Seychellische Nächte: Von Hunden und Hühnern und von Fröschen

26. Oktober 2016
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Der Neumond nähert sich und die letzte Nacht war bereits rabenschwarz, abgesehen von den glitzernden Sternen. Doch wer denkt: ganz dunkel bedeutet ganz still, der hat noch nie in einem Tropenhaus im Süden Mahés geschlafen. Auch wenn es Stunden gibt, in denen es mucksmäuschenstill ist – das ist definitiv die Ausnahme.

Zunächst die Hunde: Mit einsetzender Dunkelheit starten sie ein unglaubliches Jaul- und Kläff-Konzert. Meist beginnt irgendeiner im hintersten Winkel des Tales, dann antworten die anderen und schließlich stimmt dann der Rest mit ein. Es sind in der Regel zunächst einmal keine freilaufenden Tiere. Jeder seychellische Haushalt hat mindestens drei bis fünf von ihnen, die manchmal ein trauriges Dasein in viel zu engen Zwingern fristen. Ihre Art der Freiheit ist dann Bellen bis zum Abwinken oder zumindest, bis endlich Futter kommt. Streunende Hunde gibt es natürlich auch, aber denen begegnet man meist am Strand, wo sie ein Paradebeispiel für tropische Lebensart – Nichtstun, Streicheleinheiten und Dösen im weichen Sand – abgeben.

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Nachts aber erwachen ihre Lebensgeister. Bei Vollmond gebärden sie sich wie ein wild gewordenes Rudel jaulender Wölfe, die ein schauriges Konzert abliefern. In einer ganz normalen Nacht wie der vergangenen scheinen sie sich angeregt von Haus zu Haus Nachrichten zuzubellen, wütend zu diskutieren oder Hunde-Witze zu erzählen. – Nach fast 20 Jahren Seychellen weiß ich noch immer nicht, wie es den Einheimischen gelingt, bei diesem Lärm zu schlafen. Tropenhäuser sind luftige offene Behausungen, und man kann nicht mal so eben ein Fenster aus Doppelglas schließen, um Geräusche einfach auszusperren. – Auf die Spitze trieb es heute Nacht ein Hund, der im Rhythmus von 10 Sekunden ein „Wuff“ von sich gab, dann wieder und wieder. Dann Pause und das Ganze eine Oktave höher: „Wüff“ – „wüff“ – „wüüüüffff“. Danach dachte ich, es kehrt Ruhe ein. Im Gegenteil: Über Stunden lang dehnte sich diese „Sprechübung“ aus, leichte Varianten mit inbegriffen: „Woff“ – dann „wöff“ – „wöff“ –  „wöööffff“ und irgendwann: „Waff“ – „wäff“ – „wäff“ – „wäääffff“. Ich wartete förmlich auf den nächsten Kläffer…

Als ich schließlich vor Erschöpfung dann doch einnickte, begannen mitten in der Nacht die Hähne zu krähen. Komisch, warum warten sie nicht bis zum Morgengrauen? Nein, sie verkündeten – ihre Hennen und Küken im Schlepp – das Ende der Geisterstunde mit heftigem Gegacker und Gegluckse. Und da die meisten Einheimischen ihre Grundstücke ebenso wenig eingezäunt haben wie wir das unsrige, kommt das Federvieh direkt bis vor unser Schlafzimmer und wünscht uns für den Rest der Nacht einen erholsamen Schlaf. Wenn sie wenigstens ein paar Eier unter den Hibiskus-Busch legen würden…

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Wenn dann nach kurzer Ruhepause der ersten Frosch quakt, dann weiß ich: Es geht auf vier Uhr morgens zu. Normalerweise herrscht in den Monaten der Trockenzeit Funkstille. Sobald aber auch nur ein winziger Tropfen Wasser zwischen die Felsspalten gelangt (und sei es aus einem Putzeimer oder Gartenschlauch), laufen die Tierchen zur Höchstform auf. Ein ohrenbetäubendes Froschkonzert beginnt und dauert bis zum herannahenden ersten Tageslicht, das meist gegen halb sechs über die Insel kriecht. Aus lauter Freude stimmen dann sämtliche Vögel mit ein, insbesondere die Kolibris mit ihrem schrillen Gefiepe. Die Hühner machen aus Sympathie gleich nochmal mit; und ab und zu meckern unten im Tal die Ziegen. Ich komme mir vor, als würde ich auf einer riesigen Farm leben. Besser kann kein Wecker funktionieren. Übrigens, nochmals kurz zurück zu den Vögeln: Wer denkt, dass nachts die Vögel still sind – Irrtum. Ich habe zwei Nachtvögel ausgemacht, die ich noch nie gesehen, geschweige denn identifiziert habe. Der Einfachheit halber habe ich sie nach ihren seltsamen Lauten benannt: der Kastagnetten-Vogel ahmt täuschend echt das Geklapper spanischer Rhythmusinstrumente nach und der Handy-Vogel tut so, als würden bei ihm pausenlos SMS-Benachrichtigungen eingehen.

Bei diesem ganzen Natur-Konzert gibt es noch eine einzige Steigerung, und zwar immer dann, wenn der Nachbar Geburtstag, Namenstag  oder Kommunion feiert oder wenn das übliche Wochenend-Gelage stattfindet, bei dem auch schon mal 12 Stunden Nonstop-Musik läuft; und damit meine ich nicht wohlklingende Töne in gemäßigter Lautstärke…

Warum ich das alles schreibe? Wer sich in einer kleinen Privat-Unterkunft, einem Guesthouse oder Pension einmietet, muss damit rechnen, dass auch für ihn gilt: schlaflos in den Seychellen. Also: Wer daran gewöhnt ist, Ohrenstöpsel zu tragen, der sollte sich unbedingt ein Paar (oder mehrere davon) mit ins Gepäck stecken – sonst nämlich ist die Gefahr groß, den Schlafmangel der Nacht mit zu vielen Nickerchen am Tage zu kompensieren. Und da würde man doch tatsächlich Licht und Schatten, Laut und Leise und damit die Kontraste, die Schönheit der Inseln ausmachen, doch glatt verpassen…

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Anse La Mouche – märchenhafte Momente!

23. Oktober 2016
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Zugegeben, die Anse La Mouche im südlichen Westen Mahés ist ein Strand, der mich in den vergangenen Jahren überhaupt nicht interessierte. Zum Baden bei Ebbe oft zu flach, dagegen bei Flut zu wenig Strand und viel zu viel Verkehr auf der Küstenstraße. Doch dann hatte ich neulich abends ein Aha-Erlebnis, dass die weit geschwungene Bucht wortwörtlich in einem anderen Licht erscheinen ließ.

Ich kam vom Einkaufen und es war reichlich spät geworden. Der nahende Abend hing schon in den Palmenblättern und ein warmes Sonnen-Orange vermischte das Türkis des Wassers mit dem Azur des Himmels: die Blaue Stunde.

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Hinter dem Wasser parkte ich das Auto am schmalen Seitenstreifen längs des linken Straßenufers irgendwie und irgendwo zwischen etlichen Pick-Ups. Eigentlich erwartete ich hektisches Treiben am Ufer und geschäftiges Entladen der kleinen Fischerboote, die da draußen friedlich schaukelten, so als wollten sie sich selbst in den Schlaf wiegen. Nein, stattdessen Ruhe und Harmonie. Keine Musik plärrte, kein Hund kläffte. Die Tiere lagen träge im Strand, buddelten sich eine weiche Kuhle und dösten schnarchend vor sich hin. Ab und zu rauschte ein Tata-Bus auf der Straße entlang, manchmal verfing sich ein Windhauch in den Palmenblättern. Leises Rascheln, wie von dünnem Seidenpapier, das  mit dem schüchternem Wispern des Wassers spielte.

Es waren etliche Einheimische da, aber nicht laut palavernd wie sonst, sondern einfach nur selbstvergessen auf einem Baumstumpf sitzend, den Blick in die Weite gerichtet, eine Flasche Bier in der Hand. Ich tat es ihnen gleich. Kaum ein Wort fiel. Stummes Zunicken, ein Lächeln. Das war alles. – Wir verstanden uns, hier am Ufer der Anse La Mouche.

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Ein Angler stand stumm im Wasser und hoffte auf Fischerglück; zwei bonefish hatte er bereits im Netz, ein kleines Abendessen war ihm sicher. Neben ihm lag eine Familie auf einem großen Handtuch, zwei Kinder spielten im seichten Geplätscher, kein Gekreische, stattdessen pures Glück und Genuss.

Stille.

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Adresse: Anse La Mouche (offiziell: Anse à la Mouche), Westküste Mahé

Besonderheiten:
Länge: ca. 2 km; flaches Wasser,

Insgesamt ganz nett zum Baden  bzw. Chillen im Meer, für Kinder zum Planschen und für die Aktiveren auch zum Schnorcheln, aber bei Flut leider kaum Sandstrand, denn das Wasser reicht bis ans Ufer
bei Ebbe eher etwas zum Strandwandern, Sonnenbaden und Picknicken, denn viele Schattenplätze unter den Bäumen bieten perfekte Ruhe-Oasen; daher auch ein gutes Plätzchen  zum Entspannen für Familien mit Kleinkindern
Erreichbarkeit: von der Ostküste über die „Les Canelles“-Bergstraße, ansonsten sowohl aus dem Norden wie aus dem Süden kommend über die West Coast Road, einige Bushaltestellen direkt in der Bucht
Unterkünfte: kleine Guesthouses wie „Blue Lagoon“ direkt am Wasser, lediglich durch die Küstenstraße getrennt, oder eine Handbreit im Hinterland: „Oasi Guesthouse“ und „Villa Bamboo“.
Verpflegung: viele kleine Inder-Läden; frisches Gemüse gibt’s an einem kleinen Marktstand am nördlichen Zipfel der Anse La Mouche, dort führt auch der Fischer Rassool sein Regiment mit einem recht professionell organisierten Fischhandel, der von einer Art Container aus gemanagt wird; die Öffnungszeiten erkennt man daran, wenn ein Pick-Up vor dem kleinen Gebäude steht und die Türen offen sind.
Restaurants: Anchor Café, Anse à la Mouche, West Coast Road, Mahé,  Tel. Nr.  00248 4 371289
Sonntags geschlossen, unter der Woche immer dann offen, wenn das hell erleuchtete „OPEN“-Schild blinkt,
Free WiFi verfügbar. – Das 
Ambiente: ein eher einfaches, rustikales Bistro, etwas in die Jahre gekommen, aber dennoch mit nostalgischem Insel-Charme, den es schon vor 20 Jahren hier gab und allen touristischen Innovationen die Stirn bot. Spezialität ist „blackened fish“, eine gegrillte Fischspezialität. Wartezeit manchmal etwas (zu) lang, aber was soll’s, wenn der Sonnenuntergang lockt!

Tropen und Tradition, Trash und Tratsch: ToTo’s Trödelladen

21. Oktober 2016
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Alte Besen aus Kokosreisig, Körbe aus Palmenwedel, dazwischen verbeulte Blechtassen und dann auch noch ein rostiges Fahrrad…

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…wer meint, er sei jetzt bei einer seychellischen Haushaltsauflösung angekommen der täuscht sich gewaltig. Denn dies ist das Reich von ToTo, der mit bürgerlichem Namen Joseph heißt. In der kleinen Häuseransammlung von Baie Lazare an der Westküste Mahés hat er sich einen Traum erfüllt: eine „Museum Gallery“, wie er seine Kollektion nennt, die nicht nur mit einem Lächeln bestaunt werden kann, sondern auch nachdenkliche Verwunderung auslöst. Warum sind da plötzlich leere Seybrew-Flaschen, die wie dunkelgrüne Tulpen auf Ästen aufgespießt sind, oder warum liegen plötzlich Glasscherben in Farben des Regenbogens auf einem alten Holzregal. Die Geschichten hinter der Geschichte erzählt ToTo gern…

Neben merkwürdigen Werkzeugen, die z.B. zum Öffnen harter Kokosnüsse dienten, künden schwere marmit – gusseiserne Kochtöpfe auf drei Beinen  – von kreolisch kulinarischen Köstlichkeiten. Dazwischen Kunsthandwerk aus Treibholz, Muscheln und Samen oder aber witzige T-Shirts, die zwischen urigen Schnitzereien und raffinierter Flechtware liebevoll von ToTo präsentiert werden.

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Logisch, dass man die meisten Exponate auch kaufen kann. Viele davon sind Zeuge längst vergangener Inseltage, berichten vom entbehrungsreichen Alltag der ersten Siedler und lassen den Besucher in den Retro-Modus wechseln, der die „guten alten Zeiten“ der Inseln heraufbeschwört. Bei einem Stück allerdings schüttelt ToTo heftig den Kopf: Es ist der Panzer samt Schildkrötengerippe, das den Platz vor seinem Tresen nebst Kasse bewacht: „Wenn Du das Ding kaufen willst, kein Problem – aber Du landest sicher im Knast, wenn Du es nach Deutschland bringst“, grinst er mich diabolisch an.

Ich lehne dankend ab und schaue mich im Innern seiner schaurig-schönen Höhle um. Ich verweile gern, denn leise Musik umhüllt mich – nicht irgendwelche Traditionsklänge des allgegenwärtigen Sega-Rhythmus: nein, bei ToTo höre ich Rock’n-Roll-Balladen!

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Zwischen all dem Vinyl schnitzt ToTo  indes weiter an kleinen Coco-De-Mer-Exemplaren aus Holz, die er als Handschmeichler verkauft. Zeichnungen mit Portraits uriger Inselbewohner wachen derweil über ihn. ToTo ruht in sich selbst, ist aber alles als ein verschlossener Kauz. Er mag die Menschen und unterhält sich gern – mit allen, und ohne Ausnahme. – Ich bin glücklich, dass ich mich dazu zählen darf.

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Adresse:

ToTo – Lazare Souvenir/Museum Gallery
Baie Lazare, Mahé,  SEYCHELLES

(In Baie Lazare an der Hauptstraße gelegen; aus dem Süden kommend, links nach der Tankstelle auf dem kleinen Hügel, gegenüber vom Frangipani-Café, das früher Splash-Café hieß und von Sandra, der Schwester von Tom Hanks geführt wurde).

Öffnungszeiten: von früh bis spät bzw. wann immer das Fahrrad mit dem Schild „Open“ vor der Tür steht.

Telefon: 00248/ 2 516 577

Zeitlos in den Seychellen

14. Oktober 2016
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Wer auf den Seychellen weilt, beginnt plötzlich, nach einem anderen Zeitbegriff zu leben. Nichts scheint wirklich eilig zu sein. Und alles kann warten. Viele meiner seychellischen Freunde tragen keine Uhr, ich übrigens auch nicht mehr. Und doch kommen wir im Alltag ganz gut zurecht – meistens jedenfalls. Das liegt zunächst einmal daran, dass es einen natürlichen Zeitmesser gibt: die „Sonnen-Uhr“. Sie geht nie falsch und immer richtig, denn sie geht zwischen sechs und halb sieben in der Früh auf, und zwischen sechs und halb sieben abends unter. Tropische Regelmäßigkeit des Äquators – zuverlässig, Jahrmillionen lang erprobt und sehr beruhigend. Genauso wie der Rhythmus der Gezeiten, Ebbe und Flut – die man nach einigen Tagen Strandleben auch ohne Gezeiten-App präzise voraussagen kann.

Zur Not helfen die Vögel mit dazu, die morgens und abends jeweils zeitgleich plärren (von Singen kann bei dem lauten Spektakel der Mynah-Birds und Bulbuls jedenfalls nicht die Rede sein, auch nicht beim durchdringenden schrillen Fiepen der Kolibris und erst recht nicht beim Gezeter der Webervögel. Einzig und allein das Gurren der Sperbertäubchen macht da eine sanfte Ausnahme). Und wem das nicht reicht, der orientiere sich am Gebimmel der Kirchenglocken: Sechs- und Sieben-Uhr-Läuten in der Früh, Mittagsläuten um Punkt Zwölf, Angelus-Läuten um Fünf zum Feierabend. Und wenn mal nachmittags um drei die Glocken schlagen, dann ist klar: es kann nur Freitag sein!

Wegen dieser natürlichen Rhythmen ist es eigentlich nur zu logisch, dass es so etwas wie einen präzise getaktete Stundenablauf oder Fahrpläne nicht gibt – einzige Ausnahme ist die Fähre Cat Cocos. Aber bei den blauen Tata-Bussen sieht es schon anders aus. Es ist zwar in etwa bekannt, wohin sie fahren (das markiert ein Leuchtband im Cockpit) und von wo aus sie fahren (das zeigt das fette Wort „Bus Stop“ an, das in weißer Farbe einfach auf die Straße gepinselt wurde). Nicht aber ist genau bekannt, wann sie fahren. Und während wir in der zivilisierten Gesellschaft das Warten als etwas Lästiges und unnütze Zeitverschwendung empfinden, weil die Zeit davon eilt, haben die Seychellois eine ganz andere, eine positive Einstellung: „Time is coming“. Die Zeit kommt also zu ihnen, während bei uns die Zeit vergeht und wir ihr deswegen gestresst hinterher jagen müssen.

So weit, so gut. Eigentlich dachte ich, dass die Seychellen wegen dieser Mentalität ein wenig hintendran sind (ich sage bewusst nicht: hinterm Mond, denn der lacht sie strahlend an). Aber heute bekam ich den Beweis, dass sie ihrer Zeit voraus sind, zumindest um einen ganzen Tag. Als ich nämlich im „News Café“ in Victoria heute meine Zeitung las, musste ich verblüfft innehalten.

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Da steht doch tatsächlich: Freitag, 15. Oktober! Ich guckte sicherheitshalber auf den vergilbten Wandkalender des Cafés und auch noch auf mein Handy: Da stand: Freitag, 14. Oktober!

Okay, dachte ich, das hätten wir jetzt geklärt. Beruhigend für mich war, dass es offenbar den Zeitungsredakteuren genauso ging wie mir: kein richtiges Zeitgefühl mehr, welcher Tag, welches Datum – das war und ist offenbar gar nicht so richtig wichtig.

Und plötzlich merke ich, welchen Luxus ich da genoss: Zeitlos in den Seychellen!

Bird Island: Vögel, Meer und mehr…

11. Oktober 2016
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Es gibt ein paar Flecken dieser Erde, mit denen es der Herrgott offenbar ganz besonders gut gemeint hat. Bird Island gehört definitiv dazu. Es ist nicht nur dieser Farbenrausch, der mit voller Wucht den Betrachter trifft und ihn immer wieder sprachlos werden lässt.

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Foto: (C) Rainer Bauerdick – http://rainerbauerdick.de

Es ist vor allem dieses friedvolle Miteinander von Pflanzen und Tieren, das mich ganz klein und demütig werden lässt.

Die Vögel: Wie kann es sein, dass mehr als eine Million Seeschwalben auf einem winzigen Areal von drei, vier Fußballfelder nicht nur Platz, sondern auch die Möglichkeit zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen finden? Und: Wie kann es sein, dass sie von einem unsichtbaren Magneten Jahr für Jahr immer wieder zur selben Stelle finden – ohne den ganzen neumodischen Kram wie GPS und Co.

Und dann die Feenseeschwalben – weiß und wunderschön: Wenn sie auf Partnersuche gehen, dann tun sie es mit Bedacht und vielleicht sogar mit Liebe. Denn mit ihrem Partner bleiben sie ein Leben lang zusammen. Meist sieht man sie auch zu zweit gern einmal turteln, entweder auf einem Zweig oder bei waghalsigen Manövern in der Luft, die eine Meisterleistung im Synchronfliegen darstellen. Kommt die Zeit der Brutpflege, dann legt das Weibchen gekonnt ein nur einziges Ei auf einen Ast. Kein Nestbau, keine schützenden Zweige – nix! Welch Akrobatik! Welch Kunst, so hocken zu bleiben, dass das Ei nicht herunterfällt.

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Genauso weiß, aber noch deutlich exotischer sind die Tropik-Vögel. Anmutige Wesen mit  langen Federn, der ihnen auch zu ihrem kreolischen Namen verholfen hat: payanke – aus dem Französischen paille en queue – den Strohhalm im Schwanz. Mit ihren spitzen Schreien schrauben sie sich ins makellose Himmelsblau, jubilieren den Wolken zu  und stürzen sich wieder hinab. Ganz ruhig verhalten sie sich dann aber, wenn sie brüten.

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Am Fuße riesiger Strandzedern finden sie Zuflucht vor Sonne und Wind, und Robby – der Wildhüter von Bird Island – hat ihnen mit ausgebleichten Korallengestein, Palmbast und Treibholz kleine „Hüttchen“ gebaut, die sie dankend annehmen. Dort fühlt sich auch das kleine Küken geborgen, das sich darin  wie ein Wattebausch an die Mutter kuschelt.

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In den nächsten Tagen und Wochen kommt die Zeit, wo das kleine Federbällchen  mehr und mehr Gewicht und Gestalt annimmt, bis es schließlich ein gesprenkeltes Federkleid trägt, das unmissverständlich zu verstehen gibt: Die Zeit ist gekommen, um flügge zu  werden.

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Hoch oben über den Wipfeln, weit in den Wolken ein anderes Spektakel: Hunderte von Fregatt-Vögeln kreisen im Himmel, nutzen die Thermik und ihre Flügel mit einer Spannweite von 2,30 Metern, um sich von den Luftströmen treiben zu lassen. Fast faul hängen sie im Blau, kein wildes Flattern, ein gelegentliches Trimmen mit ihren gegabelten Schwanzfedern, ansonsten majestätisches Gleiten.

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Bild: (C) Rainer Bauerdick http://rainerbauerdick.de

Am Boden derweil heftiges Getrippel und Getrappel: Einige Steinwälzer, die an Bachstelzen erinnern, rennen aufgeregt hin und her. Sie haben eine lange Reise hinter sich, sind der Kälte Sibiriens entflohen und freuen sich über die Sommerfrische auf Bird. Ihrem Namen machen sie alle Ehre, denn um Nahrung zu finden, drehen und wenden sie Kiesel, Felsbröckchen, Steine, um darunter die besten Leckerbissen ausfindig zu machen.

Deutlich träger sind die Noddy-Seeschwalben. Sie haben sich doch tatsächlich die größte Mittagshitze ausgesucht und hocken dort mitten im gleißenden Licht, ohne auch nur einen Hauch von Schatten. Warum nur? Die nehmen doch kein Sonnenbad, oder etwa doch?

 

Tatsächlich – so etwas Ähnliches machen die braunschwarz gefiederten Gesellen wirklich, denn durch die Hitze wollen sie den Parasiten Herr werden. Ein bisschen Feder-Gezupfe hier, ein bisschen Flügelwackeln da, und schon ist die Vogel-Toilette beendet. Dann ab in die Bäume, wo flugs am Nest weitergebastelt wird. Das besteht aus zwei Baumaterialien, nämlich trockene Blätter und Vogelkot. Halt – sagte ich trockene Blätter? Das stimmt nicht ganz, denn wären die Blätter tatsächlich ganz trocken, würde die Konstruktion in Verbindung mit dem Vogel-Kaka nicht halten. Ledrig müssen die Blätter sein, biegsam und keineswegs bröselig, nur so entsteht der perfekte, stabile Nistplatz, der der extremen Witterung standhält.

Um die Ecke ist großer Kravall in einer Hecke: Dort zanken sich zwei Moorhühner, vielleicht streiten sie sich um ein Stückchen Toast, das ich dort gestern verfüttert habe. Ihre Schreie gleichen dem Gequietsche von einem halben Dutzend Badeentchen. Und jedes Mal erschrecke ich, so laut sind sie. Ich habe die Moorhühner „Penlac“ genannt – der Firmenname eines Unternehmens auf den Seychellen, das Farben und Lacke herstellt. Genauso bunt ist das Moorhuhn: grellgelbe Beinchen, feuerroter Schnabel, schwarzweißes Federkleid – die ganze Palette einer Farben-Firma eben!

Früher – ja, ich gebe es zu – habe ich mich überhaupt nicht für Vögel interessiert; jetzt, hier auf Bird, kann ich ihnen stundenlang zugucken. Ich teile meinen Bungalow mit ihnen, vor allem mit den kleinen ständig gurrenden Sperbertäubchen, die ganz genau wissen, wann ich vom Frühstück zurückkomme und ihnen etwas mitbringe.

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Dann aber ist es endlich Zeit für mich, den Vögeln ihr Revier zu überlassen. Nur ein paar Schritte trennen mich von meinem Bungalow zum Meer.

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Mehr Meer geht nicht!

Bird Island – dem Himmel so nah…

10. Oktober 2016
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Wer sich entschließt, ein Stückchen dieser Welt kennen zu lernen, was so schön ist, dass es eigentlich nicht von dieser Welt sein kann, der sollte nach Bird Island reisen. Die nordwestlichste der Seychellen-Inseln liegt eine halbe Flugstunde von Mahé entfernt und ist doch eine Ewigkeit vom Alltag entfernt.

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Eine kleine Lodge schmiegt sich kurz hinter dem Wasser am weißen Sand entlang; es sind luftige Häuschen, die sich zwischen Palmen und Casuarinen – den filigranen Strandzedern – aneinander kuscheln, gerade mal 25 Bungalows, und das ist gut so.

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Denn Bird Island ist klein, noch nicht mal eine Quadratkilometer groß,- 1700 m lang und 700 m an der größten Stelle breit. Und obwohl es nur eine pfannkuchenplatte Anhäufung aus Korallen und Sand ist und ein Staubkorn im Universum, ganz winzig und nichtig – es ist  doch eine ganz eigene Welt, vor allem zwischen Mai und Oktober; denn dann ist das Inselchen das Zuhause für über eine Million Seeschwalben, die hier ihre Nistplätze haben. Damit nicht genug: Die Riesenschildkröten fühlen sich hier pudelwohl, suchen sich schattige Plätze unter den Palmen und schieben sich langsam durch den sandigen Boden in den Schutz der Bungalows, wo sie auch gern mal stundenlang verharren. Esmeralda – übrigens keine SIE, sondern ein ER – ist hier auch daheim; das älteste Exemplar auf dieser Erde. Über ihr/sein Alter ist man sich aber uneins: Einige Quellen behaupten, sie/er sei 1771 geboren und 400 kg schwer. Anderen Angaben zufolge (z.B. laut Süddeutscher Zeitung) soll sie/er „nur“ ca. 300 Kilo schwer sein und zwischen 150 und 180 Jahre sein. Kann uns eigentlich egal sein, denn er/sie ist schlicht und ergreifend ein bewundernswertes Prachtexemplar, ein Zeitzeuge der Urzeit und ein lebendes Mahnmal, dass es auch langsam geht.

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Neben Esmeralda krabbeln noch andere Schildkröten über die Insel: Da gibt es kleine flinke, mit gelbgrünem Panzer – das sind Schildkröten aus Madagaskar, von denen eine auf den Namen Jeremy hört. Und dann schieben sich behäbig noch ein paar Artgenossen von Esmeralda über die Insel, darunter der halbblinde Raffael, der einmal meinte, meine türkisfarbenen Shorts seien der perfekte Nachtisch. Er knabberte sie lustvoll an und es gelang mir nur mit Mühe, sie ihm wieder zu entreißen. Achtung: Schildkröten haben verdammt scharfe Zähne! Wer sie füttern will, z.B. mit Bananenresten oder den weißen Früchten der blutroten Scharlachkordie, möge dies bitte mit Respekt tun…

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Wer also auf Bird weilt, teilt seine Unterkunft mit den Tieren. Und in der Brut-Saison kann es auch schon mal richtig laut werden, wenn die Seeschwalben zetern und schreien, rufen und weinen. In der Nacht geht es übrigens weiter, und nicht selten höre ich die Klagen von Touristen, die Naturgeräusche in dieser Lautstärke nicht mehr gewohnt sind und sich mit Oropax vor den krakeelenden Vögeln zu schützen versuchen. Für mich jedoch ist es die schönste „Lärmbelästigung“ der Welt, vor allem in den Abendstunden, wenn die Sonne im Meer versinkt.

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Wenn sich dann noch das tiefe Dunkel über die Insel legt, wird alles noch intensiver: Unter einem grandiosen Sternenhimmel, der die Insel in sphärisches Licht taucht, wird das Rufen der Vögel zu einer seltsam klagenden Sinfonie, die die ganze Nacht über andauert….

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Kommt ein kurzer Schauer, dann offenbaren warmer, regendurchtränkter Sand, nasse Blätter und Blüten einen sinnlichen Duft, der sich mit dem strengen Aroma feuchter Federn, Nester und anderer Hinterlassenschaften vereint.

Danach versinkt die Insel wieder in einen friedlichen Schlaf, der erst mit dem Sonnenaufgang vorüber ist.

Seychellen – die beste Reisezeit

8. Oktober 2016
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Immer wieder werde ich gefragt, was denn die beste Reisezeit sei, um auf die Seychellen zu fliegen. Ich könnte jetzt den gleichen Fehler machen wie viele renommierte Reiseführer und die Monate Juni, Juli und August empfehlen, weil es dann zunächst einmal günstige Flüge gibt (es ist nämlich Nebensaison auf den Seychellen) und weil angeblich nicht ganz so heiß ist und kaum regnet. Faktisch ist es aber so – und ich spreche aus 18 Jahren Erfahrungen und Wetteraufzeichnung -, dass es zwar in der Tat kühlere Monate sind, aber es auch öfter länger bewölkt ist, die Farben weniger intensiv sind und öfter ein permanenter Grauschleier über der Landschaft liegt. Kühler ist es auch, weil der Südost-Monsun weht, und der kann es ganz schön heftig treiben, sodass vor allem an der Ostküste bisweilen richtiger Sturm herrscht. Nachteil: Entspanntes Baden geht kaum an den Stränden der Anse Royale oder der Anse Forbans, weil die Wellen einfach zu hoch und die Strömungen zu stark sind. Oft höre ich dann auch Klagen wie: „Iiih, da schwimmt ja Seegras“ oder „Bäh, das Wasser ist ja ganz grau“.

Eine andere, immer wieder gern gemachte Empfehlung ist, doch Weihnachten unter Palmen zu verbringen. Kann man machen, muss aber damit rechnen,…

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… dass depressives Grau, tief hängende Wolken, dann Dauerregen und richtige Wolkenbrüche – die durchaus länger als nur eine Stunde oder einen Tag anhalten können – die Insel heimsuchen. Denn Dezember, Januar und Februar sind die regenreichsten Monate auf der Insel. Ich muss allerdings einräumen, dass Februar 2016 ganz außergewöhnlich schön, sonnig und trocken war. Man merkt, nix is fix – hinsichtlich einer treffsicheren Prognose.

Aber eines ist unumstößlich: Es gibt zwei Phasen im Jahr, in denen die Winde wechseln –  Das sind diejenigen Wochen, in denen der Nordwest-Monsun den Südost-Monsun ablöst. Und umgekehrt.

Als Faustregel gilt:

Nordwest-Monsun weht zwischen Mitte/Ende Oktober und Mitte/Ende April.

Südost-Monsun weht zwischen Mitte/Ende April und Mitte/Ende Oktober

Wer also z.B. im Dezember auf die Seychellen reist, muss damit rechnen, dass – falls er an der Westküste Quartier bezieht – höheren Wellengang hat. Gleiches gilt für denjenigen, der z.B. im Juli an der Ostküste seine Unterkunft hat.

Ich finde nach wie vor, dass die beste Reisezeit auf die Seychellen die Monate April/Mai und Oktober/November sind, da in dieser Zeit der Wind umschlägt, oft nicht weiß, aus welcher Richtung er kommen soll und demzufolge oftmals ganz erliegt. – Eine herrliche Zeit, in der es sich an beiden Küsten gleichermaßen gut baden lässt, wie z.B. hier – an der Anse Royale auf Mahé.

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Steckbrief Seychellen-Wetter:

Luft-Temperatur: ganzjährige Durchschnittstemperatur liegt tags wie nachts bei ca. 27 Grad; allerdings gibt es im April oft eine Hitzewelle, die die Einheimischen gern „solei karemn“ – die Fastenzeit-Sonne – nennen, weil sie um Ostern mit ihrer Hitze den Menschen und der Natur alles abverlangt. Dann klettert auch gern mal das Thermometer auf mehr als 30° +C. In den Monaten des Südost-Monsuns  kann es nachts auch mal kühler werden. – Heute morgen habe ich doch tatsächlich nur 23,5 Grad auf meinem Thermometer abgelesen – fast so was wie ein Kälterekord. Allerdings haben mir Freunde in den Bergregionen von La Misere verraten, dass sie tatsächlich schon mal 19 Grad ablesen konnten. Irre!

Wasser-Temperatur: ca. 26-28 Grad – vor allem in der windstillen Zeit gefühlt deutlich wärmer; in den Monaten des Südost-Monsuns vor allem an der Ostküste gefühlt deutlich kälter. Aber immer noch deutlich angenehmer als Nord- und Ostsee zusammen!

Sonneneinstrahlung: Am Äquator steht die Sonne senkrecht, daher ist für empfindliche Haut ein hoher Lichtschutzfaktor unabdingbar. Zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr besser den Schatten aufsuchen. Außerdem: In den frühen Morgen- und den späten Nachmittagsstunden sind Lichtspiele am Wasser und die Farben des Meeres sowie so schöner, weniger Menschen am Strand und mehr Ruhe und Einsamkeit garantiert – also klare Empfehlung für Genießer: früh aufstehen oder erst vor „Feierabend“ baden!

Eine harte Nuss: die „Cat Cocos“

7. Oktober 2016
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Wer zwischen den Inseln hin- und her schippern will, kommt ohne die Cat Cocos nicht aus: Die Fähre, die sich mit vier Nüssen – genauer gesagt: mit vier Coco de Mer – im Logo schmückt, pendelt täglich mehrmals zwischen Mahé und Praslin.

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Es ist eine der wichtigsten Shuttle-Verbindungen der Seychellen überhaupt. Und völlig egal, ob Urlauber mit Quartier auf Praslin, Weiterreisender nach La Digue oder Tagestourist – ohne die Cat Cocos geht nix. Doch sie gibt uns mehrere Nüsse zum Knacken auf…

Zunächst klingt es völlig unspektakulär, eine Fähre zu nehmen. Das machen schließlich auch die Einheimischen jeden Tag, weil sie immer wieder mal auf die anderen Inseln müssen: Familienbesuch, Business-Termine, Parties und Hochzeiten, Geburtstage und Kommunion, Taufen und Beerdigungen. Wenn es also die Einheimischen jeden Tag machen, dann sollte es ja auch für die Touristen ein Kinderspiel sein, an diesem Inselhüpfen teil zu nehmen. Sollte… ist es aber nicht, zumindest nicht für die Indiviualreisenden, die sich nicht den organisierten Touren mit Masons, Creole Holidays oder 7° South anvertrauen. Denn es gibt eine Menge  zu bedenken:

  1. Es ist NICHT besonders klug, aufs Geratewohl zu beschließen: „Wir fahren jetzt mit der Cat Cocos“, denn oft ist sie übervoll,ggf. sogar überbucht. Daher ist es mehr als empfehlenswert, im Vorfeld seine Tickets zu organisieren.
  2. Gerade für denjenigen, der eine Tagestour nach Praslin oder La Digue plant, gibt es nur eine wirklich zielführende Empfehlung: Die erste Cat Cocos nehmen – die geht um 7.30 Uhr. (Die letzte zurück geht um 17.30 Uhr) Deswegen einmal mehr der Hinweis, möglichst vorher seine Tickets zu buchen, denn gerade zur frühen Stunde bilden sich gern vor den Ticket-Schaltern lange Schlangen.
  3. Natürlich ist es theoretisch möglich, nicht nur vorher den Fahrplan im Internet einzusehen, sondern auch online seine Tickets zu buchen, und zwar unter catcocos.com. Theoretisch, leider… denn allzu oft ist die Website nicht aktuell, wird gerade restrukturiert oder das Internet geht nicht. Für diese Fälle empfiehlt es sich, den Fahrplan vorher zu checken, d.h. am besten macht man sich schlau über eine telefonische Kontaktaufnahme unter: (00248) 4 32 48 45.
  4. Es gibt drei Ticket-Schalter – leider nur in Victoria:
  • Der Hautschalter befindet sich an der „Jetty“ – genauer gesagt am Inter Island Key; Öffnungszeiten sind theoretisch von 6.30 bis 17.00 Uhr. Wohlgemerkt: Theoretisch, denn es kann auch sein, dass sich mal das Personal verspätet und dann wird es verdammt eng – nicht nur am Schalter, sondern auch mit der Zeit; denn das Boarding/Einsteigen zur ersten Fähre beginnt bereits um 7.00 Uhr!
  • Im neuen „Espace Building“, am Wasser gelegen, in der Nähe des Inter Island Key: Öffnungszeiten 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  • In der Nähe vom Clock Tower, gegenüber der NouvoBank: Öffnungszeiten von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  1. Bei der Buchung ist es ZWINGEND erforderlich, den Reisepass vorzulegen, denn es gibt ein „Zwei-Klassen-System“. Die Einheimischen zahlen nur ca. ¼ des Touristen-Fahrpreises, und der beträgt für die einfache Fahrt sagenhafte 835,– SCR (seychellische Rupies; Stand Okt. 2016 – umgerechnet ca. 57,– Euro bei einem Wechselkurs von 1 Euro = 14,5 SCR)
  2. Es ist ZWINGEND notwendig, eine Entscheidung darüber zu fällen, wo man sitzen möchte: Abgesehen von der Business Class gibt es die Möglichkeit, im klimatisierten Innenraum oder auf dem Freiluftdeck zu sitzen. Das klingt zunächst verlockend, doch bei einsetzendem Regen hilft die nur spärliche Überdachung kaum; und Spritzwasser gibt es reichlich, rast doch die Cat Cocos mit ca. 60 Stundenkilometer über das Wasser.
  3. Man sollte bei der Buchung bereits wissen, wann man zurückfahren möchte.
  4. Schweres Gepäck (z.B. Koffer für einen mehrtägigen Aufenthalt) muss separat aufgegeben bzw. an Bord gebracht werden. Der Schalter informiert über die Einzelheiten.
  5. Visa-Kreditkarte wird akzeptiert.
  6. Die Cat Cocos fährt (völlig „un“seychellisch!)  absolut pünktlich auf die Minute los!
  7. Es gibt an Bord kleine Snacks und Getränke: Derzeit kostet ein Kaffee 30,– SCR und ein Wasser 20,– SCR.
  8. Es gibt ein nettes Unterhaltungsprogramm an Bord; gern werden Zeichentrickfilme oder das Beste aus Mister Beans Geschichten präsentiert. Empfehlenswert, da es von der bisweilen heftigen Schaukelei an Bord ablenkt.
  9. Achtung Seekrankheit: Wer schnell seekrank wird, sollte sich unbedingt im unteren Deck in die Mittelreihe platzieren; da spürt man den Wellengang nicht ganz so arg. Besonders heftig ist dieser zwischen Mitte/Ende Mai und Mitte/Ende Oktober – also in den Monaten, in denen der Süd-Ost-Monsun weht.

Da kann man nur noch sagen: AHOI!

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Adresse: Cat Cocos, Inter Island Boats Ltd, Hauptschalter: Inter Island Ferry, Victoria
Tel: 00248/ 4 32 48 45
Öffnungszeiten: 6.30 Uhr bis 17.00 Uhr
www.catcocos.com

„Senil plim“ – ein Update zum stacheligen Störenfried

5. Oktober 2016
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Es war im Monat Februar, in dem es mich so heftig mit einer schweren Allergie gegen senil plim – den Seidenspinner –  fürchterlich erwischt hat. Da war nicht nur dieser gruselige Hautausschlag mit nässenden und anschwellenden Pusteln, da war nicht nur dieser unerträgliche Juckreiz – nein, da waren auch noch Fieberschübe, Schüttelfrost und Atemnot. All das konnte ich nur mit Hilfe des kleinen Hospitals in der Anse Boileau überstehen. Eigentlich dachte ich, irgendwann würde die Raupenplage, die für all diese Symptome verantwortlich zeichnet, weniger werden. – Weit gefehlt!

Dabei hatte ich große Hoffnungen in die Äußerungen eines Beamten des Gesundheitsministeriums gesetzt, der nach Ankunft auf Mahé an Bord der Condor-Maschine kam, um die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften zu kontrollieren. Ich fragte ihn ganz beherzt: „Sir, sagen Sie mir, wie sieht’s aus mit der Raupenplage“. Er, für mein Empfinden eine Spur zu selbstbewusst: „Everything under control – alles im Griff, Raupen ade!“

Von wegen. Nur zwei Stunden später, nach Ankunft in der Anse Louis kam das ach so vertraute Stechen, Jucken, Kratzen wieder. Kurze Zeit später – im Jardin Du Roi (im Königsgarten hoch oben über der Anse Royal) – konnte ich beobachten, wie zwei Touristinnen total gepeinigt um Hilfe beim Gartenpersonal bettelten und ihnen eine heftige Reaktion im Nackenbereich zeigten. Dort war alles geschwollen, dort war alles ein einziger roter Placken.

Erste Hilfe kam schnell und zwar in Form von „Calamin“ – einer Zinkoxid-Salbe, die so ähnlich aussieht wie Penaten-Creme, nämlich dick, zäh und weiß. Früher, so erinnere ich mich, in Zeiten von Masern und Windpocken, wurden damit auch unsere Kinderpopos eingeschmiert und es half – mehr oder weniger. Aber bei der Seidenspinner-Raupe müssen bisweilen leider härtere Bandagen her. Wohlgemerkt – bisweilen. Weil dann nämlich die Fieberschübe, Schüttelfrost und Atemnnot bekämpft werden können – siehe oben.

Glücklicherweise ist momentan die Raupe nicht in jeder Ecke der Insel aktiv und nicht jeder ist gleichermaßen allergisch gegen sie. Aber sie ist da, wie selbst die Einheimischen zu spüren bekommen.

Patsy – meine Freundin, die in der Anse Boileau Lehrerin ist – berichtete mir, dass vor wenigen Tagen ganze Schulklassen nach Hause geschickt werden mussten, weil der Juckreiz und die allergischen Reaktionen bei den Kindern gegen dieses Raupenvieh zu heftig ausfielen. Und ich habe das Krabbeltier nicht nur im Jardin du Roi in den Bäumen, sondern auch an der Straße beim Inder-Laden und bei mir daheim auf dem Terassentisch (wieder)entdeckt.

Könnte es sein, dass ich diesen Raupen nicht zu Leibe rücken kann, weil ich gerade eben erfahren musste, dass ich sie im Kreolischen falsch geschrieben habe? Ich dachte eigentlich immer, dass das französische Wort „chenille“ im Kreolischen als „senil“ wiedergegeben wird – falsch! Witzigerweise wird dieses „ije“ am Wortende mi einem merkwürdigen „ir“ symbolisiert. Deswegen heißt „chenille plume“ nicht „senil plim“ – sondern korrekterweise „senir plim“. Dennoch – die Kenntnis über die korrekte einheimische Orthographie lindert nicht die Schrecken der Allergie…

Was also tun? So unterschiedlich die Reaktionen auf die Raupen und ihre Silberhärchen auch ausfallen, so unterschiedlich die Therapien: Im besten Fall hilft Aloe Vera – dieses Affodill-Gewächs wird hier gern als Zierpflanze angebaut. Die fleischigen Blätter lassen sich abbrechen, der Länge nach aufschlitzen, sodass das durchsichtige schleimartige Gel heraus treten kann, was direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden sollte. Hilft das nicht, dann könnten Soventol und Fenistil eine Lösung sein. Immer noch keine Linderung in Sicht? Dann müssen stärkere Mittel ran. Insbesondere Salben mit Hydrocortison versprechen Schmerzstillung. Wenn das aber immer noch keinen Erfolg verspricht, dann geht’s ans Eingemachte: Prednisolon – mit anti-entzündungshemmenden und anti-allergenen Wirkstoffen könnte helfen; als Tabletten oder Injektion in den kleinen Lazaretten vor Ort, in jeder Bucht. Oder dann noch die Haus- bzw. Reiseapotheke mit  Cetirizin (Tablettenform)– ein Antihistaminikum der sog. zweiten Generation, das zur Linderung von Beschwerden allergischer Erkrankungen eingesetzt wird.

ACHTUNG: Wer auf die Seychellen reist und sich gegen eine mögliche Seidenspinnerraupenallergie zu wappnen versucht, sollte vorher UNBEDINGT einen Arzt und/oder Apotheker zu Rate ziehen. Die hier gemachten Beobachtungen berufen sich auf subjektive Erfahrungen! Keine Haftung für diesen Eintrag!!!

Einfach nur königlich erhaben – der Königsgarten „Jardin du Roi“

4. Oktober 2016
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Wer von der Anse Royale in Richtung Landesinnere fährt und die Bergstraße von Les Canelles nimmt, ist gut beraten, langsam zu machen! Denn nach einigen hundert Meter kommt man an eine kleine, recht unscheinbare Straßengabelung, an der früher ein Hinweisschild zum Jardin du Roi deutete. Das Schild – längst verrostet, längst verblichen, längst verschwunden. Nur mit etwas Glück schafft man auf Anhieb den richtigen „Einstieg“ in die verwunschene Bergweld der Südküste. Als Orientierungshilfe mag ein etwas moderner indischer, supermarkt-ähnlicher Laden dienen, bei dem meistens ein erleuchtetes „Open“ blinkt. Genau da geht es links ab, dann kurze Zeit später in einer versteckten Hofeinfahrt wieder nach rechts. Hier grüßt dann auch tatsächlich ein Schild und weist einen Weg von ca. 1 Kilometer nach oben, der sich dann steil in die bewaldeten Hänge schraubt. Einmal oben angekommen, kuscheln sich einige Häuslein unter einem mächtigen grünen Dach. Wir sind da – der Jardin du Roi erwartet uns. Am Eingang fächelt ein majestätischer Riesenbambus uns Kühlung zu. Zu seinen Füßen gurgelt ein klares Bächlein. An seinem moosigen Ufer führt ein kleiner Pfad steil in die Höhe, links und rechts gesäumt von uralten latanier feuille-Palmen mit zeltdachgroßen Blättern.

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Alte Palmenbestände und hohe Zimtbäume laden zum Verweilen unter einem dunkelgrünen schattigen Dach ein. Da hinten grüßt ein übermächtiger Mangobaum, daneben stehen Guaven, Nelken und Avocados. Die Böschung ist gesäumt von kuscheligem Zitronengras. Hinter einer Hibiskus-Hecke quietscht fidel ein Papagei in seiner luftigen Behausung. Von weiter oben duftet es erfrischend nach Zitrone – dort wächst ein wuchtiger Busch der Kaffir-Limette, durch den ein sanfter Windhauch streicht. Zwischen all dem exotischen Gehölz heimelige Oasen aus Gras und roz anmer, eine Art „Fleißige Lieschen“, die sich mit ihren pinkfarbenen und schneeweißen Blüten ein beschwingtes Stelldichein unter dem blauen Himmel geben.

Ich weiß auch nicht, aber jedes Mal, wenn ich dort bin, findet mit mir, in mir eine seltsame Verwandlung statt. Ich fühle mich wie in einer Art Zeitreise und bin plötzlich im 18. Jahrhundert gelandet. Hier oben unter den riesigen Bäumen – und erst hier verstehe ich, warum man von Urwaldriesen spricht – weht ein Hauch der guten alten Zeit.

Kleine Pfade führen durch die Bepflanzungen, allesamt beschildert mit viel Wissenswertem rund um Gewächse und Gehölze. Viel Zeit kann man hier bei ausgedehnten Streifzügen durch das Grün verbringen – viel viel Zeit. Irgendwann dann müde geworden, lädt das kleine koloniale Restaurant zu Erfrischungen ein. Wie wäre es mit einem Oktopus-Salat, mit einem Seafood-Gratin, mit geräuchertem Fisch zu lieblicher Mango, oder gar Fischsuppe und Gemüsecurry? Hier wird noch wirklich – also WIRKLICH – kreolisch gekocht; und es lohnt sich! Auch wenn die Preise nicht gerade günstig und die Portionen nicht gerade üppig sind; aber es ist einfach ein Gaumentraum der ganz besonderen Art. Wer mag, traut sich und fragt die Bedienung nach einem kleinen Versucherle – nach ladob – in Kokosmilch geschmorte Brotfrucht. Denn eines ist sicher: Wer von der Brotfruchtist, kommt immer wieder auf die Seychellen zurück.

Adresse: Jardin Du Roi –  Domaine de l’Enforcement, Anse Royale, Mahé, , Seychelles. Tel. 00248/ 4 371 313.erreichbar über Les Canelles; Eintritt für die Pflanzungen, ca. 150,- SCR

Öffnungszeiten: 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr – nur Mittagessen bis ca. 15.00 Uhr (wer nur etwas im Restaurant verzehren will und keinen Rundgang durch den Garten plant, braucht keinen Eintritt zu entrichten).