Seychellische Plagegeister

9. September 2017
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Alss ich früher noch ein kleines Mädchen war und mein Papa mir aus dem Dschungelbuch vorlas, da konnte ich mir nicht vorstellen, wie der kleine Junge Mogli ohne Beistand im Urwald überlebte. War das nicht sehr gefährlich, lauerten nicht überall Gefahren und Krankheiten? – Heute weiß ich: Es gibt tatsächlich ein Fleckchen auf dieser Erde, wo es (fast) ähnlich sorgenfrei zugeht: die Seychellen. Denn aggressive Wildtiere, giftige Spinnen oder Schlangen gibt es keine. Auch von bösartigen Tropenkrankheiten bleiben die Seychellen verschont. Heile Welt, oder? Richtig, gäbe es da nicht einige Plagegeister, die mir bisweilen ganz schön zu schaffen machen. Obwohl ich keine Medizinerin bin und natürlich keine Haftung für meine Ratschläge übernehmen kann, denke ich: Es wird nicht schaden, meine Erfahrungen zu teilen – zumal ich alle, die ins Paradies reisen, mit ein paar einfachen Tipps und Ratschlägen vor dem bewahren will, was mein beinahe kreolischer Nachname (Mallad) zum Ausdruck bringt: malad – krank werden.

Schauen wir also hinter die wunderschönen Kulissen, in denen sich die seychellischen Plagegeister verstecken. Eine der wichtigsten seychellischen Volksweis­hei­ten besagt: „Hast Du Ratten, dann hast Du keine Mos­kitos. Hast Du Moskitos, dann hast Du keine Ratten.“ – Auch wenn es traurig ist, aber genauso ist es.

Beide nerven.

Die nervigsten sind für mich, die ich im Busch wohne, mit Sicherheit die Ratten. Die gute Nachricht: In den großen Hotels lassen sich Ratten eher weniger blicken (zumindest kriegt man dort von ihnen als Tou­rist so gut wie nichts mit), in den kleinen guesthouses machen sie sich bisweilen mit ihrem nächtlichen Getrappel bemerkbar. Zwar sind die kreolischen Ratten nicht mit den Aasfressern euro­pä­i­scher Breitengrade zu vergleichen, aber ähnlich wie diese übertragen sie Krankheiten, die tödlich en­den können. Deswegen Vorsicht an kleinen Wasserlöchern, Pfützen oder wenig sauber wirkenden Rinnsalen. Bitte meiden und nicht hineintreten, schon gar nicht barfuß! Hier könnte nämlich Leptospirose lauern – eine Infektionskrankheit, die die Erreger „Leptospira“ auslösen.  Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontakt mit den infizierten Tieren (hauptsächlich deren Urin) über damit verunreinigtes Wasser. Durch kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhaut kann der Mensch sich mit dem Erreger anstecken. Was dann kommt, klingt wenig verheißungsvoll: Nach vordergründig wenig bedenklichen Symptomen wie Grippe-Gefühl und Gliederschmerzen folgen Fieber und Bindehautentzündung, außerdem schwere Leberschädigungen und/oder Nierenversagen. – Das Problem: Eine wirksame Therapie (z.B. mit Penicilin) ist nur im Anfangsstadium der Krankheit möglich, also nur einige, wenige Tage nach Ansteckung. Daher schwache Symptome ernst nehmen – vor allem dann, wenn vorher ein Kontakt mit brackigem Gewässer/Abwasser gegeben war, dann sofort einen Arzt konsultieren!

Warum ich das so eindringlich beschreibe? Es war vor wenigen Jahren, als wir ganz plötzlich Max Faure verloren. Unser liebgewonnener Nachbar, der uns stets regelmäßig mit kalou versorgte, ein baumlanger, bärenstarker und vor Kraft strotzender Kerl, war binnen weniger Wochen tot. Eine kleine Verletzung am Fuß, die er sich mit einer zu scharfen Machete zugefügt hatte und ein Marsch durch unwegsames matschiges Waldgelände mit etlichen zwielichtigen Feuchtbiotopen wurden ihm zu Verhängnis. Eigentlich wollte er Gummistiefel tragen, doch die waren kaputt und mit Größe 47 war es ihm so gut wie nicht unmöglich, auf den Seychellen geeignetes Schuhwerk zu finden.

Ich jedenfalls halte mich von wenig hygienischen Wasseransammlungen fern, aber das ist ja eigentlich keine große Kunst, bei all dem herrlich klaren Meerwasser um mich herum!

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Fernhalten kann ich mich aber kaum von den Moskitos. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie förmlich nach frischem Blut aus der nördlichen Halbkugel lechzen. Besonders nach den Regengüssen, wenn die Luft dampfig und feucht ist, oder aber wenn mal wieder das Deo versagt und der Schweiß in Strömen rinnt, dann fallen sie über mich her. Besonders aktiv sind sie morgens und abends in den Übergangstunden der Dämmerung (jeweils zwischen sechs und sieben). Da hilft nur eines: ein sog. „Repellent“, ein Mückenabwehrspray – und zwar eines, das wirklich wirkt und die surrenden Störenfriede fernhält, z.B. Antibrumm, No bite oder Peaceful Sleep (auf den Seychellen erhältlich). Ebenso wirksam sind die sog. „Mosquito Coils“ – spiralähnliche Räucherstäbchen, die lange glimmen und einen Duftqualm absondern, den die Moskitos so überhaupt nicht mögen. – Sollten sie doch mal zu heftig zugestochen haben, lindert frische Aloe Vera, die z.B. in so manchem Blumenkübel angepflanzt wird, mit ihrem schleimigen Gel den Juckreiz. Natürlich leisten auch Soventol oder Fenistil (auch in einigen seychellischen Apotheken erhältlich) treue Dienste. Ein einfaches Gegenmittel gegen die Blutsauger ist auch ein schnell drehender Ventilator, doch dann sollte man für alle Fälle Medikamente gegen Grippe und Halsweh in der Hinterhand haben… denn treffen zu viel Wind und Kühle auf den tropisch erhitzten Körper, ist die Gefahr groß, dass sich eine saftige Erkältung heranschleicht. Und spätestens dann stellt sich die Frage, ob nicht ein Moskito-Stich (der übrigens weniger lang juckt als in Deutschland), nicht das geringere Übel ist.

Ein bisschen kritischer ist die Lage, wenn bei den Moskitos auch noch die Gattung der Asiatischen Tigermücke mitmischen darf, denn diese besonders fiesen Viecher können (wohlgemerkt: können, müssen aber nicht) das Dengue-Fieber und den Chickungunya-Virus übertragen. Zunächst merkt man eigentlich gar nichts, verdächtig wird die Sache allerdings dann, wenn sich eine auffällige, völlig grundlose Müdigkeit breitmacht und man meint, eine Grippe sei im Anmarsch. Schön wär’s, denn mit beiden Tropenkrankheiten ist nicht spaßen, machen sie doch einem mit bleiernen Gliedern und heftigen Gelenk- und Muskelschmerzen zu schaffen. Der Arzt wird dagegen die Klassiker wie Paracetamol und Ibuprofen verabreichen. Und ansonsten zu Bettruhe und reichlichem Trinken mahnen – natürlich nur Wasser und Tee, nicht aber Seybrew oder gar Takamaka-Rum!

Weniger lästig, aber sehr schmerzhaft ist die Begegnung mit dem sog. Centiped – dem Hundertfüßler. Dieses Vieh liebt vor allem das weniger saubere Ambiente und schlängelt sich gern mal an Stellen wie Mülleimern herum. Da kann man ihm getrost aus dem Wege gehen. Blöd nur, wenn er sich z.B. über Nacht in getragene und abgelegte Klamotten einnistet und dann zubeißt, wenn man sich anziehen will. Der Biss sticht und brennt höllisch, die betroffene Stelle schwillt an. Wenn irgendwie möglich, sofort kühlen. Die Einheimischen reiben dann die Haut mit einer aufgeschnittenen halben Zwiebel ein und würzen das Ganze anschlie­ßend mit einer saftigen Limette. Wer beides nicht zur Hand haben sollte, überwinde (falls nötig) seinen inneren Schweinehund und nutze den kör­per­eigenen Saft Urin zum Desinfizieren. Un­glaub­lich, aber wahr – sofort lässt der Schmerz nach. Gleiche Rezeptur hilft im Übrigen auch bei dem versehentlichen Kontakt mit den vereinzelt auftretenden See­igeln (z.B. in der Anse Forbans oder weiter draußen in der Anse Royale)…

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… und manchmal kommen ganz vereinzelte Quallen oder nesselndes Plankton, das beim Baden hin und wieder ganz merkwürdig auf der Haut pikst. Ver­gleichbar ist dieses Stechen und Brennen mit dem Biss der maket, der großen schwarzen Wald-Ameise. Sie ist aber nur dann aggressiv, wenn sie sich extrem gestört fühlt. Oft genug vergesse ich bei der Gartenarbeit, dass sich diese nützlichen Tiere in alten verrotteten Ko­kos­schalen einnisten, die gemeinhin als Blu­men­dünger oder Einfassung von Stauden verwendet. – Deswegen mein Tipp an alle, die sich wie Tarzan und Jane fühlen und auf der Suche nach frischem Kokos-Genuss am Strand sind nach einer herabgefallenen Nuss bücken: Bitte vorsichtig und mit Respekt vor den Wald-Ameisen hochheben, kurz drüber pusten, damit sie sich notfalls verflüchtigen und dann erst öffnen.

Am Stand lauert noch ein anderes, fast unsichtbares Biest, bei den Einheimischen bekannt als Sand Fly – in der Mehrzahl Sandmücken, fälschlicherweise immer wieder als Sandflöhe übersetzt. Von der Existenz dieser kleinen schwirrenden Tierchen, die der Insider als Phlebotomina kennt, bekommt man dann erst etwas mit, wenn es zu spät ist. Es sind die Weibchen, die sich unbemerkt eine leckere Mahlzeit aus Blut und Lymphe einverleiben und dazu mit ihren Mundwerkzeugen die Haut anritzen. Dies führt zu juckenden Pusteln. Wer daran rumkratzt, darf mit noch stärkeren, nässenden Schwellungen und schlimmstenfalls mit Infektionen rechnen. Was also tun? Am besten nichts, das ist leichter als getan. Die wirksamste Vorbeugung ist, diejenigen Strandabschnitte zu meiden, an denen Sand Flies auftreten, und das sind Regionen, in denen Seegras angeschwemmt wurde und die perfekte Unterlage zur Eiablage bildet. Zur Not dicke Handtücher unterlegen und Abwehrspray mit DEET verwenden. Sollte es dennoch zu Bissen kommen, dann kühlen und mit juckreizlindernden Mitteln behandeln. Ich schwöre auch auf Teebaumöl und Tigerbalsam. Wenn gar nichts anderes hilft, dann in einer der kleinen „clinics“ (keine Kliniken, sondern ärztliche Versorgungsstationen in den größeren Buchten) vorsprechen. Dort gibt es z.B. Caladryl bzw. Calamine – eine Lotion basierend auf Zinkoxidpulver, das mit einer kleinen Menge Eisen(III)-oxid eingefärbt ist. Die Inhaltsstoffe, vergleichbar mit stark konzentrierter Penatencreme, trocknen die Pusteln aus und lindern den Juckreiz.

Was mich derzeit am allermeisten quält, ist eine kleine, fast unscheinbare Raupe: senir plim – der Seidenspinner, dessen giftige Härchen in alle Winde verteilt über die Inseln fliegen und heftige allergische Reaktionen auslösen – allerdings nicht bei jedem mit gleich schlimmen Verlauf. Zunächst beginnt es mit einem pickeligen Hautauschlag an den Unterarmen. Als ich das erste Mal davon betroffen war, dachte ich zunächst an eine Moskitoinvasion oder Sand Fly-Attacke. Doch dann kamen größere, dickere Pusteln an den Weichteilen wie Bauchfalten und Pobacken dazu. Nachts juckte es besonders schlimm und ich konnte nicht aufhören zu kratzen. In der Regel gibt es dann noch rote breitflächige Juckstellen am Nacken. Wenn Fenistil nicht hilft, dann könnte eine höher dosierte Hydrocortison-Creme Linderung verschaffen. Will es nicht besser werden und kommen noch andere allergische Reaktionen dazu (z.B. Anschwellen der Schleimhäute, Hitzeschübe, Schüttelfrost und Fieber bis hin zu Atemnot), dann wird es ernst. Bei mir hilft, sobald ich die ersten Anzeichen merke, ein Antihistaminikum (z.B. Cetirizin oder Telfast). Außerdem haben mir Arzt und Apotheker ein Notfallset zusammengestellt, basierend auf Prednisolon. Dieses wird übrigens auch in den kleinen Krankenstationen und Lazaretten vor Ort verabreicht. – Vor den Raupenhärchen kann man sich leider überhaupt nicht schützen, denn sie sind über Monate und Jahre hinweg noch „aktiv“. Wer mehr wissen will, findet zusätzliche Informationen in meinen weiteren Blog-Posts über den Seidenspinner senir plim.

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(Danke, Rainer Bauerdick, dass Du es riskiert hat, das Biest vor die Linse zu kriegen…)

Jedes Mal, wenn mich die Raupen-Dermatitis erwischt, leide ich sehr, doch dann denke ich mir: Es könnte schlimmer kommen. Auf den Seychellen gibt es keine Malaria, kein Gelbfieber, keine Raubtiere. Also alles paradiesisch und sicher. Obwohl…  Raubkatzen gibt es offenbar doch, zumindest eine, meine Schwarze… die tut meist ganz unbeteiligt, schleicht sich scheu auf die Terrasse und labt sich an den Essensresten.

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Doch heute strich sie mir zwar sanft um die Beine, aber danach sprang sie schwups auf den Küchentresen, wo ich einen tiefgefrorenen Fisch auftauen wollte…aber der ist jetzt Geschichte.

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Auf einen Blick:

Die „Viererbande“ gegen Plagegeister – eine Basis-Ausstattung

  • Mücken-Repellent mit DEET (z.B. Anti-Brumm, No Bite, Peaceful Sleep)
  • Salbe gegen Stiche und Juckreiz (z.B. Soventol, Fenistil, Hydro-Cortison)
  • Schmerzmittel (z.B. Ibuprufen und Paracetamol)
  • Anti-Allergikum/Anti-Histaminikum (z.B. Cetirizin, Telfast)

Mit in die Reiseapotheke sollten auch:

  • Große Pflaster, am besten auch die „water proof“-Edition
  • Desinfektionsspray
  • Lokal-Antibiotikum für stark blutende Wunden, z.B. Tyrosur-Puder
  • Mittelchen gegen „Klimaanlagen-Erkältung“ (z.B. Grippostad, Dorithricin etc.)
  • Hilfe gegen Durchfall (z.B. Immodium), aber keine Sorge – das Wasser aus dem Hahn ist trinkbar! Abkochen ist allerdings im Zweifelsfalle für unsere überzivilisierten Mägen besser. Und wenn sich doch mal ein Diarrhoe-Desaster anbahnen sollte, dann liegt es meist an einem scharfen kreolischen Essen, z.B. an einer ordentlichen Portion „piman“ (Chili) oder einem feurigen „kari“ (Curry-Gericht).

Last but not least: Wer Insel-Hopping macht, mit der Fähre „Cat Cocos“ zwischen den Inseln pendelt und schnell seekrank wird, sollte vor allem in den Monaten des Südost-Monsuns (Mitte Mai bis Mitte Oktober) etwas gegen Übelkeit/Reisekrankheit mit dabeihaben.

ACHTUNG: Alle Angaben ohne Gewähr! Keine Haftung für die hier gemachten Empfehlungen, die ausschließlich auf persönliche/individuelle Erfahrungen basieren. Subjektive Unterstützung und Beratungsleistungen wurden erbracht durch Marktapotheke Heiligenstadt.

Irre – die Intendance!

1. September 2017
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Der Sonntagmorgen erhebt sich strahlend über der Insel und macht seinem Namen alle Ehre – ein wahrer Sonnentag! Irgendwie habe ich keine richtige Lust, ans Meer zu fahren, denn fast jede der Buchten wird an den Wochenenden zur Feier-Zone erklärt. Nicht, dass ich keine Lust auf eine schöne Beach Party hätte – nein, das ist es nicht. Manchmal aber möchte ich einfach Wellen und Wasser, Sand und Sonne möglichst ohne Musik, ohne Krakeelen, ohne zu viel Volk und ohne diese ewig kreisenden Flaschen und ihre Folgen genießen. Genießen – genau das ist mein persönliches Zauberwort.

Ich fahre in den Südwesten Mahés. Mein Ziel ist die Anse Intendance. Merkwürdiger Name – denke ich. Aus dem Französischen übersetzt heißt „Intendance“ so viel wie Aufsicht oder Versorgung. Vielleicht, so kommt mir in den Sinn, ist das mit der Bezeichnung ja ähnlich wie bei den Inseln La Digue, Curieuse, Marianne oder Félicité, bei denen Schiffsnamen Pate standen. Durchaus denkbar, dass in der Pionierzeit der Seychellen irgendein Boot für den Nachschub der Seeleute und Siedler verantwortlich war.

An der Straßenmündung zu Les Canelles geht es von der Anse La Mouche an Westküste über Baie Lazare nach Takamaka und dann hinauf nach Quatre Bornes. Bevor in diesem kleinen Dörfchen nach der Polizeistation die Straße über den Hügel wieder hinab an die Ostküste führt, folge ich der Route entlang weiter nach Süden. Unter hohen dunklen Bäumen windet sie sich kurvenreich nach unten, zur Rechten erahne ich das Meer, links klettern die bewaldeten Hügel von „Crocodiles Hill“ nach oben. Hier sollen tatsächlich im 18. Jahrhundert Alligatoren ihr Unwesen getrieben haben… Unter zwei Wellblechdächern blitzen herrliche Früchte hervor, ein kleiner Obststand. Ich mache sofort Halt und kaufe sahnig-süße kerdbef – Ochsenherzen, in Deutschland auch als Netzannone (annona reticulata) bekannt.

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Wie freue ich mich auf meinen Obstteller zum nächsten Frühstück!

 

Früher war es nur ein winziges Sträßchen, das zu einer schönsten Buchten der Seychellen führte. Die „Intendance Road“ war unbefestigt, Schlagloch an Schlagloch reihte sich nebeneinander. Heute ist sie immerhin im oberen Teil gut ausgebaut, denn schließlich muss ja das Nobelhotel „Banyan Tree“ einigermaßen gut erreichbar sein. Damit nicht genug. Bereits im oberen Teil der Straße hat die Zivilisation die Vegetation verdrängt. Hässliche, mehrstöckige Bauten für Arbeiter und Bedienstete des Hotels werden nur dürftig durch lichtes Grün verdeckt, Brackwasser und Pfützen malen ein wenig einladendes Bild. Danach wird der Wald dunkler, fast zugewuchert und längst verfallen ist das einstige, so beliebte Strandrestaurant „Jolie Rose.“ Danach endet endlich die eher (sau)mäßige Buckelpiste, die unter den Strandzedern ans Wasser führt.

Als ich aus dem Auto steige, trifft mich mit voller Wucht das Donnern der Brandung. Immer wieder überrascht mich die Allgewalt der sich brechenden Wellen. Je näher ich mich der weiten, weißen Buch nähere, desto lauter wird das Tosen. Ein Schild warnt vor den Gefahren des Meeres, auch ich habe gehörigen Respekt vor der Unterströmung und verzichte auf ein Bad. Mindestens genauso schön ist eine ausgiebige Strandwanderung.

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Ich habe ein Ziel: Die Bar des „Banyan Tree“-Hotels. Lange habe ich mich geweigert, hier auch nur je einen Fuß hineinzusetzen, war doch die Anse Intendance bis noch vor 10 Jahren unbebaut. Für mich war es ein unverzeihlicher Sündenfall, die unberührte Natur mit einem Hotel zu verschandeln. Mittlerweile habe ich mich arrangiert und weiß auch die Vorzüge einer solchen Location zu schätzen…

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… nämlich hier, auf einer wundervollen Terrasse, hoch über dem Indischen Ozean, bei einem herrlich kalten, wenn auch extrem teuren Seybrew. Doch das bin ich mir wert. Und welcher Platz des Universums wäre besser geeignet, als das urdeutsche Wort „Frühschoppen“ vorm Aussterben zu bewahren? Mein Blick schweift weit über die Wellen, ertrinkt im unendlichen Türkisblau, das heute trotz der Schaumkronen am Ufer friedlich scheint. Wie anders war es doch hier am 2. Weihnachtsfeiertag 2004, als der Tsunami mit ungeahnt zerstörerischer Kraft die Bucht leer fegte und ich „nur“ an eine außergewöhnliche, extreme Ebbe glaubte. – Heute aber nur Harmonie und Frieden. Das Paradies zu meinen Füßen, der Himmel ist zum Greifen nah. Doch das größte Glück liegt im Wasser.

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PS: Danke, Rainer Bauerdick, für die Bilder 3&4 und for sharing the moments with me! http://rainerbauerdick.de

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Adresse: Anse Intendance, Westküste Mahé – im äußersten Südwesten der Insel

Besonderheiten:
Länge: ca. 1 km;je nach Gezeiten teilweise sehr breiter Strand bei Ebbe (bis zu 50 m), schöne, weitgehend steinfreie, aber kurze Flachzone, danach sehr schnell abfallend und tiefes Wasser ohne vorgelagertes Riff, sehr starke Brandung mit hohen Wellen.

ACHTUNG: In den Monaten des Nordwestmonsuns dem Wind ausgesetzt, aber auch während der Monate des Südostmonsun bisweilen rauer Seegang, daher auch sehr starke Strömungen, die extrem gefährlich werden können. Warnhinweis am Ufer in Parkplatznähe beachten.

Auch wenn Baden nur eingeschränkt bis überhaupt nicht möglich ist, bietet die Anse Intendance ein idealtypischer Strand für Sonnenbaden, Picknick, faul im Sand lümmeln und sich von der Gischt bespritzen lassen, für Strandwanderungen, für den perfekten Sonnenuntergang und natürlich für tolle Foto-Shootings aller Art, denn der Strand ist äußerst idyllisch, da gleißend weißer Puderzucker-Sand, außerdem durch sein weit geschwungendes Halbrund mit links und rechts bewaldeten Hügeln und hohem Palmenbestand ist es ein wildromantische Atmosphäre mit extrem intensiven Farben

Erreichbarkeit: vom Norden aus Victoria kommend mit dem Bus Richtung „Quatre Bornes/Takamaka  via Anse Royale“ oder direkt nach einem Bus mit dem Schild „Intendance“Ausschau halten; Fahrtdauer ab Victoria ca. 45 min., Bushaltestelle an der Straße bzw. an der Abzweigung zur Bucht, notfalls fragen.

Unterkünfte: „Banyan Tree“-Hotel – direkt am Strand.

Verpflegung:  in Quatre Bornes ein kleiner Supermarkt, kurz nach dem Dorf Richtung Intendance Obststand (geöffnet je nach Angebot), an der Straßenabzweigung hinunter zum Strand Souvenir-Läden und Snacks. Am Strand selbst eine kleine Strandbar mit Getränken.

Restaurants:  Nur im Hotel “Banyan Tree“ – sehr schön gelegene Terrasse mit sehr teurem Angebot; im ersten Stock Bar mit gehobenem Ambiente und sensationeller Aussicht auf die Bucht.

 

La Digue: Eine Insel steht Kopf!

15. August 2017
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Wenn mich jemand nach den drei besonderen Dingen fragen würde, die es nur auf La Digue gibt und sonst nirgends auf den Seychellen, sähe meine Antwort wie folgt aus:

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  • Der rote Kardinal (fodi madagascariensis) heißt hier taroza – und keiner weiß warum. (Danke, Rainer Bauerdick für Dein Foto!)
  • Es gibt gefühlt mehr Fahrräder als Menschen.
  • Maria Himmelfahrt ist wichtiger als Weihnachten.

Und genau zu dieses lafet sent mari – also zum Fest Maria Himmelfahrt, am 15. August, platzt La Digue aus allen Nähten, weil nicht nur die ladigwa (die Einwohner von La Digue), sondern gleich der halbe Archipel mitfeiert. Der Einfachheit halber nennen es die Inselbewohner einfach lafet La Digue, weil es nur EIN Fest in dieser Dimension auf La Digue gibt! Regelrechte Völkerwanderungen setzen sich von  Praslin und Mahé aus in Marsch. Die Fähren fahren öfter als sonst, Unterkünfte sind auf Monate hin ausgebucht. Wer Verwandte auf La Digue hat, darf sich glücklich schätzen. Hier werden alle Geschwister, Onkel und Tanten und selbstverständlich auch die Cousinen 3. Grades nebst ihren Verwandten untergebracht. Wäre La Digue nicht eine solide Granit-Insel, man müsste glatt befürchten, dass sie ob dieser Überlast einfach untergeht.

Aber warum eigentlich will jeder, aber auch jeder Maria Himmelfahrt – immerhin ein katholisches Hochfest – auf La Digue feiern? Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass die Seychellen mehr als 80 Prozent Katholiken sind. Der zweite wichtige Punkt ist, dass das einzige Kirchlein auf La Digue den Namen „Notre-Dame de l’Assomption“ heißt. Das ist also weit mehr als nur eine Art Kirche „Zu unserer lieben Frau“, es ist die Kirche „St. Maria Himmelfahrt“ und Maria ist ihre Schutzpatronin. Ihr zu Ehren findet dann alljährlich am 15. August eine eindrucksvolle Prozession statt, bei der feierlich eine  Marienstatue zur festlichen Messfeier in die Kirche getragen wird – geschmückt mit Palmwedeln und haufenweise Blumen (hauptsächlich Plastikrosen und Co.), begleitet von der gesamten Inselbevölkerung, alle in Sonntagskleidung herausgeputzt, die Männer in langen Hosen und Hemden, die Frauen in den mondänsten Kleidern, die Kommunionmädchen des aktuellen Jahrgangs wie kleine Bräute ganz in weiß mit vielen Rüschen – andächtig und unglaublich innig.

Das ist aber auch schon der einzige andächtige und unglaublich innige Programmpunkt bei der lafet La Digue, denn der Rest ist eine einzige Party. Und die geht bereits schon am Wochenende vorher los. Ein einziger Tag für so ein wichtiges Fest wäre doch eh viel zu kurz, oder? Überall ist Remmidemmi, überall viele Leute, überall buntes Treiben, selbst an den noch so winzig-witzigen Vergnügungsbuden, die den Charme von nostalgischen Spielen wie Büchsenwerfen und Wurstschnappen längst vergessener Kirmes-Tage haben. Überall schallt Musik – und wenn ich Musik sage, dann meine ich VIEL Musik und LAUTE Musik, vor allem Richtung Jetty und Hafenbar. Warum, so denkt sich wohl hier jeder, soll der Lautstärkeregler auf 9 stehen bleiben, wenn er doch noch drei weitere Stufen hat und sich bis auf 12 drehen lässt? Während es sonst eher beschaulich auf der Insel zugeht und hauptsächlich an der Anse Source de l’Argent ein paar mehr Fress-Buden und Strand-Bistros als sonstwo gibt…

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…finden sich nun überall, vor allem in La Réunion und La Passe im Inselinneren, kleine Stände mit Take-Away-Köstlichkeiten, direkt an der Straße und mehr oder weniger direkt vor der eigenen Haustür. Demzufolge ist das Ganze eine herrlich authentische Streedfood-Parade, bei der es sich lohnt, möglichst viele hausgemachten Spezialitäten zu probieren.

Auch wenn es hoch hergeht, auch wenn viel – ja, viel zu viel getrunken! – um nicht zu sagen gesoffen wird,  auch wenn härtere Dinge im Umlauf sind und leider Polizeipräsenz und Drogenkontrollen zugenommen haben, auch wenn ich sonst kein großer Freund von Menschenaufläufen jeglicher Art bin, auch wenn ich nach dreimaligem Besuch des Festes eigentlich genug davon habe – eines steht fest:

Die lafet sent mari gehört als lafet La Digue zu La Digue wie die wundervollen Granitfelsen in der Anse Source de L’Argent und die Fahrräder. Dieser Rummel ist voller Lebensfreude und hat nichts zu tun mit Oktoberfest-Gegröle oder Ballermann-Plemplem. Es ist traditionelle Lebensfreude, die zu Herzen geht; das Inselglück ist zumindest an diesem Tag ungetrübt.

„Magic Mango“: Tropengold auf dem Teller

1. August 2017
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Einer der wohl exotischsten Früchte ist die Mango: Ihr Geschmack lässt sich nur schwer in Worte fassen – da ist etwas von Pfirsich und Vanille, von Mandel und Sahne und auch irgendetwas wie ein Hauch von Zimt und Nelke. Und dann diese unnachahmlich leuchte Farbe von sonnengelb bis tieforange und diese saftige Süße! Nicht umsonst schmückt sich die Mango gern mit dem Titel „Königin der Exoten“.

Fast zwei Dutzend verschiedene Sorten sind auf den Seychellen bekannt, wie z.B. die mang blan (Weiß-Mango), die mang dodo (die offenbar mit ihrer Form an den Sagenvogel Dodo aus Mauritius erinnert) oder die mang bourbon (die sich mit ihrer leichten Vanille-Note wohl über La Réunion auf den Seychellen eingebürgert hat): Die hohen Bäume mit ihren unzähligen schmalen, schlanken und dunkelgrünen Blättern sind nicht wegzudenken aus den heimischen Gärten, aber sind genauso jenseits der Straße, hinter der Bushaltestelle zu finden oder am zentralen Mülltonnen-Standort zu finden. Gern platzieren sich Gemüsehändler mit ihren Verkaufsständen unter den Mangobäumen, weil sie o schön schattig sind. Und in meiner Nachbarschaft gibt es sogar diverse „Mango-Garagen“ – kleine Kfz-Werkstätten, deren Arbeiter es vorziehen, den Reifen- oder Ölwechsel nicht in praller Sonne machen zu müssen.

Wer mal soeben einen kleinen Hunger verspürt, schnappt sich eine reife Mango vom Baum, die in der Regel zwischen November und März Hochsaison hat. Hängen die Früchte zu hoch, hilft eine Bambus-Stange oder ein langer stabiler Palmwelde. Oder man begibt sich einfach mal kurzerhand in die Baumkrone – kein Problem für die geländegängige Einheimischen. Und erst recht kein Problem für die sousouri – die Flughunde, die auch fruit bats genannt werden, weil ihre Leibspeise zum Beispiel süßes Obst, vor allem Mangos, sind.

Seychellen ohne Mangos – kaum auszudenken! Doch es bahnt sich eine Katastrophe an: Da seit ungefähr zwei Jahren senir plim – der Seidenspinner – die Inseln heimsucht und sich mit Vorliebe in Terrassen- und Mangobäumen einnistet, ist die Lage bedrohlich. Das liegt nicht etwa daran, dass man nicht gewillt ist, gegen die Raupe mit ihren extrem giftigen Härchen vorzugehen. Es ist eher die Art und Weise des „Wie“. Da bislang eingesetzte Pestizide entweder die falschen waren und/oder keine Wirkung zeigten, werden kurzerhand die befallenen Mango-Bäume umgehauen. Die Folgen: ein immenser Ernte-Ausfall von nie da gewesenem Ausmaß. Wenn dann noch zur ungünstigen Zeit zu viel Starkregen die Inseln heimsucht und die Blüten quasi am Stamm verfaulen, dann dezimiert sich die Ernte um ein weiteres Vielfaches.

Zeit also, um innezuhalten und mit Ehrfurcht und Respekt Mangos zu genießen, zum Beispiel als feurig-fruchtiger Mango-Salat:

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Kreolischer Mango-Salat (für ca. 2 Portionen)

 ZUTATEN

 2 Mangos: In der Qualität eher hart bzw. halbreif. Sie dürfen auf keinen Fall weich sein. Bitte vorher mit dem Daumen drücken. Wenn sich das Fruchtfleisch fest anfühlt und nicht eindrücken lässt, dann ist sie genau richtig.

 3 Frühlingszwiebeln

2-4 Limetten (zur Not 1 große Zitrone)

2 Esslöffel Öl

Chili nach Belieben:  entweder eine kleine frische Schote, in hauchdünne Ringe geschnitten, oder etwas „Chili Punch“ bzw. „konfi piman“ (eingelegte Chilis) oder für die weniger Mutigen Tabasco, Chiliflocken oder Sweet&Sour-Chili-Sauce

Salz und Zucker nach Belieben

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ZUBEREITUNG

Beginnen wir mit dem Schwierigsten, den Mangos: Erst die Schale mit dem Sparschäler abschälen, und dann das Fruchtfleisch in dünnen Lagen mit dem Sparschäler abziehen und in Schale geben. Die Mango hat in der Mitte einen Kern, der holzig-faserig ist. Um diesen Kern herum schälen. In dem Moment, wo der Sparschäler auf Widerstand stößt, ist der Kern erreicht. Diesen dann nicht weiter bearbeiten, da er bitter ist.

Die Limetten auspressen und den Saft über die Mangos träufeln, ebenso das Öl

Die Frühlingszwiebeln in dünne Ringe schneiden, darüber streuen

Mit Chili, Salz und Zucker würzen. Alles miteinander vermengen. Der Salat muss vor Marinade richtig „schmatzen“, wenn man ihn durchrührt. Wenn dies noch nicht der Fall ist, dann einfach noch etwas Essig, Öl und Limettensaft dazu geben.

 Alles gut vermengen und ca. 10 Minuten ziehen lassen, bis die Marinade die Farbe des Fruchtfleischs annimmt.

 Der Salat passt perfekt zu gegrilltem Fisch und zu Hühnchen, aber auch zu allen Curry-Gerichten.

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Steckbrief Mango:

100 gr = 57 kcal / 12,5 gr Kohlenhydrate / 0,5 gr Fett / 0,6 gr Eiweiß / 82 gr Wasser

Hoher Gehalt an Vitamin C (37 mg/100 gr.) sowie Folsäure (36µg/100 gr), außerdem überdurchschnittlich hoher Carotin-Gehalt (1300 µg/100 gr).

Der wilde Süden von Mahé: In der Anse Forbans

22. Juli 2017
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Mahé hat weitaus mehr zu bieten als den quirligen Norden mit Beau Vallon und Victoria. Tief im Süden ist die Welt nämlich noch ein Stück heiler, noch ein bisschen paradiesischer. Und ich meine da nicht die Traumstrände von Police Bay, Anse Intendance oder Takamaka. Nein, ganz im äußersten Südosten gibt es ein malerisches Fleckchen Erde, das seinesgleichen sucht. Noch… denn auch hier droht ein großes Neubau-Projekt, seit vor kurzem das Moratorium gefallen ist, das einstweilen großen Hotelbauten einen Riegel vorschob. Es ist also höchste Zeit, diesen zauberhaften Zipfel der Hauptinsel zu erkunden und einen Tag lang die Seele baumeln zu lassen. Das geht ganz einfach, denn zum perfekten Inselglück braucht man eigentlich nicht mehr als glasklares türkises Wasser, einen feinpudrigen Strand und die perfekte Kombination aus Fels, Palmengrün und einem beschützenden Bergmassiv im Rücken.

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Auf geht’s in die Anse Forbans!

Wer aus dem Norden kommt – sei es mit dem Bus oder dem Leihwagen – der merkt sehr schnell, dass es ab der Anse Royale ruhiger wird. Lauschiger sind die kleinen Buchten, mehr Wald kuschelt sich zwischen die Felsen und fließt in Bausch und Bogen hinab in das reinste Blau von Wasser und Himmel. Die Straße schlängelt und windet sich, wird enger und schmaler, passiert kleine Siedlungen von Bougainville und Anse Baleine, wo man versucht ist zu sagen: „Hier ist der Hund begraben“. – Aber der springt munter umher, zusammen mit seinen Freunden.

Nach ca. einer viertel Stunde Fahrt (gerechnet von Anse Royale/Straßenabzweigung Les Canelles) werden plötzlich die Farben intensiver, das Grün undurchdringlicher und das Blau eindringlicher. Es ist so schön hier, so friedlich! Wie muss es erst am Wasser sein?

Der Zugang zum Strand erschließt sich am einfachsten über das „DoubleTree Hilton“-Hotel, das architektonisch – sagen wir es mal ganz vorsichtig – äußerst gewöhnungsbedürftig ist. Es ist eher ein abweisender Klotz als ein luftig-leichtes Tropengebäude. Böse Zungen sprechen gar von einer Bausünde, andere behaupten, es ähnele einem Bunker oder gar Atomkraftwerk. Früher stand hier das bezaubernde Allamanda-Hotel, das den nostalgischen Charme der alten Inselzeit widerspiegelte. Aber wie man auch immer über die unterschiedlichen Baustile denken mag, wichtig ist eigentlich: Dahinter ist der Strand. Der lässt sich auch über die „Anse Forbans Chalets“ erreichen, oder ganz rustikal über einige kleine Trampelpfade, die sich zwischen den vereinzelten anderen privaten Anwesen hindurchschlängeln.

Und dann – endlich angekommen! Ich werde nie vergessen, als ich 1998 das erste Mal an der Anse Forbans stand und halblaut voller Demut sagte: „Mein Gott (und ich meinte Ihn wirklich), Mein Gott – schöner als jede Postkarte“. Und in der Tat: Unser Herrgott muss wohl einen ganz besonders glückliche Minute, ein glückliches Händchen gehabt haben, als er uns die Anse Forbans schenkte…

Nach rechts (also nach Süden) kommt ein weitgeschwungenes weißes Halbrund, das in einem grünen Gürtel endet, der die Anse Forbans von der kleinen, noch einsameren Anse Marie Louise trennt. Ein Fußweg dorthin lohnt sich allemal. Wer mag, kann den auch von der Hauptstraße nehmen: Bevor sie in einer starken Rechtskurve hinauf nach Quatre Bornes und schließlich an die Westküste führt, zweigt auf der linken Straßenseite, jedoch rechts neben bzw. hinter den „Anse Forbans Chalets“ ein kleines Sträßchen ab, das in einem unbefestigten Weg endet.

Doch es lockt erstmal nur das Meer!

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Nach links gewendet (also Richtung Norden) fällt der Blick auf ein mächtiges Granitmassiv mit markanten Steinformationen. Die schönste davon rankt sich rund um den „Birnenfelsen“, so habe ich dieses Arrangement genannt.

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Wenn für irgendeine Bucht das Adjektiv „malerisch“ passt, dann für die Anse Forbans. Doch das ist nur die eine, die vordergründig glänzende Seite der Medaille. Es gibt noch eine zweite, eine dunkle oder besser: eine im Dunkel der Geschichte liegenden Seite. Denn die Anse Forbans hat etwas Geheimnisvolles. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes die „Piratenbucht“, denn „forbans“ heißt »Pirat« auf Altfranzösisch – die Sprache, die damals im 18. Jahrhundert die ersten Siedler und Entdecker der Seychellen sprachen.

Man erzählt sich sogar, dass die Anse Forbans früher sogar mal »Piratenloch« genannt wurde, doch von einem Goldschatz keine Spur. Dafür glitzern Millionen Dia­manten auf den Wasserkämmen. Schwimmen ist hier nicht immer einfach, es gibt viele scharfkantige Steine, doch die bilden bei Flut kleine Badewannen, in denen es sich herrlich vor sich hindümpeln lässt. Vor zu vielen Standgästen wappnet sich die Anse Forbans noch mit einem anderem „Unterwasser-Trick“: Ein Paradies für Seeigel! Doch alles Schlechte hat auch immer etwas Gutes: Nie werde ich vergessen, als die direkten Nachbarn Mike und Tessie Ellinas uns eines Tages „Austern“ servierten. Das waren frisch geöffnete, von Stacheln befreite Seeigel, mit Saft von Limetten und bigarad (Bitter-Orange) beträufelt – himmlisch und besser als jede noch so trendige Sylter Auster.

Doch nichts ist schöner als ein einfaches Strandpicknick, das aus den Sekunden Minuten, aus Minuten Stunden und aus Stunden ganze Tage werden lässt -bis die Nacht auf ihren blauen Schwingen sanft über die Anse Forbans legt und heimlich still und leise der Mond emporsteigt…

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Adresse: Anse Forbans, Ostküste Mahé – im äußersten Südosten der Insel

Besonderheiten:
Länge: ca. 1 km; flaches Wasser,

Äußerst idyllisch, da perfekter Seychellen-Mix aus Palmen, Felsen und Strand. Sensationelle Foto-Motive! – Ideal  zum Faulenzen im Wasser bzw. Chillen im Meer, für Kinder (Badeschuhe wäre sinnvoll!) zum Planschen und für die Aktiveren auch zum Schnorcheln, aber auch bisweilen scharfkantige Steine, bei Ebbe eher etwas zum Strandwandern, Sonnenbaden und Picknicken, da gute natürliche „Schattenspender“ (Palmen, hohe Büsche); problematisch in den Monaten von Juni bis Oktober, da hier genau die Einfallschneise des Südost-Monsuns („vann swet“) liegt; d.h.: starke Winde, Seegras und Wellengang; ACHTUNG: Es kann auch in diesen Monaten zu gefährlichen Strömungen kommen, bitte vorsichtig sein und im Zweifel nicht hinausschwimmen!

Erreichbarkeit: vom Norden aus Victoria kommend mit dem Bus Richtung „Quatre Bornes/Takamaka via Anse Royale“; Fahrtdauer ca. 45 min aus dem Süden bzw. Südwesten z.B. von Takamaka aus kommend mit Bussen in ca. 20 min.,  einige Bushaltestellen direkt in der Bucht, z.B. fast unmittelbar am „Double Tree Hilton“-Hotel.

Unterkünfte: „Double Tree Hilton“-Hotel und „Anse Forbans Chalets“ – beides direkt am Strand, nördlich bzw. „am Eingang“ der Anse Forbans noch „Demeure de Cap Macon“, „Anse Forbans Beach House“ und jenseits der Straße „Captain‘ Villa“.

Verpflegung: kleinere Inder-Läden, Sortiment je nach Jahres/Tageszeiten, oftmals sind „samosas“ im Angebot, kleine Teigtaschen, die sich perfekt zu einem Beach-Picknick eignen. Nächster größerer „Supermarkt“ in Quatre Bornes (ca. 2 km über den Berg Richtung Westküste).

Restaurants: Im Hotel “Double Tree Hilton”, außerdem zwischen Anse Royale und Anse Forbans liegt “Surfer’s”, ein kleines Beach-Bistro direkt am Meer mit „Füßen im Sand“ – ein wunderschöner Platz wie aus dem Katalog!

Das Geheimnis der Raffia-Nuss

15. Juli 2017
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Wer über die Seychellen und ihre Naturwunder spricht, der spricht als allererstes über die sagenumwobene Riesen-Nuss, die Coco-de-Mer. Als zweites erinnert er sich bestimmt an die leckere Kokosnuss, entweder direkt vom Baum, mit der Machete aufgeschlagen und als herrlich tropisches Getränk serviert oder aber als Milch, die zahlreiche Curry-Gerichte verfeinern darf. Da ich aber schon immer leidenschaftlich gern „Das Märchen von den drei goldenen Nüssen“ angeschaut habe, kommt nun die dritte Zaubernuss, die sogar in meinem Garten auf Mahé wächst. – Hier ihre Geschichte, hier ihr Geheimnis:

In den unberührten Tropenwäldern Madagaskars und auf den Inseln des Indischen Ozeans wächst eine seltene Palme. – die Raffia-Palme (Raphia). Obwohl nicht allzuviel über ihre Gattung und ihre ca. 20 Arten bekannt ist, weiß man aber eines: Sie hat die wohl längsten Blätter der Welt. Bis zu acht­zehn Meter lang können die dunkelgrünen gefieder­ten Wedel werden, die aus einem kurzen rot­braunen Stamm in die Luft ragen. Ihre Blattgründe und Blattstiele, aus denen die Einheimischen Rollos zu basteln wissen, sind ocker bis orange gefärbt: In Verbindung mit den steif ansteigenden Blättern bietet sie einen unvergeßlichen, wirren und geheimnisvollen Anblick.

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Den Kopf in der Sonne, die Füße im Wasser: So hat es die Raffia gern. Nicht leicht ist es aber für sie, in unwirtlichen Felsen oder heißen Tropengebieten einen schattiges feuchtes Plätzchen mit gleichzeitig hellem Ausguck zu finden – ihr bevorzugter Stand­ort. Doch auf den paradiesischen Seychellen gibt es ein paar Flecken, wo fast ideale Bedingungen herrschen. Hin und wieder plätschern kleine Bäche durch die Granitberge, an dessen sumpfigen Ufern sich die Raffia ansiedelt. – Genau so ein Bach umzingelt und überquert unser Grundstück hoch oben an den Berghängen der Anse Louis.

Acht bis zehn Jahre braucht die Raffia-Palme, bis sie Nüsse trägt. Zwischen den Blattstielen schieben sich dann langsam mehrere Meter lange, dunkel­braune Samenstränge hervor. Sie sehen aus wie riesige gewundene Seile und Taue oder wie dicke geflochtene Bastzöpfe. Manche haben einen Durch­messer von bis zu 30 cm und fallen fast bis auf den Boden herab. Scheinbar regungslos hängen sie in dieser Form mehrere Monate, bis sich dann endlich an manchen Stellen die Stränge öffnen. Unter ei­nem schützen­den bastähnlichen Geflecht kommen kleine Zweig­hände zum Vorschein. Wie Mini-Besen sehen sie zunächst aus.

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Nach wiederum mehreren Monaten sind allmählich die Ansätze von winzigen Knoten zu sehen. Aber erst nach zwei Jahren fallen diese als dunkle Kugeln zur Erde.

Keimfähige Samen sind extrem selten. Wenn sie dann aber ihren kleinen Spross durch die mittlerweile fast verrottete Schale ausstecken konnten und an einer geeigneten Stelle Fuß gefaßt haben, dann wachsen sie extrem schnell. Nur: Umsetzen lassen sich die Jungpflanzen nicht. Bietet man ihnen einen anderen Ort an, gehen sie innerhalb weniger Wochen ein.

Da die Palmen in einem meist schwer zugänglichen Gelände stehen, ist es mit großen Schwierigkeiten verbunden, diese Samen zu sammeln. Gelingt es aber dennoch, heißt es Geduld haben. Die herab­gefallenen Samen selbst sind auf dem modrigen Tropenboden kaum zu erkennen. Wenn sie aber von den dünnen, sie festumschließenden Pflanzen­fasern befreit sind, sieht das Äußere der Schale aus wie ein ebenmäßig geschlossener Tannenzapfen – nur glatter und wie mit einem Hochglanzmittel perfekt poliert. Erst nach mehreren Wochen Trock­nungsprozeß können sie geöffnet werden. Unter der Zapfenhaut verbirgt sich zunächst eine völlig unscheinbare, aber steinharte Nuß. Schmutzig sieht sie aus, unattraktiv und langweilig. Nur mit zäher Ausdauer und einigem Schleifmitteleinsatz läßt sie sich von ihrem häßlichen Schutzmantel befreien.

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Dann aber – aber nur mit dem richtigen Know-how und Werkzeug – gelingt die Verwandlung.

Aus dem steinernen Kern wird eine Nuß von unglaublicher Anmut – ein Handschmeichler mit mattem Glanz und einer Maserung, die einer perfekten Mischung aus Elfenbein und Wurzelholz gleich.

Für die Kreolen – die Einheimischen der Inseln im Indischen Ozen – hatten diese Nüsse Zauberkraft; man erzählt sich noch heute, daß eine pulverisierte Nuß im Tee zu magischen Kräften führt. Im Alltag dienten die Raffia-Nüsse einer anderen ganz praktischen Angelegenheit: Sie konnten in Scheiben gesägt werden, um daraus Knöpfe herzustellen.

Die Kolonialherren des 18. Jahrhunderts aber er­kannten den wahren Wert dieser seltenen Tropen­schönheit und brachten die Nüsse z.B. an den fran­zösischen Hof. Dort wurden sie in Wunderkammern oder Vitrinen zur Schau gestellt – mehr als 3.000,– Euro hat jüngst ein solches Exponat im Auktions­haus Christie’s gebracht…

Seychellisches Super-Food: Moringa

1. Juni 2017
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Wenn Patsy von der Schule nach Hause kommt, dann ist sie erschöpft. Als Lehrerin hat sie alle Hände voll zu tun, und wer einmal die quirligen seychellischen Kinder kennengelernt hat, der weiß, wie kräftezehrend es ist, sie zu bändigen.

Nachdem Patsy ihren Feierabend mit einer Tasse Tee eingeläutet hat, kehren ihre Lebensgeister wieder zurück und sie beginnt, das Abendessen zu planen. Steven, ihr Mann, der als Holzfäller Schwerstarbeit leistet, ist auch soeben nach Hause gekommen und ist mit ihr einer Meinung: Es muss etwas auf den Tisch, das die verbrauchten Energien zurück bringt. Schnell einigen sich beide. Heute Abend gibt es zur Stärkung bouyon bred: den klassischen seychellischen Suppeneintopf mit Brühe, Fisch und eben diesem bred – was aber nichts mit dem englischen bread oder Brot zu tun hat, sondern ein Sammelbegriff für junges Grünzeug ist. Sämtliche Sprossen, Triebe, Schösslinge finden sich darunter wieder, egal ob Kohl, Spinat oder Kürbisranken. Doch heute soll nichts von alledem das Schöpfgericht anreichern. Heute kommt etwas ganz besonderes und traditionsreiches auf den Tisch: Moringa, das auf den Seychellen bred mouroung heißt oder auch als bred ti fey bekannt ist, weil das Gewächs mit ganz kleinen, zarten Blättchen (petites feuilles) punktet.

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In unserem Breiten kennen wir dieses eigenartige, scharf riechende Gewächs nicht, aber vor allem von Indien bis Afrika ist diese zähe, widerstandsfähige Pflanze weitverbreitet. Auf den Seychellen schwören die Einheimischen schwören auf die reinigenden und Energie spendenden Kräfte des Baumes. In den USA gibt es längst einen Hype um Moringa, wo das Nährstoffwunder in Pulver und Kapseln gefeiert wird. Denn es soll nicht nur ein Power-Food, sondern auch ein Schlankmacher sein. In Deutschland ist Moringa erst langsam im Kommen, dennoch: Es wird Zeit, dass wir der Sache auf den Grund gehen. Die Seychellen sind der richtige Platz dafür.

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet bred ti fey ein Top-Spieler in der Protein-Liga ist? Moringa liefert hochwertiges pflanzliches Eiweiß und ist somit besonders bei Vegetariern und Veganern ein Objekt der Begierde. Bis zu einem Drittel bestehen die Blättchen aus Eiweiß! Besonders pikant – der Geschmack Nicht umsonst heißt der Moringabaum auch Meerettichbaum. Er ist nämlich ein echter Scharfmacher, denn in ihm steckt eine ordentliche Ration an Senfölen. Diese bittere Wahrheit ist keine schlechte, sondern eine gute Nachricht für alle, die auf ihr Gewicht achten. Bitterstoffe sind natürliche Appetitzügler, regen die Verdauung an und heizen dem Fettstoffwechsel ein. Außerdem ist Moringa ein Füllhorn an Fettsäuren vom Feinsten! Unser seychellischer Wunderbaum ist nämlich eine Tankstelle für Hochleistungstreibstoff: Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Wer jetzt denkt: „Igitt, Fett! Das macht doch erst recht dick!“, der liegt völlig falsch. Denn die besagten Fettsäuren sind gute Fette – wichtige Helfer für eine schlanke Linie, für einen fitten Körper und für mehr Energie! Und genau darauf setzen Patsy und Steven, wenn sie sich heute bred ti fey zubereiten.

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Das Beste an bred ti fey ist: jeder auf den Seychellen hat einen kleinen Busch davon oder gar einen ausgewachsenen Baum in seiner Nähe stehen – entweder im eigenen Garten oder als Begrenzung zum Nachbarn; entweder als Hecke rund ums Haus oder einfach an der nächsten Straßenkreuzung. Während Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer erst in Öl angebraten wurden und dann in Brühe weichdünsten dürfen, während nebenher ein schönes Filet vom karang-Fisch in der Pfanne brutzelt, eilt Steven nach draußen und bricht sich im hereinbrechenden Dunkel der Nacht flugs drei, vier Äste vom Baum, der seine Hofeinfahrt ziert. Zugegeben, es ist schon etwas mühselig, die kleinen Blättchen von den Zweigen abzuzupfen, aber es lohnt sich! Ansonsten gibt es einen seychellischen Hausfrauentrick, der viel Arbeit und Zeit spart: Frisch gepflücktes bred ti fey in eine große Plastiktüte stecken und ab damit ins Gefrierfach! Wann immer dann die Blättchen gebraucht werden, Beutel wieder rausnehmen und einfach kurz schütteln. Die tiefgefrorenen Blättchen fallen dann ratzfatz ab.

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Mittlerweile ist es stockdunkel, aber in der Küche von Patsy und Steven strahlt ein warmes Licht und erst recht strahlen ihre Gesichter! Ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit und Harmonie durchflutet den Raum. Es duftet hinreißend nach knusprigem Fisch, nach Suppe, die mit der Welt versöhnt und nach bred ti fey, würzig und deftig! Auf dem Tisch steht bereits zusätzlich ein großer Topf mit dampfendem Reis, daneben eisgekühltes Seybrew – ach, wie gut tut der erste Schluck Bier! Gleich gibt es Abendessen, so herrlich einfach, so lecker und so gesund – genauso schmecken die Seychellen!

* * *

bouyon bred ti fey (für ca. 2 Portionen)

300 g karang-Fischfilet, falls nicht vorhanden: irgendein anderer filetierter Fisch

500 g bred ti fey (gezupfte Blätter), falls nicht vorhanden: Pak-Choi-Chinakohl, geputzt und in feine Streifen geschnitten, zur Not frischer Blattspinat oder Mangold

2 Knoblauchzehen, fein gehackt

1 Zwiebel, fein gehackt

1 Stück Ingwer, ½ Daumen groß, fein gehackt

¾ Liter Gemüse- oder Hühnerbrühe (wer es ganz besonders deftig mag, nimmt Fischfond)

Öl und Salz

* * *

Fischfilet in etwas Öl kurz und scharf in einer Pfanne anbraten, salzen, vom Feuer nehmen und ruhen lassen. In einem größeren Topf Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer in etwas Öl glasig dünsten. Dann Gemüse (bred  oder andere Spinat- oder Kohl­sorte) hinzufügen, umrühren, ziehen lassen. Anschließend gebratenes Fischfilet oben auflegen, nicht mehr um­rühren und mit Brühe aufgießen. Deckel daraufgeben und ca. 10 bis 15 Minuten ziehen lassen.

* * *

Wichtig: Als Beilage unbedingt Reis servieren,
denn auf den Seychellen gilt:  Ein Essen ohne Reis ist kein richtiges Essen!

 

 

 

Er ist wieder da – der „vannswet“, der Südost-Monsun!

14. Mai 2017
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Zunächst habe ich ihn kaum bemerkt. Das war vor wenigen Tagen, als wir Vollmond hatten. Plötzlich strich nachts ein kühles Lüftchen durchs Haus, aber nicht wie sonst, durch unser Fenster mit Meerblick, das nach Westen hinaus zeigt. Sondern durch die Tür, die sich nach Osten hin zum Tropenwald öffnet. Aaah, wie gut das tut. Wie frisch, wie erfrischend! Der Windhauch war zwar nur von kurzer Dauer, doch das wird jetzt öfter passieren. Der vannswet, wie der Südost-Monsun auf Kreolisch heißt, klopft an. Zunächst ganz sachte, leise. Dann immer häufiger, lauter. Und schließlich wird er, so weiß ich schon jetzt in dieser ersten Hälfte im Mai, in den nächsten drei, vier Monats stetig und stark die Inseln belüften.

In die hitzegeschwängerte Luft schleichen sich zunehmend Wellen aus Kaltluft ein. Kaltluft? Auf den Seychellen? Aber ja doch! Fast kommt es mir so vor, als hätte jemand im hintersten Winkel der Welt eine Tür zu einem Kühlhaus kurz auf- und dann schnell wieder zu­ge­macht. Mit diesem leisen Wind kommt nicht selten ein feiner leichter Regenschleier wie aus einem Zerstäuber. Den vielerorts immer noch zu lesenden Wetterbeschreibungen, dass wir uns jetzt angeblich in der Trockenzeit befinden, kann ich immer weniger Glauben schenken. Klar, es regnet nicht mehr so heftig und durchdringend wie in anderen Monaten, aber nicht selten sind tief hängende Wolken und Nieselregen unsere ständigen Begleiter in Zeiten des vannswet.

Das ist aber nicht der einzige Nachteil des Südost-Monsuns. Es gibt noch mehr missliche Umstände als das Dauergrau, nämlich Seegras an den Stränden und hohe Wellen auf dem Wasser. Die machen nicht nur seekrank, wenn man mit der Fähre Cat Coco zwischen Mahé und Praslin pendenlt, den Urlaubern das Baden schwer, das Schnorcheln bei schlechter Unterwassersicht fast unmöglich, sondern sie hemmen auch die Aktivitäten der Fischer. Während es sonst Fisch im Übermaß gibt, in großer Auswahl und kostengünstig obendrein…

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(Bei Rassoul in der Anse La Mouche)

…wird es nun immer schwieriger, bei schwerer See auszulaufen und Fischfang in üblichem Umfang zu betreiben. Die Folgen sind kapital: Die Preise für Fisch steigen und das Angebot schrumpft – Woche für Woche. Zeit, seinen Speiseplan umzustellen. Da niemand gern auf Fisch verzichten möchte, gibt es eine gewöhnungsbedüftige Alternative: pwason sale – gesalzener Fisch, dessen Geruch – sagen wir es ruhig vorsichtig: alles andere als frisch ist. Die halbierten Fischleiber wurden in den Monaten des Nordwest-Monsuns (zwischen Okt./Nov. und April/Mai) von allen Seiten gepökelt und dann auf Drahtmatten in der Sonne zum Trocknen ausgelegt.

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Lecker geht anders… sage ich, aber die Einheimischen schwören darauf und machen sich daraus ein deftiges kari – ein Curry-Schöpfgericht.

Ja – der  vannswet  ist schon etwas Besonderes. Erst sehnt ihn sich jeder nach der großen Hitze rund um Ostern herbei, dann geht er schon nach den ersten zwei, drei Wochen gehörig auf die Nerven. Mir jedenfalls. Und schon heute freue ich mich wieder auf seinen Abschied, doch da muss ich noch ein Weilchen – mindestens bis Mitte Oktober –  geduldig warten…

Sonntags am Strand, oder: Irgendwer hat immer Geburtstag

7. Mai 2017
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Endlich Wochenende. Endlich Sonntag. Sonntag wäre eigentlich ideal, um den ganzen Tag am Strand abzuhängen. Eigentlich… denn so wie ich denken wohl auch die restlichen 90.000 Seychellois und beginnen bereits zu früher Stunde mit einer verbesserten Handtuch-Liegen-Reservierungstaktik. Statt einfach nur mit Strandmatten wertvollen Platz am Wasser zu sichern, bringen sie gleich ganze Gartenmöbelgarnituren mit, die sie geschickt platzieren, um wertvolles Terrain zu sichern. Das reicht nicht aus, das Motto heißt: Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Uns so baumeln überall in luftiger Höhe zwischen den Palmen mehr oder weniger tiefhängende Leinen, die einem beim unachtsamen Strand-Begehen auch schon mal die Kehle durchtrennen können, wenn… wenn ja wenn nicht x Luftballons mit grellen Farben und Zahlen dort im Wind spielen. Daneben flattern neonfarbene Spruchbänder oder auch einfach nur Glitzer-Glitter-Buchstaben, die beim näheren Hinsehen „Happy Birthday“ bedeuten können. Ein p zu wenig macht uns nicht weniger glücklich und an dem falsch herum aufgehängten Ypsilon hängt sich keiner auf, bzw. daran stört sich kein Mensch.

Um halb elf die nächste Aktivitäten-Salve: Alte, aufgeschlitzte Fässer werden herbeigeschleppt. Damit nicht genug. Mehr oder weniger starke Halbstarke wuchten riesige Säcke herum, die hier auf der Insel gunnybag genannt werden. Darin ist Eis. Mir ist völlig schleierhaft, wer unter welchen Umständen auf einen Schlag so viele Eiswürfel produzieren kann, sodass sich diese alten Fässer wie von Zauberhand damit füllen. Und um elf kommen dann auch eindeutig zweideutige Getränke in diese Eissärge hinein. Bier wäre harmlos, meist sind es hochprozentige Gesöffe wie Rum oder Calou oder Bacca.

Soweit so gut!

Doch dann – gegen halb zwölf – wird es noch eine Stufe ernster: Unter den Happy-Birthday-Buchstaben schnarrt es merkwürdig. Nein, es sind nicht die trouloulou – die Strandkrebse – die sich brummend ein Loch in den weißen Sand buddeln. Es sind Notstromaggregate, die allmählich ihre Arbeit aufnehmen, um dann pünktlich zum Mittagessen die Beschallung aus kühlschrankgroßen Lautsprecherboxen vorzunehmen. Wäre alles gar nicht so schlimm, gäbe es nicht zwei Probleme – GRAVIERENDE Probleme: 1) Alle am Strand anwesenden Festgemeinden – und davon gibt es mittlerweile vier – haben ihre eigenen Musik-Präferenzen. Aus der einen Ecke dudeln karibische Reggae-Rhythmen, aus der anderen kommen vertraute Sega-Tänze, in der Mitte prasseln Country-Melodien auf uns ein und dazwischen – irgendwo dazwischen – knallt aggressiver Afro-Rap aus den Büschen.

Spätestens jetzt wäre ich schon längst geflüchtet, wäre da nicht dieser hinreißende Duft nach gegrilltem Fisch. Ich gehe auf die Pirsch und entdecke einen Feuerstelle, die mit einer alten Waschmaschinen-Trommel upgegradet wurde. Sie dient nun als Grill für Makrelen. Das unbeschreibliche Aroma macht mich fast ohnmächtig…

Doch dann plötzlich Geschreie, Gezeter, Gebrüll – zwei Party-Gemeinden liegen miteinander im Clinch und schreien sich mächtig an. Flaschen (leer oder voll? Ich hoffe leer… erst Seybrew, dann Takamaka-Rum), die vorher nur mehr oder weniger züchtig in der Runde gekreist sind, fliegen jetzt im hohen Bogen. Die Lutballons zerplatzen. Zwei Geburtstagsparties geraten völlig aus dem Ruder. Das sieht nicht gut aus… gar nicht gut. Spätestens jetzt suche ich das Weite.

PS: Auch ich habe heute Geburtstag – ich bleibe lieber auf der Terrasse und bin froh, dass wir den indischen Bautrupp da unten an der Biegung der Straße überzeugen konnten, ausnahmsweise heute mal nicht mit dem Presslufthammer die Felsenarbeiten fortzusetzen. Himmlische Stille. Der Regen ist meine Musik. Mir geht es gut.

Allergie-Alarm: Seidenspinner auf dem Vormarsch!

1. Mai 2017
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Hier kommt ein Update zum leidigen Thema „Seidenspinner-Plage“. Auch wenn es vor ca. einem viertel Jahr den Anschein hatte, dass sich die Seidenspinner-Raupen allmählich verflüchtigen würden, sind sie nun heftiger denn je zugange. Die Viecher heißen „senir plim“ auf kreolisch – aber ich schreibe sie stets „senil plim“, weil ich nicht verstehe, wie sich in das ursprüngliche französische „chenille“ ein „r“ einschleichen konnte – aber das nur am Rande. Auf den Seychellen sind sie auch in ihrer englischen Version „hairy caterpillar“ (haarige Raupe) bekannt.

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Tatsache ist, dass die eigentlich recht possierlichen Raupen sich abermals sprunghaft vermehrten und (vor allem auf  den größeren Inseln wie Mahé, Praslin oder La Digue) ihre stechenden Härchen hinterlassen – egal, ob sie noch leben oder schon längst tot sind. Der Wind reicht aus, um die einzelnen, hauchdünnen, seidigen Flusen in alle Himmelsrichtungen zu tragen.

Ich selbst leide fürchterlich unter allergischen Schüben, die vom aggressiven Giftstoff der Härchen ausgelöst werden. Schrecklicher Hautausschlag mit seinem kontinuierlichen Juckreiz bringt mich fast um: Entweder es sind einzelne großflächige rote Placken, die vor allem an den weichen Hautteilen auftreten (z.B. Innenseite der Oberschenkel, innere Unterarme, Popo) oder es sind zahlreiche kleine Pusteln mit nässenden Kratern (z.B. hinterm Ohr, Haaransatz, im Nacken, ja sogar an Händen und Füßen). So friste ich mein Dasein als trauriges, pickeliges Warzenschwein.

Was war also in den letzten Wochen passiert? Da die Seidenspinner-Raupen hohe Bäume mit großen, dichten Blättern zum Fressen gern haben, hatten sie sich meist Mango, bodanymen (Terrassenbäume bzw. Strandmandeln) oder auch Hibiskus-Büsche ausgesucht. Und da diverse Giftspray-Aktionen seitens der seychellischen Behörden nur teilweise nutzten, sich aber die Raupen weiter in diesen Pflanzen niederließen, legten die Bewohner schließlich selbst Hand an und schlugen die Bäume und Büsche in Windeseile kurz und klein. Die Seidenspinner-Raupen sind dann schließlich auch nicht ganz blöd: Diejenigen, die den Kahlschlag und die Giftattacken überlebt haben, gingen gestärkt und resistent aus dem Ausrottungsversuch hervor und suchten sich kurzerhand neue Pflanzen, in denen sie nun ihr Unwesen treiben und sich natürlich auch wieder vermehren. Besser denn je…

In der Bevölkerung macht sich Murren und Klagen breit, und zwar so, dass selbst ich es hören kann. Man rät mir, dass auch ich meinen geliebten Terrassenbaum umlege, aber ich denke nicht dran. Klar – ich leide unter der Seidenspinner-Allergie, aber ich weiß auch, dass Bäumefällen nun wirklich nichts bringt. Was aber würde helfen?

Wehret den Anfängen! Verwehrt den Raupen, auf den Seychellen Fuß zu fassen, denn bis vor zwei Jahren waren sie doch gar nicht hier!!! Generell hilft gewiss das bisherige Verbot, Pflanzen bzw. pflanzliche/tierische Produkte auf den Seychellen einzuführen. Aber wie sieht das in der Praxis aus?

Beispiel 1: Jüngst in der Condor-Maschine von Deutschland auf die Seychellen … ordnungsgemäß wurde die Kabine vom deutschen Personal ausgesprüht. Der Health Officer, der nach Landung auf dem Internationalen Flughafen von Mahé an Bord kam, meinte jedoch: Dieses Spray würde nix nützen, und so wurde nochmals gesprüht. Mit einem vermeintlich besseren… (so wollen wir wenigstens hoffen, doch eine Frage bleibt offen: War das deutsche bzw. europäische Spray wirklich für umsonst?!?!)

Beispiel 2: Die nächste Maschine von Dubai kommend wurde überhaupt nicht ausgesprüht. Zeugen gibt es zahlreiche.

Beispiel 3: Die Cargo-Ladungen, bestehend aus großen Holzkisten und anderen Verpackungen wurden zwar kontrolliert, aber… wurden dort auch die Eier-Gelege gefunden, die der kleine clevere Seidenspinner hier abgelegt hatte?

Böse Zungen behaupten, dass diverse Insektenplagen über Importe ins Land kämen, die nichts mit den Passagiermaschinen zu tun hätten, sondern mit eingeführten Pflanzen oder Möbeln oder Baustoffen, die einfach ohne unzureichende Kontrollen ihren Weg auf die Inseln fänden. Ich bin weit davon entfernt, irgendjemand für das Desaster verantwortlich zu machen – aber ich bin tief betroffen, wenn die kleinen Kliniken in den einzelnen Buchten nicht mehr Herr der Lage sind, oder wenn mich verzweifelte Mütter anschreiben, die nicht wissen, welche Medizin sie ihren Kindern verabreichen sollen, wenn diese an einer Seidenspinner-Allergie leiden. Zumal dann zumeist die Apotheken geschlossen haben oder es kaum irgendwo anders Hilfe gibt.

Fazit: Spreche ich für mich selbst, so schaffe ich es irgendwie, mit der Allergie klar zu kommen, auch wenn mich immer wieder mal Fieberschübe und Schüttelfrost quälen – aber was juckt mich angesichts dieser wunderbaren Natur, dieser Harmonie zwischen Meer, Palmen und Felsen diese kleine, blöde haarige Raupe, oder?

Doch etwas treibt mich um: Was machen all die anderen, die viel Geld ausgeben, um hier auf den Seychellen einen Traumurlaub zu verbringen? Denen rate ich, auf keinen Fall sich die Haare zu raufen (das machen schon die Seidenspinner mit ihrem haarigen Pelz), sondern sie sind gut beraten, sich daheim mit Arzt und Apotheker abzusprechen. Ein paar Mittelchen gibt es, die weiterhelfen – sei es ein wirksames Anti-Histaminikum, Hydro-Cortison-Salbe oder sogar Cortison nach Anweisung. Klar, dass ich hier nur Hinweise aus eigener Erfahrung geben kann und keine Haftung übernehmen kann. Aber irgendeinen Ausweg gibt es immer – und verzweifeln muss keiner.