Category: Allgemein

La Digue: Eine Insel steht Kopf!

15. August 2017

Wenn mich jemand nach den drei besonderen Dingen fragen würde, die es nur auf La Digue gibt und sonst nirgends auf den Seychellen, sähe meine Antwort wie folgt aus:

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  • Der rote Kardinal (fodi madagascariensis) heißt hier taroza – und keiner weiß warum. (Danke, Rainer Bauerdick für Dein Foto!)
  • Es gibt gefühlt mehr Fahrräder als Menschen.
  • Maria Himmelfahrt ist wichtiger als Weihnachten.

Und genau zu dieser lafet sent mari – also zum Fest Maria Himmelfahrt, am 15. August, platzt La Digue aus allen Nähten, weil nicht nur die digwa (die Einwohner von La Digue), sondern gleich der halbe Archipel mitfeiert. Der Einfachheit halber nennen es die Inselbewohner einfach lafet La Digue, weil es nur EIN Fest in dieser Dimension auf La Digue gibt! Regelrechte Völkerwanderungen setzen sich von  Praslin und Mahé aus in Marsch. Die Fähren fahren öfter als sonst, Unterkünfte sind auf Monate hin ausgebucht. Wer Verwandte auf La Digue hat, darf sich glücklich schätzen. Hier werden alle Geschwister, Onkel und Tanten und selbstverständlich auch die Cousinen 3. Grades nebst ihren Verwandten untergebracht. Wäre La Digue nicht eine solide Granit-Insel, man müsste glatt befürchten, dass sie ob dieser Überlast einfach untergeht.

Aber warum eigentlich will jeder, aber auch jeder Maria Himmelfahrt – immerhin ein katholisches Hochfest – auf La Digue feiern? Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass die Seychellen mehr als 80 Prozent Katholiken sind. Der zweite wichtige Punkt ist, dass das einzige Kirchlein auf La Digue den Namen „Notre-Dame de l’Assomption“ heißt. Das ist also weit mehr als nur eine Art Kirche „Zu unserer lieben Frau“, es ist die Kirche „St. Maria Himmelfahrt“ und Maria ist ihre Schutzpatronin. Ihr zu Ehren findet dann alljährlich am 15. August eine eindrucksvolle Prozession statt, bei der feierlich eine  Marienstatue zur festlichen Messfeier in die Kirche getragen wird – geschmückt mit Palmwedeln und haufenweise Blumen (hauptsächlich Plastikrosen und Co.), begleitet von der gesamten Inselbevölkerung, alle in Sonntagskleidung herausgeputzt, die Männer in langen Hosen und Hemden, die Frauen in den mondänsten Kleidern, die Kommunionmädchen des aktuellen Jahrgangs wie kleine Bräute ganz in weiß mit vielen Rüschen – andächtig und unglaublich innig.

Das ist aber auch schon der einzige andächtige und unglaublich innige Programmpunkt bei der lafet La Digue, denn der Rest ist eine einzige Party. Und die geht bereits schon am Wochenende vorher los. Ein einziger Tag für so ein wichtiges Fest wäre doch eh viel zu kurz, oder? Überall ist Remmidemmi, überall viele Leute, überall buntes Treiben, selbst an den noch so winzig-witzigen Vergnügungsbuden, die den Charme von nostalgischen Spielen wie Büchsenwerfen und Wurstschnappen längst vergessener Kirmes-Tage haben. Überall schallt Musik – und wenn ich Musik sage, dann meine ich VIEL Musik und LAUTE Musik, vor allem Richtung Jetty und Hafenbar. Warum, so denkt sich wohl hier jeder, soll der Lautstärkeregler auf 9 stehen bleiben, wenn er doch noch drei weitere Stufen hat und sich bis auf 12 drehen lässt? Während es sonst eher beschaulich auf der Insel zugeht und hauptsächlich an der Anse Source de l’Argent ein paar mehr Fress-Buden und Strand-Bistros als sonstwo gibt…

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…finden sich nun überall, vor allem in La Réunion und La Passe im Inselinneren, kleine Stände mit Take-Away-Köstlichkeiten, direkt an der Straße und mehr oder weniger direkt vor der eigenen Haustür. Demzufolge ist das Ganze eine herrlich authentische Streedfood-Parade, bei der es sich lohnt, möglichst viele hausgemachten Spezialitäten zu probieren.

Auch wenn es hoch hergeht, auch wenn viel – ja, viel zu viel getrunken! – um nicht zu sagen gesoffen wird,  auch wenn härtere Dinge im Umlauf sind und leider Polizeipräsenz und Drogenkontrollen zugenommen haben, auch wenn ich sonst kein großer Freund von Menschenaufläufen jeglicher Art bin, auch wenn ich nach dreimaligem Besuch des Festes eigentlich genug davon habe – eines steht fest:

Die lafet sent mari gehört als lafet La Digue zu La Digue wie die wundervollen Granitfelsen in der Anse Source de L’Argent und die Fahrräder. Dieser Rummel ist voller Lebensfreude und hat nichts zu tun mit Oktoberfest-Gegröle oder Ballermann-Plemplem. Es ist traditionelle Lebensfreude, die zu Herzen geht; das Inselglück ist zumindest an diesem Tag ungetrübt.

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Er ist wieder da – der „vannswet“, der Südost-Monsun!

14. Mai 2017

Zunächst habe ich ihn kaum bemerkt. Das war vor wenigen Tagen, als wir Vollmond hatten. Plötzlich strich nachts ein kühles Lüftchen durchs Haus, aber nicht wie sonst, durch unser Fenster mit Meerblick, das nach Westen hinaus zeigt. Sondern durch die Tür, die sich nach Osten hin zum Tropenwald öffnet. Aaah, wie gut das tut. Wie frisch, wie erfrischend! Der Windhauch war zwar nur von kurzer Dauer, doch das wird jetzt öfter passieren. Der vannswet, wie der Südost-Monsun auf Kreolisch heißt, klopft an. Zunächst ganz sachte, leise. Dann immer häufiger, lauter. Und schließlich wird er, so weiß ich schon jetzt in dieser ersten Hälfte im Mai, in den nächsten drei, vier Monats stetig und stark die Inseln belüften.

In die hitzegeschwängerte Luft schleichen sich zunehmend Wellen aus Kaltluft ein. Kaltluft? Auf den Seychellen? Aber ja doch! Fast kommt es mir so vor, als hätte jemand im hintersten Winkel der Welt eine Tür zu einem Kühlhaus kurz auf- und dann schnell wieder zu­ge­macht. Mit diesem leisen Wind kommt nicht selten ein feiner leichter Regenschleier wie aus einem Zerstäuber. Den vielerorts immer noch zu lesenden Wetterbeschreibungen, dass wir uns jetzt angeblich in der Trockenzeit befinden, kann ich immer weniger Glauben schenken. Klar, es regnet nicht mehr so heftig und durchdringend wie in anderen Monaten, aber nicht selten sind tief hängende Wolken und Nieselregen unsere ständigen Begleiter in Zeiten des vannswet.

Das ist aber nicht der einzige Nachteil des Südost-Monsuns. Es gibt noch mehr missliche Umstände als das Dauergrau, nämlich Seegras an den Stränden und hohe Wellen auf dem Wasser. Die machen nicht nur seekrank, wenn man mit der Fähre Cat Coco zwischen Mahé und Praslin pendenlt, den Urlaubern das Baden schwer, das Schnorcheln bei schlechter Unterwassersicht fast unmöglich, sondern sie hemmen auch die Aktivitäten der Fischer. Während es sonst Fisch im Übermaß gibt, in großer Auswahl und kostengünstig obendrein…

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(Bei Rassoul in der Anse La Mouche)

…wird es nun immer schwieriger, bei schwerer See auszulaufen und Fischfang in üblichem Umfang zu betreiben. Die Folgen sind kapital: Die Preise für Fisch steigen und das Angebot schrumpft – Woche für Woche. Zeit, seinen Speiseplan umzustellen. Da niemand gern auf Fisch verzichten möchte, gibt es eine gewöhnungsbedüftige Alternative: pwason sale – gesalzener Fisch, dessen Geruch – sagen wir es ruhig vorsichtig: alles andere als frisch ist. Die halbierten Fischleiber wurden in den Monaten des Nordwest-Monsuns (zwischen Okt./Nov. und April/Mai) von allen Seiten gepökelt und dann auf Drahtmatten in der Sonne zum Trocknen ausgelegt.

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Lecker geht anders… sage ich, aber die Einheimischen schwören darauf und machen sich daraus ein deftiges kari – ein Curry-Schöpfgericht.

Ja – der  vannswet  ist schon etwas Besonderes. Erst sehnt ihn sich jeder nach der großen Hitze rund um Ostern herbei, dann geht er schon nach den ersten zwei, drei Wochen gehörig auf die Nerven. Mir jedenfalls. Und schon heute freue ich mich wieder auf seinen Abschied, doch da muss ich noch ein Weilchen – mindestens bis Mitte Oktober –  geduldig warten…

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Sonntags am Strand, oder: Irgendwer hat immer Geburtstag

7. Mai 2017

Endlich Wochenende. Endlich Sonntag. Sonntag wäre eigentlich ideal, um den ganzen Tag am Strand abzuhängen. Eigentlich… denn so wie ich denken wohl auch die restlichen 90.000 Seychellois und beginnen bereits zu früher Stunde mit einer verbesserten Handtuch-Liegen-Reservierungstaktik. Statt einfach nur mit Strandmatten wertvollen Platz am Wasser zu sichern, bringen sie gleich ganze Gartenmöbelgarnituren mit, die sie geschickt platzieren, um wertvolles Terrain zu sichern. Das reicht nicht aus, das Motto heißt: Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Uns so baumeln überall in luftiger Höhe zwischen den Palmen mehr oder weniger tiefhängende Leinen, die einem beim unachtsamen Strand-Begehen auch schon mal die Kehle durchtrennen können, wenn… wenn ja wenn nicht x Luftballons mit grellen Farben und Zahlen dort im Wind spielen. Daneben flattern neonfarbene Spruchbänder oder auch einfach nur Glitzer-Glitter-Buchstaben, die beim näheren Hinsehen „Happy Birthday“ bedeuten können. Ein p zu wenig macht uns nicht weniger glücklich und an dem falsch herum aufgehängten Ypsilon hängt sich keiner auf, bzw. daran stört sich kein Mensch.

Um halb elf die nächste Aktivitäten-Salve: Alte, aufgeschlitzte Fässer werden herbeigeschleppt. Damit nicht genug. Mehr oder weniger starke Halbstarke wuchten riesige Säcke herum, die hier auf der Insel gunnybag genannt werden. Darin ist Eis. Mir ist völlig schleierhaft, wer unter welchen Umständen auf einen Schlag so viele Eiswürfel produzieren kann, sodass sich diese alten Fässer wie von Zauberhand damit füllen. Und um elf kommen dann auch eindeutig zweideutige Getränke in diese Eissärge hinein. Bier wäre harmlos, meist sind es hochprozentige Gesöffe wie Rum oder Calou oder Bacca.

Soweit so gut!

Doch dann – gegen halb zwölf – wird es noch eine Stufe ernster: Unter den Happy-Birthday-Buchstaben schnarrt es merkwürdig. Nein, es sind nicht die trouloulou – die Strandkrebse – die sich brummend ein Loch in den weißen Sand buddeln. Es sind Notstromaggregate, die allmählich ihre Arbeit aufnehmen, um dann pünktlich zum Mittagessen die Beschallung aus kühlschrankgroßen Lautsprecherboxen vorzunehmen. Wäre alles gar nicht so schlimm, gäbe es nicht zwei Probleme – GRAVIERENDE Probleme: 1) Alle am Strand anwesenden Festgemeinden – und davon gibt es mittlerweile vier – haben ihre eigenen Musik-Präferenzen. Aus der einen Ecke dudeln karibische Reggae-Rhythmen, aus der anderen kommen vertraute Sega-Tänze, in der Mitte prasseln Country-Melodien auf uns ein und dazwischen – irgendwo dazwischen – knallt aggressiver Afro-Rap aus den Büschen.

Spätestens jetzt wäre ich schon längst geflüchtet, wäre da nicht dieser hinreißende Duft nach gegrilltem Fisch. Ich gehe auf die Pirsch und entdecke einen Feuerstelle, die mit einer alten Waschmaschinen-Trommel upgegradet wurde. Sie dient nun als Grill für Makrelen. Das unbeschreibliche Aroma macht mich fast ohnmächtig…

Doch dann plötzlich Geschreie, Gezeter, Gebrüll – zwei Party-Gemeinden liegen miteinander im Clinch und schreien sich mächtig an. Flaschen (leer oder voll? Ich hoffe leer… erst Seybrew, dann Takamaka-Rum), die vorher nur mehr oder weniger züchtig in der Runde gekreist sind, fliegen jetzt im hohen Bogen. Die Lutballons zerplatzen. Zwei Geburtstagsparties geraten völlig aus dem Ruder. Das sieht nicht gut aus… gar nicht gut. Spätestens jetzt suche ich das Weite.

PS: Auch ich habe heute Geburtstag – ich bleibe lieber auf der Terrasse und bin froh, dass wir den indischen Bautrupp da unten an der Biegung der Straße überzeugen konnten, ausnahmsweise heute mal nicht mit dem Presslufthammer die Felsenarbeiten fortzusetzen. Himmlische Stille. Der Regen ist meine Musik. Mir geht es gut.

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Allergie-Alarm: Seidenspinner auf dem Vormarsch!

1. Mai 2017

Hier kommt ein Update zum leidigen Thema „Seidenspinner-Plage“. Auch wenn es vor ca. einem viertel Jahr den Anschein hatte, dass sich die Seidenspinner-Raupen allmählich verflüchtigen würden, sind sie nun heftiger denn je zugange. Die Viecher heißen „senir plim“ auf kreolisch – aber ich schreibe sie stets „senil plim“, weil ich nicht verstehe, wie sich in das ursprüngliche französische „chenille“ ein „r“ einschleichen konnte – aber das nur am Rande. Auf den Seychellen sind sie auch in ihrer englischen Version „hairy caterpillar“ (haarige Raupe) bekannt.

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Tatsache ist, dass die eigentlich recht possierlichen Raupen sich abermals sprunghaft vermehrten und (vor allem auf  den größeren Inseln wie Mahé, Praslin oder La Digue) ihre stechenden Härchen hinterlassen – egal, ob sie noch leben oder schon längst tot sind. Der Wind reicht aus, um die einzelnen, hauchdünnen, seidigen Flusen in alle Himmelsrichtungen zu tragen.

Ich selbst leide fürchterlich unter allergischen Schüben, die vom aggressiven Giftstoff der Härchen ausgelöst werden. Schrecklicher Hautausschlag mit seinem kontinuierlichen Juckreiz bringt mich fast um: Entweder es sind einzelne großflächige rote Placken, die vor allem an den weichen Hautteilen auftreten (z.B. Innenseite der Oberschenkel, innere Unterarme, Popo) oder es sind zahlreiche kleine Pusteln mit nässenden Kratern (z.B. hinterm Ohr, Haaransatz, im Nacken, ja sogar an Händen und Füßen). So friste ich mein Dasein als trauriges, pickeliges Warzenschwein.

Was war also in den letzten Wochen passiert? Da die Seidenspinner-Raupen hohe Bäume mit großen, dichten Blättern zum Fressen gern haben, hatten sie sich meist Mango, bodanymen (Terrassenbäume bzw. Strandmandeln) oder auch Hibiskus-Büsche ausgesucht. Und da diverse Giftspray-Aktionen seitens der seychellischen Behörden nur teilweise nutzten, sich aber die Raupen weiter in diesen Pflanzen niederließen, legten die Bewohner schließlich selbst Hand an und schlugen die Bäume und Büsche in Windeseile kurz und klein. Die Seidenspinner-Raupen sind dann schließlich auch nicht ganz blöd: Diejenigen, die den Kahlschlag und die Giftattacken überlebt haben, gingen gestärkt und resistent aus dem Ausrottungsversuch hervor und suchten sich kurzerhand neue Pflanzen, in denen sie nun ihr Unwesen treiben und sich natürlich auch wieder vermehren. Besser denn je…

In der Bevölkerung macht sich Murren und Klagen breit, und zwar so, dass selbst ich es hören kann. Man rät mir, dass auch ich meinen geliebten Terrassenbaum umlege, aber ich denke nicht dran. Klar – ich leide unter der Seidenspinner-Allergie, aber ich weiß auch, dass Bäumefällen nun wirklich nichts bringt. Was aber würde helfen?

Wehret den Anfängen! Verwehrt den Raupen, auf den Seychellen Fuß zu fassen, denn bis vor zwei Jahren waren sie doch gar nicht hier!!! Generell hilft gewiss das bisherige Verbot, Pflanzen bzw. pflanzliche/tierische Produkte auf den Seychellen einzuführen. Aber wie sieht das in der Praxis aus?

Beispiel 1: Jüngst in der Condor-Maschine von Deutschland auf die Seychellen … ordnungsgemäß wurde die Kabine vom deutschen Personal ausgesprüht. Der Health Officer, der nach Landung auf dem Internationalen Flughafen von Mahé an Bord kam, meinte jedoch: Dieses Spray würde nix nützen, und so wurde nochmals gesprüht. Mit einem vermeintlich besseren… (so wollen wir wenigstens hoffen, doch eine Frage bleibt offen: War das deutsche bzw. europäische Spray wirklich für umsonst?!?!)

Beispiel 2: Die nächste Maschine von Dubai kommend wurde überhaupt nicht ausgesprüht. Zeugen gibt es zahlreiche.

Beispiel 3: Die Cargo-Ladungen, bestehend aus großen Holzkisten und anderen Verpackungen wurden zwar kontrolliert, aber… wurden dort auch die Eier-Gelege gefunden, die der kleine clevere Seidenspinner hier abgelegt hatte?

Böse Zungen behaupten, dass diverse Insektenplagen über Importe ins Land kämen, die nichts mit den Passagiermaschinen zu tun hätten, sondern mit eingeführten Pflanzen oder Möbeln oder Baustoffen, die einfach ohne unzureichende Kontrollen ihren Weg auf die Inseln fänden. Ich bin weit davon entfernt, irgendjemand für das Desaster verantwortlich zu machen – aber ich bin tief betroffen, wenn die kleinen Kliniken in den einzelnen Buchten nicht mehr Herr der Lage sind, oder wenn mich verzweifelte Mütter anschreiben, die nicht wissen, welche Medizin sie ihren Kindern verabreichen sollen, wenn diese an einer Seidenspinner-Allergie leiden. Zumal dann zumeist die Apotheken geschlossen haben oder es kaum irgendwo anders Hilfe gibt.

Fazit: Spreche ich für mich selbst, so schaffe ich es irgendwie, mit der Allergie klar zu kommen, auch wenn mich immer wieder mal Fieberschübe und Schüttelfrost quälen – aber was juckt mich angesichts dieser wunderbaren Natur, dieser Harmonie zwischen Meer, Palmen und Felsen diese kleine, blöde haarige Raupe, oder?

Doch etwas treibt mich um: Was machen all die anderen, die viel Geld ausgeben, um hier auf den Seychellen einen Traumurlaub zu verbringen? Denen rate ich, auf keinen Fall sich die Haare zu raufen (das machen schon die Seidenspinner mit ihrem haarigen Pelz), sondern sie sind gut beraten, sich daheim mit Arzt und Apotheker abzusprechen. Ein paar Mittelchen gibt es, die weiterhelfen – sei es ein wirksames Anti-Histaminikum, Hydro-Cortison-Salbe oder sogar Cortison nach Anweisung. Klar, dass ich hier nur Hinweise aus eigener Erfahrung geben kann und keine Haftung übernehmen kann. Aber irgendeinen Ausweg gibt es immer – und verzweifeln muss keiner.

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Blackout im Paradies

28. April 2017

Auf den Seychellen ist es mit der Pünktlichkeit so eine Sache. Alles ist es langsamer, gemächlicher und mit exakten Zeitangaben nimmt es keiner so genau. Eigentlich gibt es nur eine einzige Ausnahme: die Cat Cocos. Auf die Minute pünktlich legt die Fähre ab, da gibt es kein Pardon. Aber seit gestern weiß ich: Es gibt noch eine weitere Angelegenheit, die nach exaktem Zeitplan abgewickelt wird – nämlich dann, wenn der hiesige Elektrizitätsversorger den Strom abstellt.

Pünktlich um 9.00 Uhr hieß es gestern nämlich power cut.

Hätte ich die Zeitung gelesen, ja hätte ich nur… denn da wird immerhin brav angekündigt, wann es wieder mal soweit ist mit dem Stromabstellen. Natürlich fällt auch ab und zu immer mal wieder einfach nur so der Strom aus, z.B. wenn es tagelang regnet oder ein heftiger Sturm über die Insel fegt oder wenn irgendein Waldarbeiter etwas zu grobmotorisch bei den Baumfällarbeiten mit der Motorsäge umgeht und den Elektrizitätsmast gleich mit umnietet oder eine Leitung durchtrennt.

Doch dieses Mal war mir sofort klar: Das war kein wetterbedingter dummer Zufall, denn Schlag neun plötzlich alles dunkel wird, dann ist das ein geplanter, ja vorsätzlicher Blackout.

Ich entschließe mich also, lieber auf Nummer Sicher zu gehen und abzuklären, wie lang am Paradies das Licht ausbleibt und rufe PUC über die Hotline an. Immerhin funktioniert mein uraltes Telefon über Festnetz auch ohne Strom. Ich lande in der Warteschleife: „All our agents are busy, please try later“. – Ha, war ja klar. Beim zweiten Versuch hebt erst gar niemand ab. Beim dritten Mal: „All our lines are busy, estimated waiting time is more than 5 minutes.“

Aha, da haben dann wohl more than 5 people gemerkt, dass etwas nicht stimmt und wollen Klarheit, genauso wie ich.

Irgendwann klappt es dann doch und ich komme durch. Bevor ich meinen Satz bzw. meine Frage zu Ende bringen kann, sagt eine immerhin freundliche Telefonistin, dass power cut im gesamten Süden von Mahé sei. Mir schwant nichts Gutes. Das klang so endgültig. Auf die bange Nachfrage, wie lange denn, kommt eine klare, nicht verhandelbare Aussage: bis 16.00 Uhr. Punkt. Sie faselt dann noch etwas von essential work and usual maintenance und dass doch alles in der Zeitung angekündigt worden wäre.

Zeitung hin oder her, mir jedenfalls wirbelt es meinen Tagesplan komplett durcheinander. Waschen wollte ich, aber die Waschmaschine funktioniert mit Strom. Haare waschen wollte ich, doch der Boiler zur Heißwasser-Aufbereitung funktioniert mit Strom. Zur Bank wollte ich, doch der Geldautomat funktioniert mit Strom. Am Laptop wollte ich länger als nur ein, zwei Stunden arbeiten, doch das Akku-Aufladen funktioniert mit Strom. Tanken wollte ich auch, doch die Zapfsäule an der Tankstelle funktioniert mit Strom.

Mir wird klar, wie vieles im normalen Leben mit Strom funktioniert und wie vieles ach so selbstverständlich ist. In den Tropen gewinnt diese Einsicht plötzlich an Gewicht.

Auch der Kühlschrank funktioniert mit Strom. Und das Gefrierfach erst recht. Also immer mit Bedacht auf und zu machen. Wie gut nur, dass ich einen Gasherd habe und mir eigentlich mein kari poul – mein Hühnchen-Curry – kochen kann…

Eigentlich…, denn ich dazu noch dringend ein paar Zutaten und muss deswegen einkaufen. Bei meinem kleinen Inderladen funktioniert leider auch alles nur mit Strom, vor allem die Ladenbeleuchtung. Und deswegen tappe ich erstmal im Dunkeln, als ich durch die sperrangelweite Tür trete, an der sonst das flimmernde Open-Schild mich begrüßt. Heute nur gequält lächelnde Verkäufer. Mit der Handy-Taschenlampe sieht man klarer, aber im hintersten Winkel des Ladens ist es stockdunkel, bis…

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bis, ja bis ich im Schein einer Kerze, die  auf der Tiefkühltruhe klebt, endlich wieder den Durchblick bekomme. Wie einfach! Und wie effizient! Und plötzlich lerne ich das warme Licht einer kleinen Flamme richtig zu schätzen. Dass ich die Zwiebeln, den Ingwer und den Knoblauch finde, ist fast schon Nebensache.

Dass ich heute auch anschreiben lassen könnte, weil die elektronische Kasse nicht funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit. Ich genieße Vertrauen, was mich stolz und glücklich macht. Und die Erkenntnis, dass man bei einem Blackout nicht unbedingt gleich schwarz sehen muss, nur weil mal was nicht Plan läuft, gibt es gratis on top und macht mich gelassener. Viel gelassener… zumal ich weiß, dass pünktlich um vier Uhr nachmittags der Strom wieder angestellt wird.

PS: Der Strom kam sogar schon um zwanzig vor vier, denn anscheinend war es den Arbeitern zu heiß und sie wollten schnell in den verdienten Feierabend.

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

„Together“ – zusammen heben wir ab! Die neuen„Überflieger“ der Seychellen

11. Februar 2017

Seit ein paar Monaten gibt es hier eine wunderbare „Neuerscheinung“ auf den Seychellen: kleine schwarze Fliegen, die hier in den Abendstunden nach dem Rechten sehen. Man kann nicht sagen, dass sie verfressen sind. Sie sind keine Blutsauger, aber sie sind so neugierig, dass sie gern die Dämmerung nutzen, um auf den Tellern nach dem Rechten zu sehen. Allein sind sie nicht unterwegs, das wäre ja auch langweilig. Nein, in großen Wolken schwärmen sie aus und laden sich gern in jedes x-beliebige Inselhaus zum Abendessen ein. Vor allem da, wo die Häuschen ganz geschützt und vor jedem Windhauch sicher unter Palmen ruhen und sich in die Felsen schmiegen, fühlen sie sich wohl. Eine kühle Brise mögen sie nicht, das würde ihre kleinen Flügelchen verwirbeln.

Ich habe zwei von diesen Plagegeistern gefangen – einen im Norden Mahés und einen im Süden. Und habe die toten Tierchen sicher in einem Glas verschlossen nach Deutschland gebracht, wo sie das Hamburger Tropeninstitut analysiert hat. Das Ergebnis: Es handelt sich um Bartmücken, die auch als Gnitzen (Ceratopogonidae) bekannt sind. Weltweit gibt es ungefähr 4.000 verschiedene Sorten dieser Gnitzen, allein in Deutschland sind fast 200 davon bekannt. Auf den Seychellen waren sie bis im vergangenen Jahr überhaupt nicht existent. Jetzt haben sie das Kommando übernommen und  ballen sich so rasend schnell in großen Horden zusammen, dass sie die Einheimischen „together“ („Zusammen“) genannt haben. Warum „together“? – Vor kurzem war hier auf den Seychellen noch ein engagiertere Wahlkampf zugange und die Anhänger der Regierungspartei SPPF haben sich genauso schnell zusammengefunden wie die kleinen geflügelten Gesellen. – Gemeinschaftsgefühl „to go“ – together, so geht’s eben!

Einmal war die Plage in den Abendstunden so schlimm, dass sich viele Einheimische nicht mehr von den schwarzen Fliegen retten konnten und auf das Abendessen verzichteten. Sie mussten es schlichtweg stehen lassen, weil die kleinen Eindringlinge eine feindliche Übernahme vornahmen. Kurze Zeit später berichtete SBC  (Seychelles Broadcasting Corporation), das seychellische Fernsehen, über diese Invasion: Klar, die kleinen Fliegen seien zwar lästig, aber sie seien harmlos. Wenn man sie schon nicht ignorieren könne, dann wäre es überhaupt keine Gefahr sie mitzuessen. Sie seien schließlich ein klasse Protein-Snack.

Genau so habe ich es dann schließlich auch gemacht. Es hat mir nicht geschadet. Aber die Viecher sind ihrer verdienten Strafe nicht entkommen.

Sie machten ein „sauberes Geschäft“ mit ihrem Tod! Denn: Was ich noch nicht wusste, aber hätte ahnen können: Die „together“-Fliegen mögen wie jedes andere Insekt gern gelb.

 

 

 

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Und in einer gelben Plastikbox bewahre ich mein Waschmittel auf – darin gingen sie ein, wie die Fliegen! Und dem Rest gab ich den Rest – in der Waschmaschine! 

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Bird Island: Vögel, Meer und mehr…

11. Oktober 2016

Es gibt ein paar Flecken dieser Erde, mit denen es der Herrgott offenbar ganz besonders gut gemeint hat. Bird Island gehört definitiv dazu. Es ist nicht nur dieser Farbenrausch, der mit voller Wucht den Betrachter trifft und ihn immer wieder sprachlos werden lässt.

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Foto: (C) Rainer Bauerdick – http://rainerbauerdick.de

Es ist vor allem dieses friedvolle Miteinander von Pflanzen und Tieren, das mich ganz klein und demütig werden lässt.

Die Vögel: Wie kann es sein, dass mehr als eine Million Seeschwalben auf einem winzigen Areal von drei, vier Fußballfelder nicht nur Platz, sondern auch die Möglichkeit zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen finden? Und: Wie kann es sein, dass sie von einem unsichtbaren Magneten Jahr für Jahr immer wieder zur selben Stelle finden – ohne den ganzen neumodischen Kram wie GPS und Co.

Und dann die Feenseeschwalben – weiß und wunderschön: Wenn sie auf Partnersuche gehen, dann tun sie es mit Bedacht und vielleicht sogar mit Liebe. Denn mit ihrem Partner bleiben sie ein Leben lang zusammen. Meist sieht man sie auch zu zweit gern einmal turteln, entweder auf einem Zweig oder bei waghalsigen Manövern in der Luft, die eine Meisterleistung im Synchronfliegen darstellen. Kommt die Zeit der Brutpflege, dann legt das Weibchen gekonnt ein nur einziges Ei auf einen Ast. Kein Nestbau, keine schützenden Zweige – nix! Welch Akrobatik! Welch Kunst, so hocken zu bleiben, dass das Ei nicht herunterfällt.

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Genauso weiß, aber noch deutlich exotischer sind die Tropik-Vögel. Anmutige Wesen mit  langen Federn, der ihnen auch zu ihrem kreolischen Namen verholfen hat: payanke – aus dem Französischen paille en queue – den Strohhalm im Schwanz. Mit ihren spitzen Schreien schrauben sie sich ins makellose Himmelsblau, jubilieren den Wolken zu  und stürzen sich wieder hinab. Ganz ruhig verhalten sie sich dann aber, wenn sie brüten.

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Am Fuße riesiger Strandzedern finden sie Zuflucht vor Sonne und Wind, und Robby – der Wildhüter von Bird Island – hat ihnen mit ausgebleichten Korallengestein, Palmbast und Treibholz kleine „Hüttchen“ gebaut, die sie dankend annehmen. Dort fühlt sich auch das kleine Küken geborgen, das sich darin  wie ein Wattebausch an die Mutter kuschelt.

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In den nächsten Tagen und Wochen kommt die Zeit, wo das kleine Federbällchen  mehr und mehr Gewicht und Gestalt annimmt, bis es schließlich ein gesprenkeltes Federkleid trägt, das unmissverständlich zu verstehen gibt: Die Zeit ist gekommen, um flügge zu  werden.

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Hoch oben über den Wipfeln, weit in den Wolken ein anderes Spektakel: Hunderte von Fregatt-Vögeln kreisen im Himmel, nutzen die Thermik und ihre Flügel mit einer Spannweite von 2,30 Metern, um sich von den Luftströmen treiben zu lassen. Fast faul hängen sie im Blau, kein wildes Flattern, ein gelegentliches Trimmen mit ihren gegabelten Schwanzfedern, ansonsten majestätisches Gleiten.

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Bild: (C) Rainer Bauerdick http://rainerbauerdick.de

Am Boden derweil heftiges Getrippel und Getrappel: Einige Steinwälzer, die an Bachstelzen erinnern, rennen aufgeregt hin und her. Sie haben eine lange Reise hinter sich, sind der Kälte Sibiriens entflohen und freuen sich über die Sommerfrische auf Bird. Ihrem Namen machen sie alle Ehre, denn um Nahrung zu finden, drehen und wenden sie Kiesel, Felsbröckchen, Steine, um darunter die besten Leckerbissen ausfindig zu machen.

Deutlich träger sind die Noddy-Seeschwalben. Sie haben sich doch tatsächlich die größte Mittagshitze ausgesucht und hocken dort mitten im gleißenden Licht, ohne auch nur einen Hauch von Schatten. Warum nur? Die nehmen doch kein Sonnenbad, oder etwa doch?

 

Tatsächlich – so etwas Ähnliches machen die braunschwarz gefiederten Gesellen wirklich, denn durch die Hitze wollen sie den Parasiten Herr werden. Ein bisschen Feder-Gezupfe hier, ein bisschen Flügelwackeln da, und schon ist die Vogel-Toilette beendet. Dann ab in die Bäume, wo flugs am Nest weitergebastelt wird. Das besteht aus zwei Baumaterialien, nämlich trockene Blätter und Vogelkot. Halt – sagte ich trockene Blätter? Das stimmt nicht ganz, denn wären die Blätter tatsächlich ganz trocken, würde die Konstruktion in Verbindung mit dem Vogel-Kaka nicht halten. Ledrig müssen die Blätter sein, biegsam und keineswegs bröselig, nur so entsteht der perfekte, stabile Nistplatz, der der extremen Witterung standhält.

Um die Ecke ist großer Kravall in einer Hecke: Dort zanken sich zwei Moorhühner, vielleicht streiten sie sich um ein Stückchen Toast, das ich dort gestern verfüttert habe. Ihre Schreie gleichen dem Gequietsche von einem halben Dutzend Badeentchen. Und jedes Mal erschrecke ich, so laut sind sie. Ich habe die Moorhühner „Penlac“ genannt – der Firmenname eines Unternehmens auf den Seychellen, das Farben und Lacke herstellt. Genauso bunt ist das Moorhuhn: grellgelbe Beinchen, feuerroter Schnabel, schwarzweißes Federkleid – die ganze Palette einer Farben-Firma eben!

Früher – ja, ich gebe es zu – habe ich mich überhaupt nicht für Vögel interessiert; jetzt, hier auf Bird, kann ich ihnen stundenlang zugucken. Ich teile meinen Bungalow mit ihnen, vor allem mit den kleinen ständig gurrenden Sperbertäubchen, die ganz genau wissen, wann ich vom Frühstück zurückkomme und ihnen etwas mitbringe.

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Dann aber ist es endlich Zeit für mich, den Vögeln ihr Revier zu überlassen. Nur ein paar Schritte trennen mich von meinem Bungalow zum Meer.

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Mehr Meer geht nicht!

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Seychellen – die beste Reisezeit

8. Oktober 2016

Immer wieder werde ich gefragt, was denn die beste Reisezeit sei, um auf die Seychellen zu fliegen. Ich könnte jetzt den gleichen Fehler machen wie viele renommierte Reiseführer und die Monate Juni, Juli und August empfehlen, weil es dann zunächst einmal günstige Flüge gibt (es ist nämlich Nebensaison auf den Seychellen) und weil angeblich nicht ganz so heiß ist und kaum regnet. Faktisch ist es aber so – und ich spreche aus 18 Jahren Erfahrungen und Wetteraufzeichnung -, dass es zwar in der Tat kühlere Monate sind, aber es auch öfter länger bewölkt ist, die Farben weniger intensiv sind und öfter ein permanenter Grauschleier über der Landschaft liegt. Kühler ist es auch, weil der Südost-Monsun weht, und der kann es ganz schön heftig treiben, sodass vor allem an der Ostküste bisweilen richtiger Sturm herrscht. Nachteil: Entspanntes Baden geht kaum an den Stränden der Anse Royale oder der Anse Forbans, weil die Wellen einfach zu hoch und die Strömungen zu stark sind. Oft höre ich dann auch Klagen wie: „Iiih, da schwimmt ja Seegras“ oder „Bäh, das Wasser ist ja ganz grau“.

Eine andere, immer wieder gern gemachte Empfehlung ist, doch Weihnachten unter Palmen zu verbringen. Kann man machen, muss aber damit rechnen,…

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… dass depressives Grau, tief hängende Wolken, dann Dauerregen und richtige Wolkenbrüche – die durchaus länger als nur eine Stunde oder einen Tag anhalten können – die Insel heimsuchen. Denn Dezember, Januar und Februar sind die regenreichsten Monate auf der Insel. Ich muss allerdings einräumen, dass Februar 2016 ganz außergewöhnlich schön, sonnig und trocken war. Man merkt, nix is fix – hinsichtlich einer treffsicheren Prognose.

Aber eines ist unumstößlich: Es gibt zwei Phasen im Jahr, in denen die Winde wechseln –  Das sind diejenigen Wochen, in denen der Nordwest-Monsun den Südost-Monsun ablöst. Und umgekehrt.

Als Faustregel gilt:

Nordwest-Monsun weht zwischen Mitte/Ende Oktober und Mitte/Ende April.

Südost-Monsun weht zwischen Mitte/Ende April und Mitte/Ende Oktober

Wer also z.B. im Dezember auf die Seychellen reist, muss damit rechnen, dass – falls er an der Westküste Quartier bezieht – höheren Wellengang hat. Gleiches gilt für denjenigen, der z.B. im Juli an der Ostküste seine Unterkunft hat.

Ich finde nach wie vor, dass die beste Reisezeit auf die Seychellen die Monate April/Mai und Oktober/November sind, da in dieser Zeit der Wind umschlägt, oft nicht weiß, aus welcher Richtung er kommen soll und demzufolge oftmals ganz erliegt. – Eine herrliche Zeit, in der es sich an beiden Küsten gleichermaßen gut baden lässt, wie z.B. hier – an der Anse Royale auf Mahé.

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Steckbrief Seychellen-Wetter:

Luft-Temperatur: ganzjährige Durchschnittstemperatur liegt tags wie nachts bei ca. 27 Grad; allerdings gibt es im April oft eine Hitzewelle, die die Einheimischen gern „solei karemn“ – die Fastenzeit-Sonne – nennen, weil sie um Ostern mit ihrer Hitze den Menschen und der Natur alles abverlangt. Dann klettert auch gern mal das Thermometer auf mehr als 30° +C. In den Monaten des Südost-Monsuns  kann es nachts auch mal kühler werden. – Heute morgen habe ich doch tatsächlich nur 23,5 Grad auf meinem Thermometer abgelesen – fast so was wie ein Kälterekord. Allerdings haben mir Freunde in den Bergregionen von La Misere verraten, dass sie tatsächlich schon mal 19 Grad ablesen konnten. Irre!

Wasser-Temperatur: ca. 26-28 Grad – vor allem in der windstillen Zeit gefühlt deutlich wärmer; in den Monaten des Südost-Monsuns vor allem an der Ostküste gefühlt deutlich kälter. Aber immer noch deutlich angenehmer als Nord- und Ostsee zusammen!

Sonneneinstrahlung: Am Äquator steht die Sonne senkrecht, daher ist für empfindliche Haut ein hoher Lichtschutzfaktor unabdingbar. Zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr besser den Schatten aufsuchen. Außerdem: In den frühen Morgen- und den späten Nachmittagsstunden sind Lichtspiele am Wasser und die Farben des Meeres sowie so schöner, weniger Menschen am Strand und mehr Ruhe und Einsamkeit garantiert – also klare Empfehlung für Genießer: früh aufstehen oder erst vor „Feierabend“ baden!

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

Eine harte Nuss: die „Cat Cocos“

7. Oktober 2016

Wer zwischen den Inseln hin- und her schippern will, kommt ohne die Cat Cocos nicht aus: Die Fähre, die sich mit vier Nüssen – genauer gesagt: mit vier Coco de Mer – im Logo schmückt, pendelt täglich mehrmals zwischen Mahé und Praslin.

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Es ist eine der wichtigsten Shuttle-Verbindungen der Seychellen überhaupt. Und völlig egal, ob Urlauber mit Quartier auf Praslin, Weiterreisender nach La Digue oder Tagestourist – ohne die Cat Cocos geht nix. Doch sie gibt uns mehrere Nüsse zum Knacken auf…

Zunächst klingt es völlig unspektakulär, eine Fähre zu nehmen. Das machen schließlich auch die Einheimischen jeden Tag, weil sie immer wieder mal auf die anderen Inseln müssen: Familienbesuch, Business-Termine, Parties und Hochzeiten, Geburtstage und Kommunion, Taufen und Beerdigungen. Wenn es also die Einheimischen jeden Tag machen, dann sollte es ja auch für die Touristen ein Kinderspiel sein, an diesem Inselhüpfen teil zu nehmen. Sollte… ist es aber nicht, zumindest nicht für die Indiviualreisenden, die sich nicht den organisierten Touren mit Masons, Creole Holidays oder 7° South anvertrauen. Denn es gibt eine Menge  zu bedenken:

  1. Es ist NICHT besonders klug, aufs Geratewohl zu beschließen: „Wir fahren jetzt mit der Cat Cocos“, denn oft ist sie übervoll,ggf. sogar überbucht. Daher ist es mehr als empfehlenswert, im Vorfeld seine Tickets zu organisieren.
  2. Gerade für denjenigen, der eine Tagestour nach Praslin oder La Digue plant, gibt es nur eine wirklich zielführende Empfehlung: Die erste Cat Cocos nehmen – die geht um 7.30 Uhr. (Die letzte zurück geht um 17.30 Uhr) Deswegen einmal mehr der Hinweis, möglichst vorher seine Tickets zu buchen, denn gerade zur frühen Stunde bilden sich gern vor den Ticket-Schaltern lange Schlangen.
  3. Natürlich ist es theoretisch möglich, nicht nur vorher den Fahrplan im Internet einzusehen, sondern auch online seine Tickets zu buchen, und zwar unter catcocos.com. Theoretisch, leider… denn allzu oft ist die Website nicht aktuell, wird gerade restrukturiert oder das Internet geht nicht. Für diese Fälle empfiehlt es sich, den Fahrplan vorher zu checken, d.h. am besten macht man sich schlau über eine telefonische Kontaktaufnahme unter: (00248) 4 32 48 45.
  4. Es gibt drei Ticket-Schalter – leider nur in Victoria:
  • Der Hautschalter befindet sich an der „Jetty“ – genauer gesagt am Inter Island Key; Öffnungszeiten sind theoretisch von 6.30 bis 17.00 Uhr. Wohlgemerkt: Theoretisch, denn es kann auch sein, dass sich mal das Personal verspätet und dann wird es verdammt eng – nicht nur am Schalter, sondern auch mit der Zeit; denn das Boarding/Einsteigen zur ersten Fähre beginnt bereits um 7.00 Uhr!
  • Im neuen „Espace Building“, am Wasser gelegen, in der Nähe des Inter Island Key: Öffnungszeiten 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  • In der Nähe vom Clock Tower, gegenüber der NouvoBank: Öffnungszeiten von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  1. Bei der Buchung ist es ZWINGEND erforderlich, den Reisepass vorzulegen, denn es gibt ein „Zwei-Klassen-System“. Die Einheimischen zahlen nur ca. ¼ des Touristen-Fahrpreises, und der beträgt für die einfache Fahrt sagenhafte 835,– SCR (seychellische Rupies; Stand Okt. 2016 – umgerechnet ca. 57,– Euro bei einem Wechselkurs von 1 Euro = 14,5 SCR)
  2. Es ist ZWINGEND notwendig, eine Entscheidung darüber zu fällen, wo man sitzen möchte: Abgesehen von der Business Class gibt es die Möglichkeit, im klimatisierten Innenraum oder auf dem Freiluftdeck zu sitzen. Das klingt zunächst verlockend, doch bei einsetzendem Regen hilft die nur spärliche Überdachung kaum; und Spritzwasser gibt es reichlich, rast doch die Cat Cocos mit ca. 60 Stundenkilometer über das Wasser.
  3. Man sollte bei der Buchung bereits wissen, wann man zurückfahren möchte.
  4. Schweres Gepäck (z.B. Koffer für einen mehrtägigen Aufenthalt) muss separat aufgegeben bzw. an Bord gebracht werden. Der Schalter informiert über die Einzelheiten.
  5. Visa-Kreditkarte wird akzeptiert.
  6. Die Cat Cocos fährt (völlig „un“seychellisch!)  absolut pünktlich auf die Minute los!
  7. Es gibt an Bord kleine Snacks und Getränke: Derzeit kostet ein Kaffee 30,– SCR und ein Wasser 20,– SCR.
  8. Es gibt ein nettes Unterhaltungsprogramm an Bord; gern werden Zeichentrickfilme oder das Beste aus Mister Beans Geschichten präsentiert. Empfehlenswert, da es von der bisweilen heftigen Schaukelei an Bord ablenkt.
  9. Achtung Seekrankheit: Wer schnell seekrank wird, sollte sich unbedingt im unteren Deck in die Mittelreihe platzieren; da spürt man den Wellengang nicht ganz so arg. Besonders heftig ist dieser zwischen Mitte/Ende Mai und Mitte/Ende Oktober – also in den Monaten, in denen der Süd-Ost-Monsun weht.

Da kann man nur noch sagen: AHOI!

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Adresse: Cat Cocos, Inter Island Boats Ltd, Hauptschalter: Inter Island Ferry, Victoria
Tel: 00248/ 4 32 48 45
Öffnungszeiten: 6.30 Uhr bis 17.00 Uhr
www.catcocos.com

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.

„Senil plim“ – ein Update zum stacheligen Störenfried

5. Oktober 2016

Es war im Monat Februar, in dem es mich so heftig mit einer schweren Allergie gegen senil plim – den Seidenspinner –  fürchterlich erwischt hat. Da war nicht nur dieser gruselige Hautausschlag mit nässenden und anschwellenden Pusteln, da war nicht nur dieser unerträgliche Juckreiz – nein, da waren auch noch Fieberschübe, Schüttelfrost und Atemnot. All das konnte ich nur mit Hilfe des kleinen Hospitals in der Anse Boileau überstehen. Eigentlich dachte ich, irgendwann würde die Raupenplage, die für all diese Symptome verantwortlich zeichnet, weniger werden. – Weit gefehlt!

Dabei hatte ich große Hoffnungen in die Äußerungen eines Beamten des Gesundheitsministeriums gesetzt, der nach Ankunft auf Mahé an Bord der Condor-Maschine kam, um die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften zu kontrollieren. Ich fragte ihn ganz beherzt: „Sir, sagen Sie mir, wie sieht’s aus mit der Raupenplage“. Er, für mein Empfinden eine Spur zu selbstbewusst: „Everything under control – alles im Griff, Raupen ade!“

Von wegen. Nur zwei Stunden später, nach Ankunft in der Anse Louis kam das ach so vertraute Stechen, Jucken, Kratzen wieder. Kurze Zeit später – im Jardin Du Roi (im Königsgarten hoch oben über der Anse Royal) – konnte ich beobachten, wie zwei Touristinnen total gepeinigt um Hilfe beim Gartenpersonal bettelten und ihnen eine heftige Reaktion im Nackenbereich zeigten. Dort war alles geschwollen, dort war alles ein einziger roter Placken.

Erste Hilfe kam schnell und zwar in Form von „Calamin“ – einer Zinkoxid-Salbe, die so ähnlich aussieht wie Penaten-Creme, nämlich dick, zäh und weiß. Früher, so erinnere ich mich, in Zeiten von Masern und Windpocken, wurden damit auch unsere Kinderpopos eingeschmiert und es half – mehr oder weniger. Aber bei der Seidenspinner-Raupe müssen bisweilen leider härtere Bandagen her. Wohlgemerkt – bisweilen. Weil dann nämlich die Fieberschübe, Schüttelfrost und Atemnnot bekämpft werden können – siehe oben.

Glücklicherweise ist momentan die Raupe nicht in jeder Ecke der Insel aktiv und nicht jeder ist gleichermaßen allergisch gegen sie. Aber sie ist da, wie selbst die Einheimischen zu spüren bekommen.

Patsy – meine Freundin, die in der Anse Boileau Lehrerin ist – berichtete mir, dass vor wenigen Tagen ganze Schulklassen nach Hause geschickt werden mussten, weil der Juckreiz und die allergischen Reaktionen bei den Kindern gegen dieses Raupenvieh zu heftig ausfielen. Und ich habe das Krabbeltier nicht nur im Jardin du Roi in den Bäumen, sondern auch an der Straße beim Inder-Laden und bei mir daheim auf dem Terassentisch (wieder)entdeckt.

Könnte es sein, dass ich diesen Raupen nicht zu Leibe rücken kann, weil ich gerade eben erfahren musste, dass ich sie im Kreolischen falsch geschrieben habe? Ich dachte eigentlich immer, dass das französische Wort „chenille“ im Kreolischen als „senil“ wiedergegeben wird – falsch! Witzigerweise wird dieses „ije“ am Wortende mi einem merkwürdigen „ir“ symbolisiert. Deswegen heißt „chenille plume“ nicht „senil plim“ – sondern korrekterweise „senir plim“. Dennoch – die Kenntnis über die korrekte einheimische Orthographie lindert nicht die Schrecken der Allergie…

Was also tun? So unterschiedlich die Reaktionen auf die Raupen und ihre Silberhärchen auch ausfallen, so unterschiedlich die Therapien: Im besten Fall hilft Aloe Vera – dieses Affodill-Gewächs wird hier gern als Zierpflanze angebaut. Die fleischigen Blätter lassen sich abbrechen, der Länge nach aufschlitzen, sodass das durchsichtige schleimartige Gel heraus treten kann, was direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden sollte. Hilft das nicht, dann könnten Soventol und Fenistil eine Lösung sein. Immer noch keine Linderung in Sicht? Dann müssen stärkere Mittel ran. Insbesondere Salben mit Hydrocortison versprechen Schmerzstillung. Wenn das aber immer noch keinen Erfolg verspricht, dann geht’s ans Eingemachte: Prednisolon – mit anti-entzündungshemmenden und anti-allergenen Wirkstoffen könnte helfen; als Tabletten oder Injektion in den kleinen Lazaretten vor Ort, in jeder Bucht. Oder dann noch die Haus- bzw. Reiseapotheke mit  Cetirizin (Tablettenform)– ein Antihistaminikum der sog. zweiten Generation, das zur Linderung von Beschwerden allergischer Erkrankungen eingesetzt wird.

ACHTUNG: Wer auf die Seychellen reist und sich gegen eine mögliche Seidenspinnerraupenallergie zu wappnen versucht, sollte vorher UNBEDINGT einen Arzt und/oder Apotheker zu Rate ziehen. Die hier gemachten Beobachtungen berufen sich auf subjektive Erfahrungen! Keine Haftung für diesen Eintrag!!!

Eigentlich war es nichts anderes als Fernweh und die Suche nach dem perfekten Inselidyll, was Heike Mallad auf die Seychellen brachte: 1998 verbrachte sie zum ersten Mal eine Woche auf den Trauminseln im Indischen Ozean.