Tag: Anse Intendance

Irre – die Intendance!

1. September 2017

Der Sonntagmorgen erhebt sich strahlend über der Insel und macht seinem Namen alle Ehre – ein wahrer Sonnentag! Irgendwie habe ich keine richtige Lust, ans Meer zu fahren, denn fast jede der Buchten wird an den Wochenenden zur Feier-Zone erklärt. Nicht, dass ich keine Lust auf eine schöne Beach Party hätte – nein, das ist es nicht. Manchmal aber möchte ich einfach Wellen und Wasser, Sand und Sonne möglichst ohne Musik, ohne Krakeelen, ohne zu viel Volk und ohne diese ewig kreisenden Flaschen und ihre Folgen genießen. Genießen – genau das ist mein persönliches Zauberwort.

Ich fahre in den Südwesten Mahés. Mein Ziel ist die Anse Intendance. Merkwürdiger Name – denke ich. Aus dem Französischen übersetzt heißt „Intendance“ so viel wie Aufsicht oder Versorgung. Vielleicht, so kommt mir in den Sinn, ist das mit der Bezeichnung ja ähnlich wie bei den Inseln La Digue, Curieuse, Marianne oder Félicité, bei denen Schiffsnamen Pate standen. Durchaus denkbar, dass in der Pionierzeit der Seychellen irgendein Boot für den Nachschub der Seeleute und Siedler verantwortlich war.

An der Straßenmündung zu Les Canelles geht es von der Anse La Mouche an Westküste über Baie Lazare nach Takamaka und dann hinauf nach Quatre Bornes. Bevor in diesem kleinen Dörfchen nach der Polizeistation die Straße über den Hügel wieder hinab an die Ostküste führt, folge ich der Route entlang weiter nach Süden. Unter hohen dunklen Bäumen windet sie sich kurvenreich nach unten, zur Rechten erahne ich das Meer, links klettern die bewaldeten Hügel von „Crocodiles Hill“ nach oben. Hier sollen tatsächlich im 18. Jahrhundert Alligatoren ihr Unwesen getrieben haben… Unter zwei Wellblechdächern blitzen herrliche Früchte hervor, ein kleiner Obststand. Ich mache sofort Halt und kaufe sahnig-süße kerdbef – Ochsenherzen, in Deutschland auch als Netzannone (annona reticulata) bekannt.

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Wie freue ich mich auf meinen Obstteller zum nächsten Frühstück!

 

Früher war es nur ein winziges Sträßchen, das zu einer schönsten Buchten der Seychellen führte. Die „Intendance Road“ war unbefestigt, Schlagloch an Schlagloch reihte sich nebeneinander. Heute ist sie immerhin im oberen Teil gut ausgebaut, denn schließlich muss ja das Nobelhotel „Banyan Tree“ einigermaßen gut erreichbar sein. Damit nicht genug. Bereits im oberen Teil der Straße hat die Zivilisation die Vegetation verdrängt. Hässliche, mehrstöckige Bauten für Arbeiter und Bedienstete des Hotels werden nur dürftig durch lichtes Grün verdeckt, Brackwasser und Pfützen malen ein wenig einladendes Bild. Danach wird der Wald dunkler, fast zugewuchert und längst verfallen ist das einstige, so beliebte Strandrestaurant „Jolie Rose.“ Danach endet endlich die eher (sau)mäßige Buckelpiste, die unter den Strandzedern ans Wasser führt.

Als ich aus dem Auto steige, trifft mich mit voller Wucht das Donnern der Brandung. Immer wieder überrascht mich die Allgewalt der sich brechenden Wellen. Je näher ich mich der weiten, weißen Buch nähere, desto lauter wird das Tosen. Ein Schild warnt vor den Gefahren des Meeres, auch ich habe gehörigen Respekt vor der Unterströmung und verzichte auf ein Bad. Mindestens genauso schön ist eine ausgiebige Strandwanderung.

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Ich habe ein Ziel: Die Bar des „Banyan Tree“-Hotels. Lange habe ich mich geweigert, hier auch nur je einen Fuß hineinzusetzen, war doch die Anse Intendance bis noch vor 10 Jahren unbebaut. Für mich war es ein unverzeihlicher Sündenfall, die unberührte Natur mit einem Hotel zu verschandeln. Mittlerweile habe ich mich arrangiert und weiß auch die Vorzüge einer solchen Location zu schätzen…

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… nämlich hier, auf einer wundervollen Terrasse, hoch über dem Indischen Ozean, bei einem herrlich kalten, wenn auch extrem teuren Seybrew. Doch das bin ich mir wert. Und welcher Platz des Universums wäre besser geeignet, als das urdeutsche Wort „Frühschoppen“ vorm Aussterben zu bewahren? Mein Blick schweift weit über die Wellen, ertrinkt im unendlichen Türkisblau, das heute trotz der Schaumkronen am Ufer friedlich scheint. Wie anders war es doch hier am 2. Weihnachtsfeiertag 2004, als der Tsunami mit ungeahnt zerstörerischer Kraft die Bucht leer fegte und ich „nur“ an eine außergewöhnliche, extreme Ebbe glaubte. – Heute aber nur Harmonie und Frieden. Das Paradies zu meinen Füßen, der Himmel ist zum Greifen nah. Doch das größte Glück liegt im Wasser.

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PS: Danke, Rainer Bauerdick, für die Bilder 3&4 und for sharing the moments with me! http://rainerbauerdick.de

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Adresse: Anse Intendance, Westküste Mahé – im äußersten Südwesten der Insel

Besonderheiten:
Länge: ca. 1 km;je nach Gezeiten teilweise sehr breiter Strand bei Ebbe (bis zu 50 m), schöne, weitgehend steinfreie, aber kurze Flachzone, danach sehr schnell abfallend und tiefes Wasser ohne vorgelagertes Riff, sehr starke Brandung mit hohen Wellen.

ACHTUNG: In den Monaten des Nordwestmonsuns dem Wind ausgesetzt, aber auch während der Monate des Südostmonsun bisweilen rauer Seegang, daher auch sehr starke Strömungen, die extrem gefährlich werden können. Warnhinweis am Ufer in Parkplatznähe beachten.

Auch wenn Baden nur eingeschränkt bis überhaupt nicht möglich ist, bietet die Anse Intendance ein idealtypischer Strand für Sonnenbaden, Picknick, faul im Sand lümmeln und sich von der Gischt bespritzen lassen, für Strandwanderungen, für den perfekten Sonnenuntergang und natürlich für tolle Foto-Shootings aller Art, denn der Strand ist äußerst idyllisch, da gleißend weißer Puderzucker-Sand, außerdem durch sein weit geschwungendes Halbrund mit links und rechts bewaldeten Hügeln und hohem Palmenbestand ist es ein wildromantische Atmosphäre mit extrem intensiven Farben

Erreichbarkeit: vom Norden aus Victoria kommend mit dem Bus Richtung „Quatre Bornes/Takamaka  via Anse Royale“ oder direkt nach einem Bus mit dem Schild „Intendance“Ausschau halten; Fahrtdauer ab Victoria ca. 45 min., Bushaltestelle an der Straße bzw. an der Abzweigung zur Bucht, notfalls fragen.

Unterkünfte: „Banyan Tree“-Hotel – direkt am Strand.

Verpflegung:  in Quatre Bornes ein kleiner Supermarkt, kurz nach dem Dorf Richtung Intendance Obststand (geöffnet je nach Angebot), an der Straßenabzweigung hinunter zum Strand Souvenir-Läden und Snacks. Am Strand selbst eine kleine Strandbar mit Getränken.

Restaurants:  Nur im Hotel “Banyan Tree“ – sehr schön gelegene Terrasse mit sehr teurem Angebot; im ersten Stock Bar mit gehobenem Ambiente und sensationeller Aussicht auf die Bucht.

 

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.