Einheimischen sind sich einig: In den Zeiten des Nordwest-Monsum kommt drei Tage nach Vollmond richtig doller Regen. In den Zeiten des „vannswet“ (Südost-Monsum) klart drei Tage nach Vollmond das Wetter auf.

Wir haben Mitte Februar:
Wir haben die Zeit des Nordwest-Monsuns.
Und wir haben drei Tage nach Vollmond.

Deswegen war es heute Nacht nicht verwunderlich, dass es plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterstem Himmel das Regnen anfing. Nein, nicht so ein duseliges Getröpfel! Sondern ein richtiger Guss, so laut, so heftig, dass an Schlaf zunächst einmal nicht mehr zu denken war. Ha, das musste er sein – dieser Wetterwechsel!

Ich beginne zu überlegen, versuche sonstige meteorologische Phänomene auszumachen, um meine Theorie vom nahenden Sonnenverzicht zu untermauern. Schlechtwetter-Periode im Anmarsch? Ja, da waren doch gestern im luftigen Blau des Himmels tatsächlich zweieinhalb Cirrus-Wolken zu sehen…

Kein Wunder, dass der Regen unüberhörbar heftig über den Inseln hereindonnerte. Ich stellte mir vor, wie grau die Welt ist, wenn ich heute Morgen aufwache, doch dann das hier…

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… und alles ist gut, denn der Nordwest-Monsun hat mit seinem reinen Atem die Inselwelt einmal ordentlich durchgepustet, für Frische gesorgt  und die seychellischen Bauern hatten mit ihren Regeln einfach wieder mal Unrecht!

Kleiner Nachtrag – 17.2.2017 – 11.46: UUUUUPPPS – die seychellischen Bauern hatten doch recht!!! Seit 12 Stunden regnet es ununterbrochen! Und kein Ende in Sicht – nur Wolken und Tropfen in den Tropen!

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Die „Inner Seychelles“ – über Mont Plaisir von Küste zu Küste

15. Februar 2017
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Wie heißt es doch so schön: Wahre Schönheit kommt von innen!

Aber wer auf die Seychellen reist, sucht vor allem eines, nämlich das oberflächliche Klischee: den perfekten Strand, den weißesten Sand, das klarste Wasser. Das kann er alles kriegen, und zwar mehr als genug.

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Doch es gibt mehr als Meer. Weitaus mehr „Mehr“. Das liegt versteckt zwischen den Küsten, in den Bergen und in den tief eingeschnittenen Tälern, hinter dichten Mauern aus Urwald und zwischen riesigen Felswackern aus Granit.

Die Seychellen – wie sie kaum einer kennt!

Die Seychellen – ein Schatzkästchen voll wertvollster Überraschungen!

Machen wir uns auf zu einer Entdeckungstour!

Suchen wir uns einen dieser hintersten Winkel und erkunden wir das Land, wie es wirklich ist: die „Inner Seychelles“. Ich meine hier nicht: die inneren Seychellen-Inseln (die wichtigsten davon sind: Mahe, Praslin, La Digue, Cerf, Bird Island, Curieuse, Silhouette, North, Cousin, Marianne, Felicite, Aride), sondern ich meine buchstäblich: das Innere der Seychellen. Also genau das entdecken, was das Innere, den Herzschlag der Inseln ausmacht. Das geht am besten zu  Fuß, auch wenn es anstrengend ist. Niemandem kann ich empfehlen, auf eigene Faust durch die tiefen Wälder zu streifen, aber meine kleine Tour ist gut geeignet für Menschen mit einer – sagen wir mal – durchschnittlichen bis guten Kondition, mit festem Schuhwerk und ausreichender Wasserversorgung. Die Tour führt von Westküste nach Ostküste, immer der Straße entlang. Das tut den sich offenbarenden Schönheiten der Natur keinen Abbruch, denn es ist eine kleine Straße, wenig befahren und weit ab vom öffentlichen Pulsschlag.

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Wir sind auf Mahé, im Süden der Insel. Früher, ja früher vor 20 Jahren, war es  ziemlich verpönt, im Süden der Insel zu wohnen. Noch heute zieht es die meisten, die auf den Seychellen dauerhaft wohnen wollen, in den Norden. Die vermeintliche Nähe zur Hauptstadt ist es, die die Bevölkerungszahlen in den Gebieten „Bel Air“ und „Bel Ombre“ sowie rund um den Beau Vallon rasant hat ansteigen lassen. Mitleidig wurde ich belächelt, wenn ich erzählte, dass wir in der Anse Louis wohnen, im wilden Süden…

Und heute? Heute höre ich immer wieder wehmütige Stimmen, die folgendes beklagen: „Früher, da war La Digue der wildromantischste Fleck auf den großen Seychellen-Inseln. Aber heute … heute findest Du genau das im Süden Mahés, was Dir früher so gut auf La Digue gefallen hat“. Ursprünglichkeit heißt das Zauberwort.

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Wer mit dem Bus fährt, steigt in der Anse Boileau aus, entweder bei der Feuerwehr („fire brigade“) oder bei der „District Administration“. Notfalls den Busfahrer fragen. Wer einen Leihwagen hat, kann ihn in der Nähe des Lieferanteneingangs vom Maja Hotel abstellen. Nur ein ganz kurzer Weg ist es von beiden Haltepunkten zum Beginn der Bergstraße „La Salette“. Sie beginnt an einem runden Verkehrsspiegel, mitten in der Krümmung einer scharfen Kurve. Ob ein Schild mit „Sanctuaire Notre Dame de La Salette“ – dem Hinweis auf das kleine Kirchlein „Zu Unserer Lieben Frau von La Salette“ – dort hängt, und wenn ja, ob es sichtbar ist, das ist leider tagesformabhängig.

Dann geht es schon los, zunächst durch kleine niedliche und gepflegte Siedlungen, bevor dann schnell die Straße ganz steil ansteigt. Zwei, drei kleine Wege zweigen nach links ab, einer führt auf den Friedhof von Anse Boileau, wo auch einer der beiden erschossenen „Helden“ des Regierungsputschs vom 5. Juni 1977 begraben liegt. Der andere Weg führt über eine kleine Brücke in das Tal von „Dan Bambou“ – im Bambus liegend.

Steil schraubt sich für ungefähr eineinhalb Kilometer die Straße höher und höher, durch ein Gebiet, das „Rousay“ heißt – nach einem Busch benannt, der rosa Blüten und kleine kirschenähnlichen Früchte trägt, die die Schulkinder auf ihrem Weg hinab früher als Durstlöscher genascht haben müssen. Abends, wenn das kleine Kirchlein läutet, steht die Welt hier oben still, alles ist ruhig und friedlich. Ein Ausblick offenbart, wie sehr die Schöpfung diese Inselwelt privilegiert hat.

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Direkt an der Zufahrt zur Kirche gabelt sich der Weg. Gerade aus führt die Verbindung schnurstraks wieder ans Wasser, in die Anse La Mouche. Nach links aber geht es unmittelbar in die „Inner Seychelles“ – in das Berggebiet von Mont Plaisir, dem „Berg des Vergnügens, des Wohngefallens“. Na, das ist doch ein Wort.

Es sind wie im richtigen Leben viele Höhen und Tiefen, die es hier zu überwinden gibt. Wem das Ganze zu beschwerlich wird, der bleibt einfach an einer Bushaltestelle stehen, entweder erkennbar an einem auf dem Asphalt aufgemalten „Bus Stop“…

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…oder an den Leuten, die sich hier schon versammelt haben. Trampen ist auch eine Möglichkeit, und auch gar keine besonders aussichtslose. Die Leute hier oben sind freundlich und hilfsbereit.

Nach ungefähr zwei Kilometer ist das Schlimmste überstanden und es geht langsam wieder abwärts. Ein kleiner Mini-Supermarkt bietet für alle Fälle Getränke und Snacks an, das hat sich jeder Wanderer verdient, der zuvor die immensen Steigungen bewältigt hat. Belohnt wurde er nicht nur mit atemberaubenden Ausblicken nach unten, an die Westküste (dies aber nur für den Fall, dass er sich umdrehte), sondern auch mit Einblicken in eine faszinierende Tropennatur, die die kleine Montplaisir-Straße links und rechts mit Bambus, wilder Ananas, unnatürlich großen und fleischigen Schlingpflanzen und den allgegenwärtigen Baumriesen der Schirmarkazien parat hält.

Endlich  dann ein kleines Dorf, sofern es sich überhaupt gebietet, in dieser Häuseransammlung ein Dorf zu sehen. Für mich ist es eines, denn da trägt ein garagenähnlicher Schuppen mit Wellblechdach ein kleines Kreuz – ergo Kirche. Da sind zwei Geschäfte mit einer Handbreit Parkfläche – ergo Marktplatz. Und da sind zwei riesige Frischwasserbecken, die den Regen sammeln, für schlechte Zeiten.

Von hier aus schlängeln sich Serpentinen halsbrecherisch nach unten, aber sie sind ungefährlich, weil die Straße gut ausgebaut ist und stets genügend Platz für Autos, Busse UND Fußgänger bleibt. Allmählich gibt der Wald eine traumhafte Sicht auf die Ostküste frei – die Anse Royale liegt zu unseren Füßen, so wie es sich für eine Königsbucht gehört.

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Doch bevor es hinab ans Blau geht, heißt es: aufgepasst! In waghalsigen Manövern fahren nun mehr Autos „up and down“, denn die Besiedelung wird dichter. In steilen Wellen klettern die Häuser die saftigen Hügel hinauf, um von dort oben auf den gleißenden Meeresspiegel zu schauen. Wie gut, dass Schatten am Mont Plaisir kein Fremdwort ist…

Allmählich wird aus dem Sträßlein eine Straße. Kurz bevor sie sich in die Ebene ergießt, winkt rechterhand am Hang, etwa zurückgesetzt, eine kleine Farm: „Golden Eggs“ – ein Hühnerhof, der so goldig und gelb unter dem dunklen Grün der Palmen hervorlugt, dass es kein besseres Marketing für Bio-Geflügel und Eier braucht. Wer sich traut, geht hin, kauft einige und transportiert sie vorsichtig nach Hause oder in sein Self Catering Appartment. Diese Eier sind nämlich die Wucht. Die Hühner sind – wie könnte es anders sein – die größten Freigänger der Welt, sie scharren sich durch den Urwald und bekommen Kokosnussraspeln gefüttert; es gibt keine bessere Geschmacksgarantie!

Endlich unten in der Anse Royale  – es ist Mittag und Horden von Kindern und Studenten ergießen sich in der Kreuzung, denn hier sind nicht nur die Bushaltestellen, sondern viele kleine Läden, die die heißbegehrten Pausen-Snacks und Süßigkeiten verkaufen. Rechterhand grüßen Polytechnikum und Universität, linkerhand winken die Studentenwohnheime, gefolgt vom noch ziemlich weißen Neubau des Krankenhauses. – Wir sind in der Realität angekommen. Dann  ist nun wirklich die Wanderung zu Ende. Halt – ein Kaffee, ein kaltes Getränk, das wäre jetzt nett. Früher wäre das „Kaz Kreol“ hierfür erste Wahl gewesen, leider geschlossen, für immer. Aber es gibt gute Alternativen: die kleine Bar „Olé“ oder aber auch das nette Strandrestaurant „Aux dauphins heureux“ – zu den glücklichen Delphinen. Und genauso fühlt es sich an, wenn man direkt dort noch ein abschließendes erfrischendes Bad nimmt…

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Wanderung auf Mahé – Südwesten: Von der Anse Boileau in die Anse Royale – ca. 6 km, aufgrund der z.T. sehr steilen Streckenabschnitte Dauer ca. 2 bis 3 Stunden, je nach Kondition und Sonnenstand. Von der Anse Royale mit dem Bus oder einem Taxi wieder zurück zum Ausgangspunkt, ob dort ggf. seinen Mietwagen wieder aufzunehmen.

Alternative: nur ein Teil der Strecke über die Mont Plaisir-Road wandern, wenn die Puste ausgeht, den nächstbesten Bus anhalten und direkt in die Anse Royale fahren.

Beste Tageszeit für die Tour: früher Morgen, später Nachmittag – Achtung, die Sonne geht schnell unter und ab halb sieben kann es bereits stockdunkel sein.

Bilder: mit freundlicher Unterstützung von http://rainerbauerdick.de

„Together“ – zusammen heben wir ab! Die neuen„Überflieger“ der Seychellen

11. Februar 2017
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Seit ein paar Monaten gibt es hier eine wunderbare „Neuerscheinung“ auf den Seychellen: kleine schwarze Fliegen, die hier in den Abendstunden nach dem Rechten sehen. Man kann nicht sagen, dass sie verfressen sind. Sie sind keine Blutsauger, aber sie sind so neugierig, dass sie gern die Dämmerung nutzen, um auf den Tellern nach dem Rechten zu sehen. Allein sind sie nicht unterwegs, das wäre ja auch langweilig. Nein, in großen Wolken schwärmen sie aus und laden sich gern in jedes x-beliebige Inselhaus zum Abendessen ein. Vor allem da, wo die Häuschen ganz geschützt und vor jedem Windhauch sicher unter Palmen ruhen und sich in die Felsen schmiegen, fühlen sie sich wohl. Eine kühle Brise mögen sie nicht, das würde ihre kleinen Flügelchen verwirbeln.

Ich habe zwei von diesen Plagegeistern gefangen – einen im Norden Mahés und einen im Süden. Und habe die toten Tierchen sicher in einem Glas verschlossen nach Deutschland gebracht, wo sie das Hamburger Tropeninstitut analysiert hat. Das Ergebnis: Es handelt sich um Bartmücken, die auch als Gnitzen (Ceratopogonidae) bekannt sind. Weltweit gibt es ungefähr 4.000 verschiedene Sorten dieser Gnitzen, allein in Deutschland sind fast 200 davon bekannt. Auf den Seychellen waren sie bis im vergangenen Jahr überhaupt nicht existent. Jetzt haben sie das Kommando übernommen und  ballen sich so rasend schnell in großen Horden zusammen, dass sie die Einheimischen „together“ („Zusammen“) genannt haben. Warum „together“? – Vor kurzem war hier auf den Seychellen noch ein engagiertere Wahlkampf zugange und die Anhänger der Regierungspartei SPPF haben sich genauso schnell zusammengefunden wie die kleinen geflügelten Gesellen. – Gemeinschaftsgefühl „to go“ – together, so geht’s eben!

Einmal war die Plage in den Abendstunden so schlimm, dass sich viele Einheimische nicht mehr von den schwarzen Fliegen retten konnten und auf das Abendessen verzichteten. Sie mussten es schlichtweg stehen lassen, weil die kleinen Eindringlinge eine feindliche Übernahme vornahmen. Kurze Zeit später berichtete SBC  (Seychelles Broadcasting Corporation), das seychellische Fernsehen, über diese Invasion: Klar, die kleinen Fliegen seien zwar lästig, aber sie seien harmlos. Wenn man sie schon nicht ignorieren könne, dann wäre es überhaupt keine Gefahr sie mitzuessen. Sie seien schließlich ein klasse Protein-Snack.

Genau so habe ich es dann schließlich auch gemacht. Es hat mir nicht geschadet. Aber die Viecher sind ihrer verdienten Strafe nicht entkommen.

Sie machten ein „sauberes Geschäft“ mit ihrem Tod! Denn: Was ich noch nicht wusste, aber hätte ahnen können: Die „together“-Fliegen mögen wie jedes andere Insekt gern gelb.

 

 

 

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Und in einer gelben Plastikbox bewahre ich mein Waschmittel auf – darin gingen sie ein, wie die Fliegen! Und dem Rest gab ich den Rest – in der Waschmaschine! 

High Noon auf den Seychellen

10. Februar 2017
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Die Mittagspause ist heilig. Auf den Seychellen jedenfalls. Welch unbeschreibliches Glücksgefühl, einen so geregelten Alltag zu haben, der das 12-Uhr-Läuten in zwei Tageshälften teilt. Okay, wenn nicht punkt Zwölf, dann zumindest halb Eins. Aber dann ist wirklich Schluss, dann ist wirklich Mittag. Was dann passiert, ist Ritual. Da kaum einer sich sein Essen zuhause vorbereitet und in die Arbeit mitgebracht hat, stürmt ein jeder zu (s)einem „Take Away“. Halt – nicht jeder: Die Inder haben ihren „Henkelmann“ dabei und hocken sich im Schneidersitz in den nächstgelegenen Schattenplatz, um dort zu speisen. Nein, selbst die einfachsten indischen Arbeiter essen nicht einfach, sie SPEISEN. Sie verwandeln selbst die simpelste Mahlzeit in ein raffiniertes Mehr-Gänge-Menü. Sie haben eine Art „Henkelmann“ dabei – aus drei, vier einzelnen Metalldosen, die übereinander gestapelt mit Klammern und Henkel befestigt werden und als „Dabba“ ein perfektes Mittagessen servieren. Darin befinden sich die wundervollsten Köstlichkeiten: Dhal (Linsen), Lassi (Joghurt), geschmortes Gemüse, Curry-Reis.

Genauso variantenreich geht es an den Take-Away-Ständen der Seychellen zu. Für nur zwei bis vier Euro (derzeit 30 bis 60,– SCR) gibt es einen feinen Schmaus, der nichts mit dem uns bekannten Fast Food zu tun hat. „Fast“ schnell müssen tatsächlich die kleinen Stände auf den Inseln unterwegs sein, wenn alle zur gleichen Zeit etwas zu essen haben wollen. Riesige Schlangen bilden sich in der Mittagszeit – was aber gar nicht so schlecht für die Besucher der Seychellen ist, denn daran erkennen sie, an welchem Food Truck, in welch kleiner Blechhütte das beste des begehrten Street Food zubereitet wird.

Mein Favorit ist vor allem gebratenes Gemüse – oft mit Auberginen, Bohnen, Okra, Kraut und Karotten, dazu ein satini – ein „Chutney“, wobei dies meist irgendein geraspeltes grünes Obst ist, z.B. frisiter  („fruit Cythère“ oder „Golden Apple“) und Papaya. Super sind auch die sauren Mango-Salate oder alles, was mit Kürbis zu tun hat. Solche exotischen Arrangements gehen irgendwie immer. Bei Hühnchen-Curry (kari poul) mache ich meist einen großen Bogen um das Gewölle denn es besteht oft aus mehr Knochen und Knorpel als aus Fleisch. Genial sind dagegen gebratener Fisch oder aber auch la dob (eine Art Stampf aus Brotfrucht oder Süßkartoffeln mit Kokosnus-Milch) – Achtung: totales Sättigungsgefühl!!! In den Monaten des Südost-Monsuns, wenn der Fisch rar ist, gibt es auch pwason sale – ein Schöpfgericht aus gesalzenem, getrocknetem Fisch, sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr authentisch. Einfach mal ausprobieren.

Die Take-Aways sind Fluch und Segen zugleich für die Inseln: Einerseits sind sie wie ein Bollwerk gegen McDonalds und Burger King, andererseits liefern sie haufenweise Müll, denn die Styropor-Behälter mitsamt dem Plastikbesteck werden in der mitgelieferten dünnen Plastiktüte meist allzu gern in irgendeinem großen Busch entsorgt – und keiner hat’s gemerkt.

Immer wieder sind Lobeshymnen über das über alle Maßen gesunde „Fast Food“ der seychellischen Take-Aways zu hören. Ja, im Prinzip richtig! Aber leider nur zum Teil: Denn oftmals werden frittierte Zutaten in schlechtem, altem Öl ausgebacken, oder Gemüsereste triefen vor zu viel Fett und Instant-Saucen. Wie so oft gilt die alte Regel: „Probieren geht über Studieren“. Und einfach mal die Einheimischen fragen und sich an der längsten Schlange anstellen. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Vor allem deswegen, weil momentan Street Food zu den angesagtesten Food-Trends des Jahres gehört. Ein Land und seine Menschen richtig kennenlernen, das gelingt am besten bei Essen und auf der Straße, also im Volk und mit dem Volk! Und nirgendwo schmecken die Seychellen seychellischer als an einem richtigen Take-Away! Bon appetit!

Seychellische Nächte: Von Hunden und Hühnern und von Fröschen

26. Oktober 2016
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Der Neumond nähert sich und die letzte Nacht war bereits rabenschwarz, abgesehen von den glitzernden Sternen. Doch wer denkt: ganz dunkel bedeutet ganz still, der hat noch nie in einem Tropenhaus im Süden Mahés geschlafen. Auch wenn es Stunden gibt, in denen es mucksmäuschenstill ist – das ist definitiv die Ausnahme.

Zunächst die Hunde: Mit einsetzender Dunkelheit starten sie ein unglaubliches Jaul- und Kläff-Konzert. Meist beginnt irgendeiner im hintersten Winkel des Tales, dann antworten die anderen und schließlich stimmt dann der Rest mit ein. Es sind in der Regel zunächst einmal keine freilaufenden Tiere. Jeder seychellische Haushalt hat mindestens drei bis fünf von ihnen, die manchmal ein trauriges Dasein in viel zu engen Zwingern fristen. Ihre Art der Freiheit ist dann Bellen bis zum Abwinken oder zumindest, bis endlich Futter kommt. Streunende Hunde gibt es natürlich auch, aber denen begegnet man meist am Strand, wo sie ein Paradebeispiel für tropische Lebensart – Nichtstun, Streicheleinheiten und Dösen im weichen Sand – abgeben.

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Nachts aber erwachen ihre Lebensgeister. Bei Vollmond gebärden sie sich wie ein wild gewordenes Rudel jaulender Wölfe, die ein schauriges Konzert abliefern. In einer ganz normalen Nacht wie der vergangenen scheinen sie sich angeregt von Haus zu Haus Nachrichten zuzubellen, wütend zu diskutieren oder Hunde-Witze zu erzählen. – Nach fast 20 Jahren Seychellen weiß ich noch immer nicht, wie es den Einheimischen gelingt, bei diesem Lärm zu schlafen. Tropenhäuser sind luftige offene Behausungen, und man kann nicht mal so eben ein Fenster aus Doppelglas schließen, um Geräusche einfach auszusperren. – Auf die Spitze trieb es heute Nacht ein Hund, der im Rhythmus von 10 Sekunden ein „Wuff“ von sich gab, dann wieder und wieder. Dann Pause und das Ganze eine Oktave höher: „Wüff“ – „wüff“ – „wüüüüffff“. Danach dachte ich, es kehrt Ruhe ein. Im Gegenteil: Über Stunden lang dehnte sich diese „Sprechübung“ aus, leichte Varianten mit inbegriffen: „Woff“ – dann „wöff“ – „wöff“ –  „wöööffff“ und irgendwann: „Waff“ – „wäff“ – „wäff“ – „wäääffff“. Ich wartete förmlich auf den nächsten Kläffer…

Als ich schließlich vor Erschöpfung dann doch einnickte, begannen mitten in der Nacht die Hähne zu krähen. Komisch, warum warten sie nicht bis zum Morgengrauen? Nein, sie verkündeten – ihre Hennen und Küken im Schlepp – das Ende der Geisterstunde mit heftigem Gegacker und Gegluckse. Und da die meisten Einheimischen ihre Grundstücke ebenso wenig eingezäunt haben wie wir das unsrige, kommt das Federvieh direkt bis vor unser Schlafzimmer und wünscht uns für den Rest der Nacht einen erholsamen Schlaf. Wenn sie wenigstens ein paar Eier unter den Hibiskus-Busch legen würden…

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Wenn dann nach kurzer Ruhepause der ersten Frosch quakt, dann weiß ich: Es geht auf vier Uhr morgens zu. Normalerweise herrscht in den Monaten der Trockenzeit Funkstille. Sobald aber auch nur ein winziger Tropfen Wasser zwischen die Felsspalten gelangt (und sei es aus einem Putzeimer oder Gartenschlauch), laufen die Tierchen zur Höchstform auf. Ein ohrenbetäubendes Froschkonzert beginnt und dauert bis zum herannahenden ersten Tageslicht, das meist gegen halb sechs über die Insel kriecht. Aus lauter Freude stimmen dann sämtliche Vögel mit ein, insbesondere die Kolibris mit ihrem schrillen Gefiepe. Die Hühner machen aus Sympathie gleich nochmal mit; und ab und zu meckern unten im Tal die Ziegen. Ich komme mir vor, als würde ich auf einer riesigen Farm leben. Besser kann kein Wecker funktionieren. Übrigens, nochmals kurz zurück zu den Vögeln: Wer denkt, dass nachts die Vögel still sind – Irrtum. Ich habe zwei Nachtvögel ausgemacht, die ich noch nie gesehen, geschweige denn identifiziert habe. Der Einfachheit halber habe ich sie nach ihren seltsamen Lauten benannt: der Kastagnetten-Vogel ahmt täuschend echt das Geklapper spanischer Rhythmusinstrumente nach und der Handy-Vogel tut so, als würden bei ihm pausenlos SMS-Benachrichtigungen eingehen.

Bei diesem ganzen Natur-Konzert gibt es noch eine einzige Steigerung, und zwar immer dann, wenn der Nachbar Geburtstag, Namenstag  oder Kommunion feiert oder wenn das übliche Wochenend-Gelage stattfindet, bei dem auch schon mal 12 Stunden Nonstop-Musik läuft; und damit meine ich nicht wohlklingende Töne in gemäßigter Lautstärke…

Warum ich das alles schreibe? Wer sich in einer kleinen Privat-Unterkunft, einem Guesthouse oder Pension einmietet, muss damit rechnen, dass auch für ihn gilt: schlaflos in den Seychellen. Also: Wer daran gewöhnt ist, Ohrenstöpsel zu tragen, der sollte sich unbedingt ein Paar (oder mehrere davon) mit ins Gepäck stecken – sonst nämlich ist die Gefahr groß, den Schlafmangel der Nacht mit zu vielen Nickerchen am Tage zu kompensieren. Und da würde man doch tatsächlich Licht und Schatten, Laut und Leise und damit die Kontraste, die Schönheit der Inseln ausmachen, doch glatt verpassen…

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Anse La Mouche – märchenhafte Momente!

23. Oktober 2016
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Zugegeben, die Anse La Mouche im südlichen Westen Mahés ist ein Strand, der mich in den vergangenen Jahren überhaupt nicht interessierte. Zum Baden bei Ebbe oft zu flach, dagegen bei Flut zu wenig Strand und viel zu viel Verkehr auf der Küstenstraße. Doch dann hatte ich neulich abends ein Aha-Erlebnis, dass die weit geschwungene Bucht wortwörtlich in einem anderen Licht erscheinen ließ.

Ich kam vom Einkaufen und es war reichlich spät geworden. Der nahende Abend hing schon in den Palmenblättern und ein warmes Sonnen-Orange vermischte das Türkis des Wassers mit dem Azur des Himmels: die Blaue Stunde.

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Hinter dem Wasser parkte ich das Auto am schmalen Seitenstreifen längs des linken Straßenufers irgendwie und irgendwo zwischen etlichen Pick-Ups. Eigentlich erwartete ich hektisches Treiben am Ufer und geschäftiges Entladen der kleinen Fischerboote, die da draußen friedlich schaukelten, so als wollten sie sich selbst in den Schlaf wiegen. Nein, stattdessen Ruhe und Harmonie. Keine Musik plärrte, kein Hund kläffte. Die Tiere lagen träge im Strand, buddelten sich eine weiche Kuhle und dösten schnarchend vor sich hin. Ab und zu rauschte ein Tata-Bus auf der Straße entlang, manchmal verfing sich ein Windhauch in den Palmenblättern. Leises Rascheln, wie von dünnem Seidenpapier, das  mit dem schüchternem Wispern des Wassers spielte.

Es waren etliche Einheimische da, aber nicht laut palavernd wie sonst, sondern einfach nur selbstvergessen auf einem Baumstumpf sitzend, den Blick in die Weite gerichtet, eine Flasche Bier in der Hand. Ich tat es ihnen gleich. Kaum ein Wort fiel. Stummes Zunicken, ein Lächeln. Das war alles. – Wir verstanden uns, hier am Ufer der Anse La Mouche.

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Ein Angler stand stumm im Wasser und hoffte auf Fischerglück; zwei bonefish hatte er bereits im Netz, ein kleines Abendessen war ihm sicher. Neben ihm lag eine Familie auf einem großen Handtuch, zwei Kinder spielten im seichten Geplätscher, kein Gekreische, stattdessen pures Glück und Genuss.

Stille.

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Adresse: Anse La Mouche (offiziell: Anse à la Mouche), Westküste Mahé

Besonderheiten:
Länge: ca. 2 km; flaches Wasser,

Insgesamt ganz nett zum Baden  bzw. Chillen im Meer, für Kinder zum Planschen und für die Aktiveren auch zum Schnorcheln, aber bei Flut leider kaum Sandstrand, denn das Wasser reicht bis ans Ufer
bei Ebbe eher etwas zum Strandwandern, Sonnenbaden und Picknicken, denn viele Schattenplätze unter den Bäumen bieten perfekte Ruhe-Oasen; daher auch ein gutes Plätzchen  zum Entspannen für Familien mit Kleinkindern
Erreichbarkeit: von der Ostküste über die „Les Canelles“-Bergstraße, ansonsten sowohl aus dem Norden wie aus dem Süden kommend über die West Coast Road, einige Bushaltestellen direkt in der Bucht
Unterkünfte: kleine Guesthouses wie „Blue Lagoon“ direkt am Wasser, lediglich durch die Küstenstraße getrennt, oder eine Handbreit im Hinterland: „Oasi Guesthouse“ und „Villa Bamboo“.
Verpflegung: viele kleine Inder-Läden; frisches Gemüse gibt’s an einem kleinen Marktstand am nördlichen Zipfel der Anse La Mouche, dort führt auch der Fischer Rassool sein Regiment mit einem recht professionell organisierten Fischhandel, der von einer Art Container aus gemanagt wird; die Öffnungszeiten erkennt man daran, wenn ein Pick-Up vor dem kleinen Gebäude steht und die Türen offen sind.
Restaurants: Anchor Café, Anse à la Mouche, West Coast Road, Mahé,  Tel. Nr.  00248 4 371289
Sonntags geschlossen, unter der Woche immer dann offen, wenn das hell erleuchtete „OPEN“-Schild blinkt,
Free WiFi verfügbar. – Das 
Ambiente: ein eher einfaches, rustikales Bistro, etwas in die Jahre gekommen, aber dennoch mit nostalgischem Insel-Charme, den es schon vor 20 Jahren hier gab und allen touristischen Innovationen die Stirn bot. Spezialität ist „blackened fish“, eine gegrillte Fischspezialität. Wartezeit manchmal etwas (zu) lang, aber was soll’s, wenn der Sonnenuntergang lockt!

Tropen und Tradition, Trash und Tratsch: ToTo’s Trödelladen

21. Oktober 2016
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Alte Besen aus Kokosreisig, Körbe aus Palmenwedel, dazwischen verbeulte Blechtassen und dann auch noch ein rostiges Fahrrad…

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…wer meint, er sei jetzt bei einer seychellischen Haushaltsauflösung angekommen der täuscht sich gewaltig. Denn dies ist das Reich von ToTo, der mit bürgerlichem Namen Joseph heißt. In der kleinen Häuseransammlung von Baie Lazare an der Westküste Mahés hat er sich einen Traum erfüllt: eine „Museum Gallery“, wie er seine Kollektion nennt, die nicht nur mit einem Lächeln bestaunt werden kann, sondern auch nachdenkliche Verwunderung auslöst. Warum sind da plötzlich leere Seybrew-Flaschen, die wie dunkelgrüne Tulpen auf Ästen aufgespießt sind, oder warum liegen plötzlich Glasscherben in Farben des Regenbogens auf einem alten Holzregal. Die Geschichten hinter der Geschichte erzählt ToTo gern…

Neben merkwürdigen Werkzeugen, die z.B. zum Öffnen harter Kokosnüsse dienten, künden schwere marmit – gusseiserne Kochtöpfe auf drei Beinen  – von kreolisch kulinarischen Köstlichkeiten. Dazwischen Kunsthandwerk aus Treibholz, Muscheln und Samen oder aber witzige T-Shirts, die zwischen urigen Schnitzereien und raffinierter Flechtware liebevoll von ToTo präsentiert werden.

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Logisch, dass man die meisten Exponate auch kaufen kann. Viele davon sind Zeuge längst vergangener Inseltage, berichten vom entbehrungsreichen Alltag der ersten Siedler und lassen den Besucher in den Retro-Modus wechseln, der die „guten alten Zeiten“ der Inseln heraufbeschwört. Bei einem Stück allerdings schüttelt ToTo heftig den Kopf: Es ist der Panzer samt Schildkrötengerippe, das den Platz vor seinem Tresen nebst Kasse bewacht: „Wenn Du das Ding kaufen willst, kein Problem – aber Du landest sicher im Knast, wenn Du es nach Deutschland bringst“, grinst er mich diabolisch an.

Ich lehne dankend ab und schaue mich im Innern seiner schaurig-schönen Höhle um. Ich verweile gern, denn leise Musik umhüllt mich – nicht irgendwelche Traditionsklänge des allgegenwärtigen Sega-Rhythmus: nein, bei ToTo höre ich Rock’n-Roll-Balladen!

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Zwischen all dem Vinyl schnitzt ToTo  indes weiter an kleinen Coco-De-Mer-Exemplaren aus Holz, die er als Handschmeichler verkauft. Zeichnungen mit Portraits uriger Inselbewohner wachen derweil über ihn. ToTo ruht in sich selbst, ist aber alles als ein verschlossener Kauz. Er mag die Menschen und unterhält sich gern – mit allen, und ohne Ausnahme. – Ich bin glücklich, dass ich mich dazu zählen darf.

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Adresse:

ToTo – Lazare Souvenir/Museum Gallery
Baie Lazare, Mahé,  SEYCHELLES

(In Baie Lazare an der Hauptstraße gelegen; aus dem Süden kommend, links nach der Tankstelle auf dem kleinen Hügel, gegenüber vom Frangipani-Café, das früher Splash-Café hieß und von Sandra, der Schwester von Tom Hanks geführt wurde).

Öffnungszeiten: von früh bis spät bzw. wann immer das Fahrrad mit dem Schild „Open“ vor der Tür steht.

Telefon: 00248/ 2 516 577